Die Pflege in Deutschland steht vor Reformen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erwartet noch im Dezember abschließende Empfehlungen einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe für eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung, die unter massiven Finanzproblemen leidet. Effizienter soll die Pflege werden, nicht nur um Kosten zu sparen, sondern auch um Personal zu entlasten. Das jedoch ist bereits während der Ausbildung in Teilen unzufrieden, heißt im neuen Ausbildungsreport Pflegeberufe der Gewerkschaft Verdi. Vier zentrale Ergebnisse aus dem Bericht, der dieser Redaktion vorab vorlag.

1. Hohe Unzufriedenheit und Belastung

Nur etwa ein Drittel der Auszubildenden (34 Prozent) und weniger als die Hälfte der Studierenden (47 Prozent) sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Über 80 Prozent leisten regelmäßig Überstunden, und fast die Hälfte fühlt sich dauerhaft überlastet. Die Azubis, die unzufrieden sind, beklagen mangelnde Anleitung, eine hohe Arbeitsbelastung und fehlende Unterstützung.

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Die Gewerkschaft Verdi, die für den Report mehr als 2200 Auszubildende und Studierende nach dem Pflegeberufegesetz befragt hat, ist alarmiert. „Nur gut ein Drittel der Auszubildenden ist mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden – nur halb so viele wie in anderen Berufen. Bei den befragten Studierenden sind es weniger als die Hälfte. Diese schlechte Bewertung ist ein Armutszeugnis für die Arbeitgeber, viele werden ihrer Verantwortung nicht gerecht“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler unserer Redaktion. Die jungen Leute würden hoch motiviert in die Ausbildung starten. „Doch statt sich ins Zeug zu legen und für eine gute praktische Ausbildung zu sorgen, treibt man die Menschen vielfach regelrecht aus dem Beruf“, kritisierte sie.

Bundesgesundheitsministerin Warken betonte mit Blick auf die Ergebnisse, Ausbildungsbedingungen in der Pflege müssten attraktiv sein und sich offenkundig verbessern. „Die hohe Unzufriedenheit sollte von den für die Ausbildung verantwortlichen Betrieben ernst genommen werden“, sagte sie unserer Redaktion. Man brauche mehr und gut ausgebildete Pflegekräfte, um die Herausforderungen in Gegenwart und Zukunft zu bewältigen. „Als Gesetzgeber schaffen wir gerade die Grundlage dafür, die Attraktivität des Pflegeberufs insgesamt weiter zu steigern: mehr eigenverantwortliche Aufgaben, weniger Bürokratie und damit mehr Zeit für Patientinnen und Patienten“, so die Ministerin weiter.

Michaela Engelmeier, Vorstandschefin vom Sozialverband Deutschland (SoVD), sagte dieser Redaktion, Deutschland brauche dringend mehr Pflegekräfte, um den Pflegenotstand effektiv zu bekämpfen. „Dieser sinnstiftende Beruf darf nicht durch Überlastung und Überforderung in der Ausbildung an Attraktivität verlieren.“

2. Mangelhafte Praxisanleitung und unzureichende Betreuung

Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestumfang von 10 Prozent strukturierter Praxisanleitung wird nur bei einem Drittel der Auszubildenden eingehalten. In mehr als der Hälfte der Fälle existiert Anleitung „nur auf dem Papier“. Problematisch: Den für die Anleitung des Nachwuchses eingeteilten Fachkräfte fehlt dafür offenbar selbst die Zeit.

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Thomas Fischer, Professor für Pflegewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Dresden (ehs), nannte insbesondere die Probleme in der Praxisanleitung gegenüber dieser Redaktion besorgniserregend. „Arbeitgeber müssen stärker als heute dazu verpflichtet werden, Praxisanleitenden die erforderlichen Freiräume für die Praxisanleitung einzuräumen. Studierende und Auszubildende sind keine günstigen Arbeitskräfte, sondern Lernende“, sagte der Hochschullehrer. Eine deutliche Erhöhung der Anleitungszeit sei daher dringend geboten.

3. Unplanmäßige Versetzungen und Personalmangel

Drei Viertel der Auszubildenden werden während ihrer Einsätze unplanmäßig versetzt – oft wegen Personalmangels. Das erschwert das Lernen und widerspricht den Ausbildungsplänen. Besonders problematisch ist, dass viele Auszubildende in der ambulanten und stationären Langzeitpflege zeitweise allein arbeiten müssen – ohne Anleitung durch Fachkräfte. Viele Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen hätten die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt, kritisierte Gewerkschafterin Bühler: „Nicht wenige nutzen die große Einsatzbereitschaft und Empathie von Auszubildenden gnadenlos aus und missbrauchen diese als billige Arbeitskräfte.“

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Immerhin: Es gibt laut der Befragung auch Arbeitgeber, die zeigen, dass es anders geht. In Einrichtungen, in denen sich Auszubildende weniger belastet und besser angeleitet fühlen, ist die Zufriedenheit mit der Ausbildung messbar größer. „Wo Praxisanleiterinnen und -anleiter genug Zeit für die Auszubildenden haben, sind fast drei Viertel von ihnen zufrieden oder sehr zufrieden“, so Bühler weiter. Gute Ausbildungsbedingungen dürften aber nicht länger ein Glücksfall sein.

Vom Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), der rund 1800 private Pflegeunternehmen vertritt, hieß es, es sei nicht auszuschließen, dass Azubis unter dem Personalmangel zu leiden hätten. Das sei aber kein flächendeckendes Phänomen. „Die Ausbildungsbetriebe haben das Eigeninteresse, die Auszubildenden in der wenigen Zeit, die im Betrieb zu Verfügung steht, möglichst gut vorzubereiten und an das Unternehmen zu binden“, sagte VDAB-Hauptgeschäftsführer Thomas Knieling dieser Redaktion.

4. Unterrichtsausfall und mangelnde Verzahnung von Theorie und Praxis

Knapp 60 Prozent der Auszubildenden berichten über häufigen Unterrichtsausfall, der meist nicht nachgeholt wird. Ein Viertel muss sich den Stoff selbst aneignen. Zudem wird die Praxisbegleitung durch Lehrkräfte oft nicht im vorgeschriebenen Umfang durchgeführt: Nur rund die Hälfte der Auszubildenden und etwa 40 Prozent der Studierenden erhalten pro Praxiseinsatz überhaupt einen Besuch durch Lehrkräfte.

In Deutschland ist die Pflegeausbildung durch das Pflegeberufegesetz seit 2020 einheitlich geregelt: Die zuvor getrennten Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege wurden zu einer Ausbildung zusammengeführt. Pflegeazubis absolvieren dabei eine dreijährige Lehre an Pflegeschulen mit Einsätzen in verschiedenen Einrichtungen, Pflegestudierende an Hochschulen ein wissenschaftlich ausgerichtetes Pflegestudium mit Praxisanteilen.

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Merz und die Töchter
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Die Ausbildung zur Pflegefachkraft ist mit Abstand der größte Ausbildungsberuf in Deutschland. Viele Azubis halten laut Statistischem Bundesamt aber nicht bis zum Ende durch: Von den 63.183 Auszubildenden, die im Jahr 2024 ihre Ausbildung beendet haben, konnten nur 37.419 diese erfolgreich abschließen – weniger als 60 Prozent.