Vor einigen Tagen hat Robert Habeck (56) ein Foto auf Instagram gepostet. Die Sonne im Gesicht, hinter ihm das Wasser des Kopenhagener Nordhafens. Da arbeite er seit gestern, schreibt Habeck dazu. „Neue Horizonte“, heißt es weiter. „Und bald mehr…“ Der Grünen-Politiker meldete sich damit zurück, nur wenige Tage, nachdem er sich auf der großen Bühne verabschiedet hatte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als der ehemalige Bundeswirtschaftsminister, Ex-Vizekanzler und vielleicht umstrittenste Vertreter der zerbrochenen Ampel-Koalition Ende August erklärte, zum 1. September sein Bundestagsmandat niederzulegen, kam das wenig überraschend. Überlegungen über einen möglichen Rückzug gab es schon seit Monaten, viele Redaktionen – auch diese – berichteten. Der 56-Jährige hatte dazu stets geschwiegen.
Als die Entscheidung tatsächlich gefallen war, nutzte er deren Bekanntgabe dann aber dazu, sich in einem Interview in der taz ausführlich zu erklären. Er wolle weder ein höhnisch-zynischer Kommentator sein noch „wie ein Gespenst über die Flure laufen und sagen: Früher war ich mal Vizekanzler, erinnert ihr euch?“, sagte Habeck. Stattdessen zog es ihn in die Ferne, an ausländische Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Es gehe ihm um „eine Horizonterweiterung, einen Perspektivwechsel“, sagt Habeck.
Habecks Verbindungen nach Dänemark sind schon seit Langem eng
Für den Schriftsteller, der als Politiker eine der bekanntesten und kontroversesten Figuren des Landes wurde, beginnt damit ein neuer Abschnitt. In den ersten Konturen ist das neue Leben des Robert Habeck schon jetzt erkennbar. Und es wird deutlich: Im Parlament und in der ersten Reihe seiner Partei ist er zwar nicht mehr – aber mitreden will Habeck noch immer.

Der Arbeitsplatz am Nordhafen in Kopenhagen gehört zum Dänischen Institut für Internationale Studien, an dem zu Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik geforscht wird. Auf der Website des Instituts wird Habeck bereits als Senior Analyst für Internationale Beziehungen und Diplomatie geführt, einer dänischen Tageszeitung gab er ein Interview über Außenpolitik. Seine Verbindungen zu dem Land sind eng – einen Teil seines Studiums absolvierte er in Roskilde, er spricht die Sprache, seine vier inzwischen erwachsenen Söhnen besuchten dänische Bildungseinrichtungen in Deutschland.
Auch die USA stehen auf der Liste der Ziele für die nahe Zukunft. An der Elite-Universität Berkeley will Habeck eine Gastprofessur übernehmen. Er wandelt damit auf den Spuren des grünen Ex-Außenministers Joschka Fischer, der nach seiner Zeit als Minister nach Princeton ging, um dort über internationale Krisendiplomatie zu dozieren.
Doch der Ex-Vizekanzler will auch in Deutschland weiter wahrnehmbar sein. Am renommierten Berliner Ensemble startet im Oktober eine Gesprächsreihe, die mit „Habeck live“ zwar einen schlichten Titel trägt, in ihrer Ambition aber wenig bescheiden ist: „zentrale gesellschaftliche, politische und kulturelle Fragen“ sollen besprochen werden, „jenseits der tagespolitischen Aufgeregtheit“. Zu den ersten Gästen gehört Ex-Ampel-Kollege Volker Wissing.
Robert Habeck: Frust über das System und die Medien
Und auch ein neues Buchprojekt soll es geben, das sagte Habecks Frau, die Schriftstellerin und Übersetzerin Andrea Paluch, jetzt in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Die beiden hätten „das kommende Jahr gemeinsam geplant“, sagte Paluch, einschließlich der Aufenthalte im Ausland und eben eines neuen Buchs. Sie freue sich, nicht mehr allein schreiben zu müssen, sagte Paluch weiter. Sie habe das als „ein bisschen freudlos und sehr einsam“ empfunden. Habeck und Paluch hatten bis zu seinem Wechsel in die Politik stets gemeinsam geschrieben.
Aus den Äußerungen und Plänen des einstigen Grünen-Stars sprechen zusammen genommen zwei Dinge: Da ist zum einen der Frust über den politischen Betrieb („die Röhren des Systems“) und seine mediale Begleitung. Beides hatte Habeck zum Ende seiner Amtszeit erkennbar satt.
Doch von der Öffentlichkeit lassen will er zum anderen auch nicht. Sich einmischen will er weiterhin, nur zu seinen Bedingungen, ohne die Begrenzungen, die Amt und Mandat auferlegen. Über den Dingen, wo Habeck sich immer schon selbst verortete.
Und die Politik? Für den Moment hat der Grüne keine Pläne, aktiv ins politische Geschehen zurückzukehren. Seinen Politikansatz, die Strategie, die er für die Grünen, aber auch im Hinblick auf die Gesellschaft die vergangenen Jahrzehnte verfolgt hat, betrachtet er als abgewählt, wenn nicht als gescheitert.
Ein Drittel der Menschen will Habeck wieder in der Politik sehen
Die politische Konkurrenz würde das wohl unterschreiben. Er wünsche Habeck „viel Glück außerhalb der Politik“, sagte CSU-Chef Markus Söder, dem Habeck „fetischhaftes Wurstgefresse“ attestiert hatte. In der Politik sei Habeck ja „sehr erfolglos“ gewesen.
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Trotzdem gibt es immer noch Menschen, die den Grünen eines Tages gern wieder sehen würden in der Arena der hauptberuflichen Politik. Immerhin 35 Prozent der Befragten sagten in einer Umfrage, sie fänden ein Comeback „in einigen Jahren“ gut – eine Mehrheit (55 Prozent) sah das allerdings anders.
Bei den Grünen hatten sie ohnehin bis zum Schluss gehofft, dass er sich anders entscheiden und der Tagespolitik erhalten bleiben könnte. „Sein Platz wird inmitten der grünen Partei bleiben“, erklärten die Parteivorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak zum Abschied. Habeck selbst hat eine Rückkehr nicht kategorisch ausgeschlossen. Wohin ihn der Weg „durchs Offene“ führe, wisse er noch nicht. (mit wry)






