Zusammenfassung

  • US-Präsident Donald Trump bedauert den israelischen Angriff auf die Hamas in Katar
  • Israelische Streitkräfte hatten zuvor einen gezielten Angriff auf die Hamas-Führung in Doha ausgeführt
  • Der UN-Sicherheitsrat wird sich mit dem Angriff befassen

US-Präsident Donald Trump bedauert nach Angaben des Weißen Hauses, dass Katar Ort eines israelischen Angriffs auf die islamistische Hamas geworden ist. Der Republikaner betrachte Katar als engen Verbündeten und Freund der USA, teilte das Weiße Haus mit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In der Stellungnahme, die Regierungssprecherin Karoline Leavitt verlas, hieß es weiter, eine „einseitige Bombardierung innerhalb Katars als souveränem Staat und engem Verbündeten der Vereinigten Staaten“, diene weder Israels noch Amerika Zielen. Nach Angaben des Weißen Hauses wurde die US-Regierung vom US-Militär informiert, dass Israel die islamistische Hamas angreifen werde, die sich „leider“ in einem Teil von Doha aufhalte. 

President Donald Trump speaks during a hearing on religious liberty in education at the Museum of the Bible.
Nach Angaben des Weißen Hauses bedauert US-Präsident Donald Trump den Angriff auf Katar.© AFP | SAUL LOEB

Trump habe darauf seinen Sondergesandten Steve Witkoff angewiesen, Katar über den anstehenden Angriff zu informieren. Leavitt betonte zugleich, dass die Beseitigung der Hamas, die vom Elend der Menschen in Gaza profitiert habe, ein erstrebenswertes Ziel sei. Laut Regierungssprecherin Leavitt sprach Trump auch mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu und mit Vertretern Katars. Letzteren habe er versichert, dass so etwas auf ihrem Boden nicht wieder vorkommen werde.

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Katar hingegen widersprach der Darstellung der US-Regierung. Man sei über den israelischen Luftangriff auf die Hamas-Führungsspitze in Doha nach eigener Darstellung nicht vorab informiert worden. Entsprechende Medienberichte seien falsch, sagte der Sprecher des katarischen Außenministeriums Madschid al-Ansari. Ein US-Regierungsvertreter habe in dem Moment in Katar angerufen, als die Explosionen bereits zu hören waren.

Am heutigen Mittwoch wird sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit dem Angriff Israels auf die Führungsspitze der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas in Katar beschäftigen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen. Beantragt habe die Dringlichkeitssitzungssitzung unter anderem Algerien.

Israel hatte am Dienstag die Führungsspitze der Hamas in Katars Hauptstadt Doha angegriffen, mehrere Explosionen waren zu hören. Aus einem Statement der israelischen Armee und des Geheimdienstes Shin‘Bet ging hervor, dass die Luftwaffe einen Angriff auf die Terror-Chefs ausgeführt hatte. Wenig später bestätigte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, dass Israel für den Angriff verantwortlich sei.

Israels Luftwaffe hat einen Angriff auf die katarische Hauptstadt Doha geflogen.
Israels Luftwaffe hat einen Angriff auf die katarische Hauptstadt Doha geflogen. © AFP | JACQUELINE PENNEY

In dem Statement der Streitkräfte heißt es: „Die Mitglieder der Hamas-Führung, die getroffen wurden, haben die Aktivitäten der Terrorgruppe jahrelang angeführt und sind direkt für das Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlich und für den Krieg, der gegen den Staat Israel geführt wird.“ Man habe Schritte unternommen, um zivile Opfer zu vermeiden und Präzisionsmunition eingesetzt.

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Angriff auf Hamas-Führung: Es gab viele Warnungen

Unklar ist, welche Mitglieder der Hamas-Führung Israel getroffen haben will und ob die USA informiert waren. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte vor zehn Tagen Angriffe auf Hamas-Führer im Ausland angedroht. „Mit unseren Aktionen sind wir noch nicht fertig“, sagte er nach einem Angriff auf den Hamas-Sprecher Abu Obaida. „Die meisten Hamas-Führer sind im Ausland, und wir werden auch zu ihnen vordringen.“

Auch der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte erst am Montag eine scharfe Warnung an die Hamas ausgesprochen. „Heute wird ein gewaltiger Hurrikan über den Himmel der Stadt Gaza hereinbrechen und die Dächer der Terror-Hochhäuser werden beben“, schrieb Katz in einem Post auf der Plattform X. „Dies ist die letzte Warnung an die Mörder und Vergewaltiger der Hamas in Gaza und in den Luxushotels im Ausland: Lasst die Geiseln frei und legt die Waffen nieder – oder Gaza wird zerstört und ihr werdet vernichtet“, schrieb Katz weiter.

Zuvor hatte bereits US-Präsident Trump eine „letzte Warnung“ an die Hamas ausgesprochen, um kurz vor Israels weiteren Vorstoß in der Stadt Gaza eine diplomatische Lösung zu erzwingen. Israel habe seine Bedingungen akzeptiert, es sei an der Zeit, dass auch die Hamas sie akzeptiere, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Die Hamas zeigte sich daraufhin zu „sofortigen Verhandlungen“ bereit. Man begrüße „jeden Schritt, der dazu beiträgt, die Aggression gegen unser Volk zu beenden“.

