Es gibt sie noch, die Bunkeranlagen, die das Bild gewisser Stadtteile prägen. In Hamburg etwa thront der Bunker Feldstraße über St. Pauli. Der als Schutzbunker im Zweiten Weltkrieg errichtete Betonklotz beherbergt heute unter anderem einen Szene-Club, ein Restaurant und ein Hotel. In Berlin ist im ehemaligen Reichsbahnbunker mittlerweile eine zeitgenössische Kunstausstellung eingezogen. Und auch in München ist der ehemalige Luftschutzbunker in der Hotterstraße mittlerweile ein Kunstbunker.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Kunst, Kultur, historische Führungen, mitunter auch Wohnungen: Jahrelang hat Deutschland seine Bunkeranlagen umgewidmet, andere wurden zurückgebaut. 579 Bunker und Schutzanlagen zählt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) heute noch. Im Ernstfall könnten darin rund 480.000 Menschen Schutz finden – lediglich knapp 0,6 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Bunker: ASB-Chef warnt: „Brauchen eine ehrliche Neubewertung
„Deutschland verfügt aktuell nicht über genügend funktionsfähige Schutzräume, um im Ernstfall einen nennenswerten Teil der Bevölkerung unterzubringen“, sagt auch Uwe Martin Fichtmüller, Bundesgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). „Der Zivilschutz wurde über Jahrzehnte zurückgefahren, viele Bunker wurden stillgelegt oder anderweitig genutzt. Das rächt sich nun.“ Es brauche daher „dringend eine ehrliche Neubewertung der Schutzinfrastruktur“, forderte der ASB-Chef. Es gehe dabei aber nicht nur um neue Bunker. „Ein moderner Bevölkerungsschutz muss vielfältig denken – mit klaren Alarmierungswegen, Notunterkünften, Versorgungslogistik, Betreuung und psychosozialer Unterstützung.“
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Auch die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Gerda Hasselfeldt, hatte unlängst im Gespräch mit dieser Redaktion für mehr Schutzräume geworben. Das müssten nicht unbedingt Bunker sein, hatte Hasselfeldt gesagt. „Man kann auch darüber nachdenken, etwa U-Bahnhöfe zu nutzen.“ Das müsse man aber entsprechend vorbereiten.

ASB-Chef fordert besseren Zivilschutz
ASB-Chef Fichtmüller wies nun darauf hin, dass die Krisenvorsorge im Alltag bei jedem Einzelnen beginne. Viele Menschen würden aber gar nicht wissen, was sie im Ernstfall wirklich bräuchten. Fichtmüller warb darum, sich auf Ernstfälle, zu denen er auch Blackouts oder Extremwetter zählte, vorzubereiten. „Was mir besonders wichtig ist: Vorsorge darf keine Angst machen, sondern soll Sicherheit geben“, sagte er. Positiv sei es etwa, dass erste Bundesländer angefangen hätten, Erste Hilfe im Unterricht zu thematisieren. „Noch mehr möglich wäre bei Unternehmen: Hier könnte man sie anhalten, solche Kurse zu verankern“, schlug der ASB-Chef vor.
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Ohnehin sprach sich Fichtmüller dafür aus, den Zivilschutz zu stärken. „Noch fehlen vielerorts ausreichende Konzepte, Ressourcen und vor allem Strukturen für die Betreuung der Zivilbevölkerung im Ernstfall. Der Katastrophenschutz braucht dringend einen höheren Stellenwert – politisch wie finanziell –, so wie es jetzt auch in der Diskussion ist.“ Gerade vulnerable Gruppen, also etwa ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf bräuchten eine spezielle Unterstützung im Krisenfall. Konkret nannte Fichtmüller „flächendeckende Betreuungsmodule, psychologische Akuthilfe und eine bessere Verzahnung von Hilfsorganisationen und Behörden“.






