In Thüringen gibt es nirgendwo so viele Einkommensmillionäre wie in Erfurt. Wie das Landesamt für Statistik auf Anfrage mitteilte, lebten im Jahr 2021 von insgesamt 239 Einkommensmillionären in Thüringen allein 29 in der Landeshauptstadt. Auf Platz zwei liegt Jena mit 24 Millionären, dicht gefolgt vom Wartburgkreis mit 23 Personen, die ein Einkommen in Millionenhöhe hatten. Schlusslicht im Thüringer Millionärsvergleich bildete der Saale-Orla-Kreis. Dort habe es laut den Statistikern nur drei Einkommensmillionäre gegeben.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Aktuellere Zahlen gebe es nicht, sagte ein Sprecher des Statistischen Landesamtes. Die Steuerdaten könnten aufgrund der langen Fristen bei der Steuerveranlagung erst mit einer deutlichen Verzögerung ausgewertet werden. Vergleicht man die Entwicklung, zeigt sich jedoch ein klarer Trend: In Thüringen nimmt die Zahl der Einkommensmillionäre langsam zu. Während 2010 nur 70 Personen ein Einkommen von über einer Million Euro meldeten, waren es 2015 schon 126, 2020 stieg die Zahl auf 225 und 2021 schließlich auf 239 Millionäre.
Vermögensmillionäre begünstigen Ungleichheit am Arbeitsmarkt
„Die steigende Zahl von Einkommensmillionären in Thüringen steht in einem deutlichen Kontrast zur Einkommenssituation der breiten Bevölkerung“, kritisierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen. 2021 gehören rund 0,01 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer zu dieser Gruppe, während im Jahr 2024 17,4 Prozent im Land im Niedriglohnsektor beschäftigt war. „Das zeigt die strukturellen Probleme: Niedrige Tarifbindung, viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse und eine insgesamt zu schwache Lohnentwicklung“, so Michael Rudolph, DGB-Bezirksvorsitzender.
Die Einkünfte der Einkommensmillionäre in Thüringen stammen laut Rudolph außerdem kaum aus Erwerbsarbeit, sondern sind Ausdruck einer wachsenden Konzentration von Vermögen – etwa durch Unternehmensbeteiligungen, Wertpapiere oder Immobilien. „Eine wachsende Vermögensungleichheit führt erfahrungsgemäß nicht zu besseren Löhnen oder Arbeitsbedingungen für die Mehrheit. Im Gegenteil: Sie verstärkt wirtschaftliche Machtungleichgewichte und birgt das Risiko einer weiteren sozialen Spaltung,“ kritisierte Rudolph.
Aktuelle Nachrichten aus Thüringen
- „Viele empfinden es als ungerecht“: Lehrerbonus sorgt in Thüringen für Unmut
- „Da steckt mein Leben drin“: Voigts bittersüßer Tag in Eisenach
- Thüringen verstärkt Kontrollen in Prostitutionsstätten: „Deutschland ist das Bordell Europas“
- Streit um Zuständigkeit in Thüringen: Stiftungsrat der AfD nicht berufen
- Doktortitel endgültig weg: Jetzt streitet Thüringens Ministerpräsident vor Gericht
DGB fordert höhere Steuern für Wohlhabende
Der DGB forderte deshalb, dass hohe Einkommen, große Vermögen und Erbschaften stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls beitragen sollen. Konkret schlug die Gewerkschaft einen linearen Einkommensteuertarif vor, der kleine und mittlere Einkommen entlastet und höhere Einkommen stärker belastet. Zudem plädiert der DGB für die Wiedereinführung der Vermögensteuer.
Um Thüringen aus dem Niedriglohnsektor zu führen, brauche es zudem starke Tarifverträge. „Nur so lässt sich verhindern, dass Wettbewerb auf Kosten der Beschäftigten geführt wird und Thüringen im Niedriglohnsektor feststeckt“, so Rudolph.