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Hamas-Führung versteckte sich lange in Katar

Katar gewährt der politischen Führung der Terrororganisation seit Langem Zuflucht. So hatte sich etwa Ismail Haniyya bis zu seinem Tod in Teheran im Juli 2024 in Doha aufgehalten. Zuletzt war Khalil al-Hayya, ebenfalls hochrangiges Hamas-Mitglied, in Katar und Ägypten. Al-Hayya war immer wieder an den Verhandlungen über einen Waffenstillstand im Gazakrieg beteiligt. Der Nachrichtenkanal Al-Arabija berichtete, dass bei dem Angriff nach vorläufigen Informationen Khalil al-Hayya getötet worden sei. Eine Bestätigung für seinen Tod oder anderer Hamas-Funktionäre gab es zunächst nicht. 

Rauch steigt über Gebäuden in Doha auf.
Rauch steigt über Gebäuden in Doha auf.© AFP | JACQUELINE PENNEY

Andere höhere Hamas-Funktionäre im Ausland leben ebenfalls zumeist in Katar oder in der Türkei. So soll sich Khaled Maschal, der ehemalige Leiter des Hamas-Politbüros, in Doha aufgehalten haben. Israelische Journalisten berichten außerdem, dass Zaher Jabarin, der Finanzminister der Hamas, bei dem Angriff attackiert worden sein soll. Jabarin werden mehrere Bombenattentate zur Last gelegt.

Hamas-Quellen bestätigten Al-Dschasira, dass der Angriff auf das Verhandlungsteam der Organisation gezielt habe. 

Kritik von Geisel-Angehörigen nach Angriff in Katar

Angehörige von Geiseln in Händen der islamistischen Hamas haben nach dem Angriff große Sorge geäußert. Man befürchte, die Geiseln könnten nun den Preis für Israels Vorgehen zahlen, hieß es in einer Mitteilung des Forums der Angehörigen. 

„Wir wissen von den Überlebenden, die zurückgekehrt sind, dass die an den Geiseln verübte Rache brutal ist“, hieß es weiter. „Die Chance, sie zurückzubringen, ist jetzt ungewisser als je zuvor – mit einer absoluten Gewissheit: Ihre Zeit läuft ab.“ Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte den israelischen Angriff in einem Telefonat mit dem katarischen Emir. Die „Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars durch den heutigen israelischen Angriff“ sei „nicht akzeptabel“, sagte Merz dabei laut einer Mitteilung der Bundesregierung vom Dienstagabend. Zudem habe Merz Katars „Vermittlungsbemühungen um einen Waffenstillstand in Gaza und die Freilassung der Hamas-Geiseln“ gewürdigt.

Katar verurteilt „feigen“ Angriff auf Schärfste

Israelische Medien berichten derweil, dass Israel vorab die USA von dem geplanten Angriff informiert hatten. Demnach habe US-Präsident Donald Trump grünes Licht geben, schreibt etwa die „Times of Israel“. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu übernahm jedoch die volle Verantwortung für den Angriff. „Die heutige Aktion gegen die führenden Terroristenführer der Hamas war eine völlig unabhängige israelische Operation. Israel hat sie initiiert, Israel hat sie durchgeführt“, hieß es in einer Stellungnahme von Netanjahus Büro. 

Unterstützung erhielt Netanjahu seitens des israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich. „Für die Terroristen gibt es keine und wird es niemals Immunität vor dem langen Arm Israels geben – an keinem Ort der Welt“, schrieb der ultrarechte Minister Smotrich in einem Post auf der Plattform X. „Eine richtige Entscheidung, die wir getroffen haben, und eine perfekte Ausführung durch die Armee und den (Inlandsgeheimdienst) Schin Bet.“

Die katarische Regierung verurteilte den Angriff in scharfen Worten als „feige“. Die Attacke habe Wohngebäuden gegolten, „in denen mehrere Mitglieder des Politbüros der Hamas untergebracht waren“, heißt es in einem Statement des Außenministeriums in Doha. Sprecher Majed Al Ansari sprach von einem „kriminellen Angriff, der eine krasse Verletzung aller internationaler Gesetze und Normen darstellt“.

Er sprach weiter von einer ernsten Bedrohung für die Sicherheit und Unversehrtheit der Bewohner von Katar. Man werde „solch rücksichtsloses Verhalten Israels“ nicht tolerieren. Er kündigte eine Untersuchung „auf höchster Ebene an“.

Katar gilt als wichtiger Vermittler in der Region

Nach der Explosion in der katarischen Hauptstadt war eine große Rauchwolke zu sehen, wie die Fernsehsender Al-Arabija und Al-Dschasira berichteten. Die katarische Nachrichtenseite Doha News zeigte ein zerstörtes Gebäude, vor dem ein schwarzer Geländewagen parkt. Auch Doha News berichtete, dass Israel das Hamas-Verhandlungsteam angegriffen habe.

Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas. Die Verhandlungen um eine Waffenruhe kommen aber seit Monaten nicht voran. Israels Regierung beabsichtigt unterdessen, die Stadt Gaza militärisch vollständig einzunehmen.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast zwei Jahren hat Israel bereits zahlreiche ranghohe Hamas-Anführer und Kommandeure im Gazastreifen getötet, unter ihnen Jihia al-Sinwar und Mohammed Deif. Den damaligen politischen Führer der Hamas, Ismail Hanija, tötete Israel bei einem Anschlag in Teheran.

pcl/mit dpa