Immer mehr Jugendliche in Deutschland erleben Gewalt. Laut der neuen Ausgabe des „Niedersachsensurveys“, der größten Langzeitstudie zur Jugendkriminalität in Deutschland, hat der Anteil junger Menschen, die Opfer von Gewalttaten wurden, deutlich zugenommen. Während im Jahr 2015 rund 15 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, in den vergangenen zwölf Monaten Gewalt erfahren zu haben, lag der Wert 2024 bereits bei etwa 20 Prozent. Das teilt das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), das die Studie erstellt hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Für die aktuelle Erhebung wurden mehr als 9200 Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Niedersachsen befragt. Die Daten gelten als repräsentativ für das Bundesland, werden aber auch bundesweit als wichtiger Indikator für Trends bei Jugendkriminalität herangezogen.
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Mädchen erleben deutlich häufiger sexuelle Belästigung
Besonders auffällig ist, dass Mädchen deutlich häufiger Opfer von Sexualdelikten werden. 15,7 Prozent der befragten Schülerinnen gaben demnach an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben, 4,3 Prozent berichteten sogar von sexueller Gewalt. Jungen hingegen seien häufiger von körperlichen Angriffen und Raub betroffen. Insgesamt erlebte etwa jeder zehnte Jugendliche eine Körperverletzung durch eine einzelne Person – das häufigste Delikt.
Auch Raub und Erpressung spielen eine Rolle. Knapp vier Prozent der Befragten gaben an, damit konfrontiert worden zu sein.
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Zahl der Täter bleibt stabil – doch sie werden jünger
Während mehr Jugendliche Opfer von Gewalt werden, zeigen die Daten auf Täterseite ein anderes Bild: 6,1 Prozent der Befragten gaben demnach an, im vergangenen Jahr selbst mindestens eine Gewalttat begangen zu haben. Das sei nahezu derselbe Anteil wie 2015 und sogar weniger als 2019.
Allerdings habe sich das Durchschnittsalter der Täter weiter verringert. Laut KFN begehen Jugendliche ihre erste Gewalttat heute im Schnitt mit 11,6 Jahren – 2013 lag das Durchschnittsalter noch bei 12,2 Jahren. Trotzdem sehen die Forscher keinen Anlass sehen, die Strafmündigkeit, wie von einigen Politikern gefordert, von 14 auf zwölf Jahre zu senken. Kinder würden häufig emotional und impulsiv handeln, und „das Androhen von Strafe wirke bei ihnen kaum“.
Brutalere Jugend? Studie gibt Entwarnung
Trotz der Zunahme an Gewalterfahrungen sehen die Forscher demnach keine Hinweise auf eine brutalere Jugend. Bei den zuletzt erlebten Taten hätten 15 Prozent der Betroffenen Verletzungen erlitten, die ärztlich behandelt werden mussten. Das entspreche etwa den Werten aus den Jahren 2013 und 2015 – nur 2019 sei der Anteil ungewöhnlich niedrig gewesen. Auch die Zahl der von Schulen gemeldeten „Raufunfälle“ sei in den vergangenen Jahren eher gesunken.
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Ein weiterer verbreiteter Eindruck, dass Jugendliche häufiger Messer mit sich führen, findet in der Studie ebenfalls keine Bestätigung. Der Anteil von Gewalttaten, bei denen eine Waffe zum Einsatz kam, blieb seit 2013 nahezu konstant. Zwar tragen einige Jugendliche Waffen wie Messer oder Schlagringe, doch der Anteil sei seit 2017 stabil. Laut KFN wurden Messer 2024 sogar etwas seltener mitgeführt als zwei Jahre zuvor.








