Charlie Kirk, wie er auf der Bühne steht, jubelnde Anhänger, eine Lichtshow, Menschen, die feiern: Wer in den letzten Tagen die Internetseite der Organisation Turning Point USA (TPUSA) besuchte, bekam ein konservatives Amerika in Aufbruchstimmung präsentiert. Doch seit Mittwochabend ist bei TPUSA wohl nichts mehr so, wie es vorher war.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Kirk, der Gründer von TPUSA und Vordenker der amerikanischen Rechten, wurde bei einem Auftritt auf dem Campus der Utah Valley University erschossen. Und auf der Internetseite von TPUSA öffnet sich jetzt ein weißes Fenster. Mit blauer Schrift wird der Tod Kirks verkündet. „Mit schwerem Herzen“ müsse man bestätigen, dass Kirk durch „einen Schuss getötet“ wurde. „Möge er in die barmherzigen Arme unseres liebenden Erlösers aufgenommen werden, der für Charlie litt und starb“, heißt es weiter.

Charlie Kirk: Expertin sieht „Verbreitung bewusst falscher Informationen“
TPUSA – das ist die Organisation, die Kirk 2012 mitgegründet hatte und für die er bis zu seinem Tod eintrat, um konservative Werte wie Patriotismus und traditionelle Familienstrukturen zu fördern. Hauptzielgruppe: amerikanische Studenten. Mehr als 250.000 Mitglieder hat TPUSA eigenen Angaben zufolge. Und Kirk war das Gesicht der Organisation. Die Veranstaltungsreihe „The American Comeback Tour“, auf der sich Kirk gerade befand, sollte am nächsten Donnerstag auf dem Campus der Colorado State University in Fort Collins weitergehen.
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„Das Netzwerk Turning Point USA wird als größte Jugendbewegung für Rechtskonservative in den USA gesehen – und ist damit entsprechend relevant und einflussreich“, sagt die Amerika-Expertin Nicole Renvert dieser Redaktion. Kirk habe TPUSA vor allem als „kommunikatives Vehikel“ genutzt, erklärt Renvert, die Fellow am Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) an der Universität Bonn ist. Damit habe Kirk besonders US-Präsident Donald Trump und seine Maga-Bewegung (Make America Great Again) unterstützen wollen.
„Gerade bei jungen Wählern hatten Kirk und sein Netzwerk Einfluss, da sie unterschiedlichste Medienformate bedienen, ihr Vertreter selber ein sehr bekannter Redner, Podcaster und Autor war und als junger Familienvater viele Sympathien genoss“, sagt die US-Kennerin, die das Agieren von TPUSA jedoch scharf kritisiert. „Viele der Positionen des Netzwerks sind fragwürdig, da komplexe Themen verkürzt dargestellt, Personen ausgegrenzt und Errungenschaften für Staat und Gesellschaft ignoriert und verschwiegen werden“, erklärt sie. Auch die Verbreitung von bewusst falscher Informationen des Netzwerks sei problematisch.
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Während der Corona-Pandemie ließ TPUSA durch eine Firma zum Beispiel Hunderte Fake-Accounts auf Facebook erstellen, um politische Gegner zu diskreditieren. Kirk selbst und seine Organisation setzten auch falsche Behauptungen über die Sicherheit und Wirksamkeit von COVID-19-Impfstoffen in die Welt und starteten eine Kampagne gegen die Studentenimpfungen an Hochschulen. Umstritten ist auch die „Professor Watchlist“ der Organisation, eine Website, die Hochschullehrer auflistet, die laut TPUSA konservative Studenten diskriminieren oder „linke Propaganda“ verbreiten.
Charlie Kirk: Bringt sein Tod TPUSA einen Bedeutungszuwachs?
Nach dem Tod Kirks rechnet USA-Kennerin Renvert nun mit einem „enormen Aufmerksamkeits- und Bedeutungszuwachs“ für TPUSA. „Es ist davon auszugehen, dass viele der Inhalte, die das Netzwerk verbreitet, nun eine sehr viel breitere Öffentlichkeit bekommen und sich auch mehr Personen mit den teilweise radikalen Positionen identifizieren. Allein schon deshalb, weil durch den Mord an dessen Leitfigur, neben der persönlichen Betroffenheit, eine hohe Dramatik entstanden ist“, sagt Renvert, die auch vor unvorhersehbaren Folgen warnt.
„Sollten Anhänger des Netzwerks den Mord an Kirk dazu nutzen, selber Gewalt auszuüben, oder sich auch legitimiert sehen, eine solche Tat zu vergelten, sind die Folgen für die amerikanische Gesellschaft kaum abschätzbar – und damit höchstgefährlich“, so die Politikwissenschaftlerin.







