Zusammenfassung

  • Mit acht neuen „Poseidon“-Flugzeugen will die Bundeswehr ihre Schlagkraft stärken
  • Sofern nötig, könnten die Maschinen auch russische U-Boote aufspüren – und versenken
  • Nun wurde das erste der neuen Flugzeuge ausgeliefert

Es wird das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr, das eine „neue Ära der Einsatzfähigkeit“ eröffnen soll. Mit einem besonderen Ziel: Die neuen Flugzeuge vom Typ P-8A Poseidon werden im Ernstfall russische U-Boote jagen – und schon jetzt verdächtige Schiffe aufspüren, die Sabotageakte gegen Datenleitungen und Pipelines etwa in der Nord- und Ostsee ausführen könnten. „Das bedeutet mehr Sicherheit für unser eigenes Land und das Bündnisgebiet“, sagt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Als am 7. November das erste Poseidon-Flugzeug aus den USA in Berlin landete, nahmen Pistorius und der Vizeadmiral der Marine, Axel Deertz, persönlich die Maschine und die elfköpfige Crew am Flughafen Berlin-Brandenburg in Empfang.  

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagt: „Wir erhalten damit ein sehr modernes Luftfahrzeug, das für die U-Boot-Jagd und für die Lagebildgewinnung über See perfekt geeignet ist.“ Pistorius kennt das Flugzeug schon: Er hatte Ende Oktober einen Probeflug im schottischen Lossiemouth gemeinsam mit seinem britischen Amtskollegen absolviert. „Das war sehr beeindruckend“, schwärmte Pistorius danach. „Wir sind ziemlich tief runter. Ich konnte an Bord sehen, wie hoch die Auflösung und die Qualität ist.“

Einflug P-8A Poseidon der Deutschen Marine nach Deutschland
Einflug des P-8A Poseidon der Deutschen Marine. Mit der Landung.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

U-Boot-Jäger Poseidon: Torpedos und Wasserbomben gegen U-Boote

Die Poseidon basiert auf dem regulären Verkehrsflugzeug Boing 737, ist aber als Marine-Flieger hochgerüstet, etwa mit modernster Sensorik und Luken für Bojen und Torpedos. Die fast 40 Meter lange Maschine mit einer Spannweite von 38 Metern hat eine Reichweite von über 7000 Kilometern. Sie soll große Seegebiete überwachen, kann bei Bedarf sehr tief fliegen, bis zu 30 Meter Flughöhe sind möglich.

Die Maschinen haben verschiedene hochsensible Sensoren und Elektronik an Bord, um festzustellen, was über oder unter Wasser unterwegs ist. Zudem kann die Poseidon unter anderem Sonarbojen auswerfen, um U-Boote zu orten. Ist ein U-Boot entdeckt, könne die Poseidon im scharfen Einsatz Leichtgewichtstorpedos oder Wasserbomben einsetzen, um es zu versenken, heißt es in einer Beschreibung der Bundeswehr. Ziele sollen aber auch mit präzisen Luft-Boden-Waffen angegriffen werden können.

3,1 Milliarden für acht neue Bundeswehr-Flugzeuge

Bestellt hat die Bundeswehr zur schrittweisen Auslieferung bis 2028 acht Spezialmaschinen zum Gesamtpreis von 3,1 Milliarden Euro. Stationiert werden sie auf dem Fliegerhorst Nordholz bei Cuxhaven. Sie sollen aber auch vom schottischen Lossiemouth starten, um die Reichweite zu erhöhen, wie Pistorius sagt. Zusammen mit Großbritannien und Norwegen soll die deutsche Marine mit den Poseidon-Flugzeugen die Überwachung von großen Seegebieten sicherstellen, Schwerpunkt ist der Nordatlantik: Dort befindet sich zwischen Grönland, Island und Großbritannien ein strategisch wichtiger Engpass, den russische U-Boote auf dem Weg von ihrer Basis im Nordmeer-Hafen Murmansk in den Atlantik passieren müssen.

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Pistorius sagte nach dem Probeflug in Schottland, bei den Einsätzen gehe es vor allem um diese russischen U-Boote, die in den Nordatlantik vordrängten. Man müsse wissen, „wo sie sind und was sie tun“. In den vergangenen Jahren hat Russland seine Präsenz von U-Booten im Nordatlantik, in der Nord- und Ostsee deutlich verstärkt. In Friedenszeiten sind die Tauchfahrten in internationalen Gewässern erlaubt. Wenn die U-Boote entdeckt werden, organisieren Nato-Schiffe eine enge Begleitung mit eigenen Kriegsschiffen, auch um mögliche Sabotageaktionen zu verhindern.