Es ist still hier draußen auf dem Land in der Region Saporischschja. Eine russische Aufklärungsdrohne soll irgendwo am sternenklaren Himmel kreisen. Vor wenigen Minuten gab es Alarm, eine Warnung vor Gleitbomben. Jetzt scheint sich die Lage etwas beruhigt zu haben. Am Rande des Feldwegs breitet sich ein Waldstück aus. Plötzlich grummelt ein Motor im Dickicht auf, wird lauter, röhrt. In der Dunkelheit taucht das grelle Licht eines Scheinwerfers auf. Auf rasselnden Ketten rumpelt der Panzer heran, setzt zurück unter ein Tarnnetz. Die beiden Maschinenkanonen sind nach vorne gerichtet. Es gibt gerade keine Ziele für den Gepard. Noch sind keine Drohnenschwärme im Anflug.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In diesem Jahr ist der Krieg in der Ukraine wieder in eine neue Phase eingetreten. Die Gefahr aus der Luft ist größer denn je. „Zu Beginn des Krieges wurden wir mit einzelnen Shahed-Drohnen angegriffen. Jetzt sind es manchmal hunderte pro Nacht“, sagt Dmytro. Der junge maskierte Soldat steht in der Dunkelheit vor der Silhouette des Panzers. Er kommandiert die dreiköpfige Besatzung.

Ihn zu treffen, war nicht einfach. Kaum eine Waffengattung gilt als sensibler als die Luftabwehr. Sie ist der Schutzschild der ukrainischen Städte. Die Luftwaffe, zu der Dmytros Einheit gehört, ist restriktiv in ihrer Öffentlichkeitsarbeit, Zugang den Luftabwehr-Komponenten zu bekommen ist schwierig. Jedes von Russland zerstörte System reißt eine empfindliche Lücke in die Verteidigung. Deswegen darf der genaue Ort des Treffens in Saporischschja nicht genannt werden.
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Ukraine-Krieg: Gepard-Panzer leistet lebensrettende Dienste
Dmytro arbeitet seit zwei Jahren mit dem Gepard. „Es ist eine sehr gute Maschine. Das System ist schnell und präzise, man kann damit hervorragend Ziele aufspüren und zerstören.“ Eigentlich wurde der Flugabwehrpanzer vor einem halben Jahrhundert entwickelt, um tief fliegende Kampfjets oder Hubschrauber abzufangen. Die Bundeswehr hat ihn vor fünfzehn Jahren ausgemustert, in der Ukraine leistet er aber lebensrettende Dienste. Mehr als 50 dieser Panzer hat Deutschland an das überfallene Land geliefert. „Wir sind unseren Partnern sehr dankbar“, sagt Dmytro pflichtgemäß.
Der Panzer hat zwei bordeigene Radarsysteme, mit dem Ziele in bis zu fünfzehn Kilometern entdeckt werden und verfolgt werden können. „Wir suchen damit nach den Drohnen. Wenn wir in der Lage sind, das Ziel zu treffen, zerstören wir es, wenn die Entfernung zu groß ist, dann senden wir die Info an andere Crews.“ Die beiden 35-Milimeter-Maschinenkanonen feuern 1100 Schuss pro Minute und können Luftziele in einer Entfernung von über fünf Kilometern treffen. Es ist eine gewaltige Waffe.

Russland hat die Drohnenproduktion erheblich ausgebaut
In der Ukraine ist der Gepard Teil eines mehrschichtigen Schildes, mit dem der Luftraum geschützt wird. Mobile Teams mit schweren, auf Pickups montierten Maschinengewehren, und der Gepard jagen Drohnen. Systeme wie das US-amerikanische „Patriot“ oder das deutsche „IRIS-T“ attackieren Marschflugkörper und ballistische Raketen. Auch Kampfjets, Hubschrauber und Abfangdrohnen sind jede Nacht im Einsatz, um die anfliegenden russischen Geschosse zu bekämpfen.
