Das Verhältnis zu den Sozialdemokraten scheint Friedrich Merz mittels Bierkrug- und Brezn-Diplomatie vorerst gekittet zu haben. In trauter Viersamkeit saß der Kanzler dieser Tage mit CSU-Chef Markus Söder und den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas beim Münchner Oktoberfest beisammen, um die neue Einigkeit öffentlichkeitswirksam zu zelebrieren. Seit ihrer Rückkehr aus der Sommerpause gehen Union und SPD merklich pfleglicher miteinander um.

Merz soll die Unionsabgeordneten in interner Sitzung sogar ermahnt haben, vorsichtig mit Klingbeil zu sein, der sei bei Kritik schließlich so sensibel. Ganz nach dem Motto: Macht uns den Koalitionspartner nicht kaputt, wir haben nur den einen. Da dies umgekehrt ebenso gilt, war es auch im Interesse der SPD, sich vor der Arbeit an dem angekündigten Reformpaket in der Koalition zusammenzuraufen.
Friedrich Merz: Der Kanzler ist im Verteidigungsmodus
Der schwerere Brocken in Sachen Beziehungsarbeit steht Merz noch bevor. Der Kanzler muss die Bevölkerung von sich und seiner Regierung überzeugen: Nach vier Monaten im Amt sind die Zustimmungswerte von Schwarz-Rot alarmierend schlecht – und deutlich schlechter, als die Koalition es gemessen an ihrer bisherigen Bilanz und nach so kurzer Zeit verdient hat.

Der Kanzler muss jedoch mit dem Blatt klarkommen, das er ausgeteilt bekommen hat. In der Generaldebatte im Bundestag nutzte Merz einen Großteil seiner Redezeit, sich gegen Kritik zu wehren.
Neue Ideen, Hoffnung für die Wirtschaft, klare Positionen zum Umgang mit russischen Nadelstichen gegen Europas Sicherheit kamen nicht vor. Der Bundeskanzler ist im Verteidigungsmodus, Aufbruchstimmung verbreitet er so nicht.


