Kaum ein Land ist so homophob wie Uganda. Vor gut zwei Jahren beschloss das Parlament des ostafrikanischen Landes ein drakonisches Gesetz gegen queere Menschen. Betroffene geraten in Panik, fürchten um ihre Sicherheit und müssen oft hungern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es gab Zeiten, da mietete Ram Gava noch ein ganzes Grundstück in Kampala an, mit einem modernen Raum für Andachten, einem Büro sowie einem Hof, auf dem zu Ostern oder Weihnachten größere Feste stattfanden. Als Gründer einer queerfreundlichen Kirche hatte er im streng christlichen Uganda viel Zulauf: von schwulen, lesbischen und auf andere Weise der Heteronormativität nicht entsprechenden Gläubigen sowie von queeren Personen, die gar nicht glauben, oder einer anderen Religion anhängen. „Wir haben alle aufgenommen!“, sagt Gava.

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Queer in Uganda: Strengste Gesetze gegen LGBTQI

Der junge Mann ist stolz darauf, ein Vorkämpfer für queere Rechte im ostafrikanischen Land zu sein. Als er seine Adonai Inclusive Christian Church Uganda vor einigen Jahren gründete, streamte er seine Gottesdienste online, gab Interviews. Aber heute? Fürchtet er um sein Leben, lebt von der Hand in den Mund, wenn überhaupt. „Sie haben uns zu Schwerkriminellen erklärt.“ Im 50-Millionen-Land sind „homosexuelle Handlungen“ nicht einfach nur verboten. Seit rund zwei Jahren werden sie schwerer bestraft als fast überall sonst.

Weltweit ist die Gesetzeslage kaum irgendwo so homophob und brutal wie in Uganda. Nachdem „homosexuelle Handlungen“ schon länger offiziell verboten waren, wurde 2023 ein Gesetz durchs Parlament gebracht, laut dem sich etwa Medien im Land strafbar machen, wenn sie positiv über Homosexualität und Queersein berichten. Auch Bildungsorganisationen und Vermieter, die queere Personen in ihren Wohnungen unterbringen, verstoßen gegen das Gesetz. Meist mehrere Jahre Gefängnis sind zu befürchten.

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Bei „schweren Fällen“ – etwa Sex mit Personen, die HIV-positiv sind, unter Drogeneinfluss stehen, minderjährig sind oder eine Behinderung haben – droht gar die Todesstrafe. Schon 2014 hatte das Parlament ein ähnliches Gesetz auf den Weg gebracht, das wegen formaler Mängel noch abgewiesen wurde. Nach einer ähnlichen Klage hat das Verfassungsgericht 2024 aber bestätigt, dass diesmal alles seine Ordnung habe.

Ugandischee Parlamentarier: „Homosexuelle haben keinen Platz in Uganda!“

Viele Parlamentarier sind sogar sichtlich stolz drauf. „Homosexuelle haben keinen Platz in Uganda!“, johlte der Abgeordnete Musa Ecweru bei der Abstimmung im Frühling 2023, woraufhin laut zusammen gesungen wurde. Der seit dreieinhalb Jahrzehnten autoritär regierende Yoweri Museveni hat Homosexualität in Interviews „ekelhaft“ genannt. Daraufhin reagierten die USA mit einer Streichung von Entwicklungshilfe ans Land. Nach der Verabschiedung 2023 verhielten sich die Niederlande ähnlich. Die Weltbank stoppte Kredite.

Wer nach den Gründen für die weitverbreitete Homophobie fragt, hört schnell christliche Erklärungen, nach denen Homosexualität eine Sünde sei. Präsident Museveni findet zudem – auch dies eine übliche Begründung –, queere Menschen verkörperten Kulturimperialismus. Die Idee, Queere sollten gleichberechtigt sein, sei nämlich westliche Ideologie, die „afrikanischen Werten“ widerspreche. Dass das Christentum, mit dem Homophobie auch gerechtfertigt wird, durch die westliche Ex-Kolonialmacht Großbritannien nach Uganda kam, wird dabei ignoriert.

Ram Gava, dessen inklusive Kirche mehr für Menschenrechte tut als die meisten größeren etablierten Gotteshäuser, stieß auch schon vorm Gesetz von 2023 auf den Widerstand der Staatsgewalt. Im Herbst 2022 wollte Ram Gava etwa das erste Pride-Festival Ugandas veranstalten, hatte zuerst eine Demonstration unter freiem Himmel geplant, letztlich nur noch einen Versammlungsraum in einem Hotel gebucht – und wurde dann am avisierten Tag festgenommen.

Pastor Ram Gava: „Jesus ist doch auch für uns am Kreuz gestorben.“

Das aktuelle Gesetz macht alles noch schwieriger. Menschen wie Ram Gava sind in akuter Gefahr. Treffen werden durch die Polizei aufgelöst. Gava ist ihnen ein offenbar besonderer Dorn im Auge: Denn seine Adonai Inclusive Christian Church Uganda argumentiert auf christliche Weise für Inklusion: „Jesus ist doch auch für uns am Kreuz gestorben.“ Dies jedenfalls sei die Botschaft seiner Predigten, mit denen er jahrelang auch immer wieder Spenden anziehen konnte. Mittlerweile ist es schwieriger: Seiner Kirche ist der Rechtsstatus aberkannt worden.

So sind Gava und die nach eigenen Angaben rund 1000 Personen, die der Bewegung angehört haben, auf der Flucht. „Vor kurzem wurden wir von einem Vermieter, bei dem wir auf sehr engem Raum hausten, einfach ausgeschlossen.“ Nun kommen sie nicht mehr an ihre Papiere. So fehlt den Mitgliedern nicht nur ein spirituelles Zuhause, sondern auch ein Dach überm Kopf, Essen und Schutz. „Polizisten haben schon Pistolen auf uns gerichtet“, sagt Gava, von einem geheimen Ort aus.

Geistlicher oder Menschenrechtler? In Uganda ein wenig von beidem

Für eine Flucht nach Europa aber, wo queere Personen als politisch Verfolgte prinzipiell Asyl erhalten müssten, fehlt ihnen das Geld. Aufgeben will Ram Gava trotzdem nicht. „Unsere Streichung aus dem Register soll uns auf dem Papier verschwinden lassen – aber unsere Berufung kann sie nicht tilgen“, sagt der Kirchengründer, der in seinen Predigten eher wie ein Menschenrechtler spricht: „Wir fordern nichts als radikale Inklusion!“

Das schließe eine gesetzliche Diskriminierung queerer Personen ebenso aus wie eine Berufung auf afrikanische oder christliche Werte hierfür. Derzeit sucht Gava nach neuen Wegen, seine Andachten – an denen eben auch queere Muslimas und Atheisten teilnehmen, weil sie ohnehin eher ein gegenseitiges Mutmachen zwischen Menschen mit ähnlichen Problemen sind – noch irgendwie aufrechtzuerhalten. Aber an anderen Tagen, sagt er, habe er einfach nur noch Hunger und Angst.