Die britische Vizepremierministerin Angela Rayner hat am Freitag ihren Rücktritt erklärt. Die 45-Jährige zog damit die Konsequenzen aus einer unabhängigen Untersuchung, die ihr ein Fehlverhalten bei der Zahlung von Grunderwerbssteuern nachwies. Betroffen sind nicht nur ihre Ämter als Vize-Regierungschefin und ihr Amt als Ministerin für Wohnungswesen, sondern auch der Posten als Vizevorsitzende der Labour-Partei. Die Untersuchung sei zu dem Schluss gekommen, dass sie die „Warnung“ eines Rechtsberaters nicht beachtet und gegen den Minister-Kodex verstoßen habe.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ihr Rücktritt ist ein herber Rückschlag für die Regierung von Premierminister Keir Starmer. Zwei Tage zuvor hatte die Politikerin eingeräumt, beim Kauf einer Wohnung zu wenig Steuern gezahlt zu haben. Dies geht aus einem am Freitag veröffentlichten Schriftwechsel mit Premierminister Starmer hervor.

Großbritannien: Labour-Partei schwächelt bei Umfragen

Starmers Labour-Partei hatte bei der britischen Parlamentswahl im vergangenen Juli einen historischen Sieg eingefahren, seitdem sind ihre Umfragewerte aber deutlich schlechter geworden. In landesweiten Umfragen schwächelt die Regierungspartei derzeit. Starmer steht insbesondere unter dem Druck der in Umfragen aufstrebenden rechtspopulistischen Partei Reform UK.

Wie der „Guardian“ berichtet, betonte der zuständige Ethikberater Laurie Magnus zwar, Rayner habe „mit Integrität und beispielhafter Hingabe für den öffentlichen Dienst“ gehandelt. Dennoch sei sie bei ihren Steuerangelegenheiten hinter den Anforderungen des Ministerkodex zurückgeblieben. In einem handschriftlichen Brief äußerte sich Starmer als über den Abgang seiner Stellvertreterin und versicherte ihr, weiterhin eine „wichtige Stimme“ in der Partei zu haben.

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Rayner: Fall beruht auf Immobiliengeschäft

Nach Angaben der „New York Times“ beruhte der Fall auf einem komplizierten Immobiliengeschäft. Rayner hatte 2025 eine Ferienwohnung im südenglischen Hove gekauft, während sie weiterhin zeitweise im gemeinsamen Haus mit ihrem geschiedenen Mann bei Manchester lebte. Berater hatten ihr wiederholt nahegelegt, zusätzliche Steuerexpertise einzuholen – dem sei sie nicht gefolgt. Zwar habe sie später selbst die Steuerbehörden informiert, dennoch wertete Magnus dies als Verstoß gegen die hohen Standards für Kabinettsmitglieder.

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Die Politikerin begründete ihren Schritt zudem mit der enormen Belastung für ihre Familie durch die wochenlange öffentliche Debatte. „Meine Familie hat sich nicht ausgesucht, dass ihr Privatleben so intensiv durchleuchtet wird“, schrieb Rayner.

Angela Rayner: Galt als Verbindung zum linken Parteiflügel

Rayner galt als wichtige Verbindungsperson zum linken Parteiflügel und als volksnahe Stimme in der Regierung. Ihr Abgang zwingt Starmer nicht nur zu einer kurzfristigen Kabinettsumbildung, sondern verschärft auch die parteiinternen Spannungen.

kmh/dpa