Der muslimische Sozialist Zohran Mamdani hat die Bürgermeisterwahl in New York gewonnen. Zum ersten Mal in der Geschichte wird die City Hall am Broadway von einem Moslem erobert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der ehrwürdige Prachtbau aus der französischen Renaissance ist ein historisches Wahrzeichen, nicht nur für den Big Apple – es ist das älteste noch als solches genutzte Rathaus der USA. Und es steht wohl wie kein zweites für eine föderale Demokratie und für eine Stadt, die den Kern dessen ausmacht, was Amerika ist: ein Einwanderungsland. Zu Millionen flüchteten Menschen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in die USA. Die meisten von ihnen kamen über New York, begrüßt von der Freiheitsstatue, die von neuen Chancen und einem Leben in Freiheit und Wohlstand kündete.

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Meine schwerste Entscheidung
 

In New York stand mit Zohran Mamdani der Anti-Trump zur Wahl

Mamdani ist praktizierender Muslim, stammt aus indischem Elternhaus, wurde in Uganda geboren. Er scheint New York mit seiner vielschichtigen Einwanderungsgeschichte – und rund einer Million muslimischer Bürger – auf den Leib geschneidert. Zumal in Zeiten, in denen die USA zu einem Land geworden sind, das Einwanderer mit oft fragwürdigen Mitteln inhaftiert und abschiebt.

Nicht nur in dieser Hinsicht aber ist Zohran Mamdani der Gegenentwurf zum extrem-rechtskonservativen Wind, der durch die USA weht. Er gehört dem linken Flügel der Demokraten an, bezeichnet sich selbst – wie sein Vorbild Bernie Sanders – als „democratic socialist“ und dürfte allein deswegen ein rotes Tuch für die politische Landschaft der USA sein, bis weit in die eigene Partei hinein.

Vor der Bürgermeisterwahl in New York
Der New Yorker Bürgermeisterkandidat Zohran Mamdani: ein Anti-Trump. © Andres Kudacki/AP/dpa | Andres Kudacki

Bürgermeister-Wahl in New York: Mamdani will sich kümmern

Seine Pläne sind dabei aus deutscher Sicht teils gar nicht so extrem, basieren eher auf einem sozialdemokratischen System der Umverteilungspolitik. Unter anderem die extremen Lebenshaltungskosten in New York möchte Mamdani angehen, mit kostenfreien Kitas, pünktlichen Gratis-Bussen und (halbwegs) bezahlbarem Wohnraum. Zahlen sollen dafür Unternehmen und Menschen mit mehr als einer Million US-Dollar Jahreseinkommen.

In den Augen seiner Gegner, allen voran US-Präsident Donald Trump, macht Mamdani das zu einem Kommunisten, jenem roten Schrecken der McCarthy-Ära, der – so die gängige Meinung damals – die USA unterwandert und die Freiheit, Sitten und (christliche) Moral von innen auffrisst. Seit Wochen beschießt der Präsident Mamdani nun mit Schimpfsalven, droht fäusteschüttelnd den New Yorkern. Dass Mamdani selbst als Bürgermeister nur begrenzt Möglichkeiten hätte, Superreiche tatsächlich zur Kasse zu bitten, spielt keine Rolle – er ist für viele Konservative in den USA der Leibhaftige, mindestens.

In den Augen vieler New Yorker aber ist Mamdani wohl eher eine Art Heilsbringer. Zumindest ist das das Bild, das Mamdani von sich hat senden lassen: Einer, der sich – im Gegensatz zum skandalumwitterten Gegenkandidaten Andrew Cuomo – nicht kaufen lässt. Der das Leben in der Stadt wieder bezahlbar machen will. Der migrantische und queere Menschen schützen will und auf psychosoziale Hilfen setzt, statt auf Polizeigewalt. Einer von ihnen – liberal, nahbar und jung.

Mayoral forum at Cathedral of St. John the Divine in Manhattan, USA - 05 June 2025
Projektionsfläche für das liberale Amerika: Zohran Mamdani.© IMAGO/SOPA Images | IMAGO/Derek French / SOPA Images

Ist Mamdani eine Gefahr für die Partei-Elite?

Auch das Alter des Politikers ist im zunehmend vergreisenden Politikbetrieb der USA eine Besonderheit und erklärt nicht zuletzt, warum die alternde Parteielite der Demokraten sich mehr als schwer tut mit dem aufstrebenden Charismatiker vom Hudson River. Bis zuletzt hat etwa der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sich nicht zu einem Wahlaufruf für Mamdani durchringen können.

Der steht eben nicht nur für eine dediziert andere Politik als Donald Trump und die Maga-Republikaner – auch Teile der Demokraten schauen mit Argwohn auf die linke Kümmerer-Politik ihres Parteimitglieds. Sie wissen: Was in New York funktioniert, kann Schule machen im Rest des Landes, Begehrlichkeiten wecken, Forderungen nach einer grundsätzlichen Neuausrichtung der Partei laut werden lassen.

Die Wahl könnte die politische Landschaft in den USA verändern. Denn was in New York passiert hat Strahlkraft, weit über die Stadtgrenzen hinaus.