Es ist ein Kampf, der immer herausfordernder wird. Russland hat die Drohnenproduktion erheblich ausgebaut. Allein in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tartastan etwa 1500 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze sollen Monat für Monat bis zu 2700 Shahed-Drohnen gebaut werden, Flugkörper, die ursprünglich im Iran entwickelt wurden.
Nahezu jede Nacht greifen die russischen Streitkräfte die Ukraine mit diesen Kamikaze-Geschossen an, zielen damit auf die Städte und die kritische Infrastruktur des Landes. In der Nacht auf den 8. September schickten sie mehr als 800 Shaheds und Täuschkörperdrohnen in die Ukraine. Es war der größte Luftangriff seit Kriegsbeginn. In der Nacht zu Mittwoch attackieren die Russen mit über 400 Drohnen, ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Hyperschallraketen. 55 Drohnen und zwölf Raketen schlagen nach ukrainischen Angaben ein, unter anderem in einem Kindergarten in Charkiw im Nordosten des Landes. Vier Zivilisten kommen bei diesen Angriffen ums Leben. Die schiere Masse der Drohnen, die Moskau in die Ukraine sendet, mache die Lage „kompliziert“, sagt Dmytro.
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Ukraine: Gepard ist wirksam – es müsste aber mehr davon geben
Die russischen Drohnen werden zudem immer tödlicher. Zu Beginn des Krieges hatten die Shaheds Gefechtsköpfe mit einem Gewicht von etwa 40 Kilogramm, jetzt tragen sie bis 90 Kilogramm Sprengstoff mit sich. Das reicht, um ganze Apartmenthäuser zu zerstören. Es ist ein militärischer Wettlauf. „Russland wird versuchen, die Produktion von Shaheds so weit wie möglich zu steigern“, glaubt der ukrainische Militärexperte Mykhaylo Samus. „Im Gegenzug erhöhen wir die Produktion von Abfangdrohnen und kostengünstigen Boden-Luft-Raketensystemen und werden auch unsere Flotte von Hubschraubern und Leichtflugzeugen erweitern.“
Auch Samus lobt den deutschen Flugabwehrpanzer: „Der Gepard ist eine wirksame Waffe, aber es gibt zu wenige davon, um 500 bis 700 Drohnen pro Tag entlang einer 1200 Kilometer langen Front abzuwehren.“ Die Ukraine wird jetzt einige Panzer des Nachfolgemodells des Gepards erhalten. Der von der Rüstungsschmiede Rheinmetall produzierte Skyranger soll noch effektiver sein als sein Vorgänger. Wie viele dieser Systeme an die Ukraine geliefert werden, ist aber unklar.
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Ukraine: Luftabwehrsysteme sind immer häufiger von den Angriffen übersättigt
Militärexperte Samus hält es zudem für dringend geboten, die russischen Produktionsstätten zu attackieren. Es sei „wichtig, die Angriffe auf russische Fabriken, die an der Shahed-Produktion beteiligt sind, vor allem in Alabuga, zu verstärken“. In diesen Fabriken sollen unter anderem junge Frauen aus Brasilien und Südafrika arbeiten, die nach Russland gelockt wurden und jetzt in diesen besonders gefährdeten Bereichen eingesetzt werden, um die russische Kriegsmaschinerie zu stärken.
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In den vergangenen Monaten ist die Abschussquote der ukrainischen Luftabwehr gesunken. In manchen Nächten können nur etwas über 80 Prozent der anfliegenden Geschosse vom Himmel geholt werden, weil die Luftabwehrsysteme übersättigt sind. Dmytro, der junge Gepard-Kommandant, macht sich keine Illusionen. „Ich denke, wir brauchen mehr, um uns zu verteidigen.“ Ob er glaubt, dass die Russen ihre Luftangriffe intensivieren werden? „Ich hoffe nicht.“








