Donald Trump könnte sich verzockt haben. Der US-Präsident setzt seine Politik brachial durch und geht immer unverhohlener gegen politische Gegner vor. In Washington D.C. und Los Angeles setzte er die Nationalgarde ein, angeblich um die Kriminalität in der Hauptstadt zu bekämpfen und Proteste in L.A. niederzuschlagen. Und dabei beließ er es nicht. Trump kündigte an, in weitere von Demokraten regierte Städte die Nationalgarde einmarschieren zu lassen, zuletzt traf es Memphis. In seiner MAGA-Gefolgschaft bekommt der US-Präsident dafür Applaus, doch eine Mehrheit der Amerikaner, traditionell Staats-skeptisch eingestellt, ist dagegen die Truppe in US-Städten einzusetzen.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das zeigt eine neue Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der „Washington Post“. Demnach sind nur 44 Prozent der Befragten damit einverstanden, wie Trump gegen die Kriminalität im Land vorgeht. Eine Mehrheit von 54 Prozent glaubt, dass Trump bei der Verbrechensbekämpfung einen schlechten Job macht.
Donald Trump schneidet bei Kernthemen nicht gut ab
Besonders hellhörig dürften Trumps Republikaner jedoch aufgrund eines anderen Themas werden: Trumps Wirtschafts- und Zollpolitik sehen immer mehr Menschen im Land kritisch. Nur 34 Prozent der Befragten befürworten Trumps Zölle, 64 Prozent sind dagegen. Und inzwischen glauben 59 Prozent der Amerikaner nicht mehr, dass Trump gut für die US-Wirtschaft ist. Das Image vom erfolgreichen Geschäftsmann, der die Wirtschaft ankurbelt, scheint zu bröckeln.
Auch interessant
Bei seinem zweiten Kernthema Migration schneidet Trump kaum besser ab. 44 Prozent der Befragten sind mit dem US-Präsidenten und seiner Migrationspolitik zufrieden, 55 Prozent nicht. Die Demokraten können von Trumps Schwäche allerdings nicht profitieren. Denn die Umfrage zeigt auch, in den genannten Politikfeldern trauen ihnen die Wähler noch weniger zu als den Republikanern.
Midterms: Republikaner müssen bangen
Alles in allem ist der Rückhalt für Trump im September leicht gestiegen, 43 Prozent stehen hinter dem Präsidenten, 56 Prozent sind gegen ihn. Im April waren nur 39 Prozent von Trump überzeugt. Allerdings, und das dürfte die Republikaner beschäftigen, glaubt eine Mehrheit der Befragten, dass Trump seine Befugnisse als Präsident überschritten hat.
Bereits im kommenden Jahr stehen die Midterm-Wahlen an. Aktuell haben die Republikaner in beiden Kongresskammern eine knappe Mehrheit. Doch 53 Prozent der Befragten wünschen sich, dass die Demokraten bei den Midterms den Kongress gewinnen – um Trump stärker kontrollieren zu können.
Auch interessant
Ob die Demokraten das tatsächlich schaffen, bleibt aber fraglich. Das liegt auch am US-Wahlsystem, durch das ländliche Gegenden gegenüber den urbanen Zentren stärker ins Gewicht fallen. Eine Mehrheit der Stimmen bedeutet also nicht notwendigerweise eine Mehrheit im Kongress. Das spielt den Republikanern in die Hände.






