Sie wurden im Jahr 2018 Ziel eines Chemiewaffenangriffs, mutmaßlich beauftragt von Wladimir Putin: Sergei Skripal, ein ehemaliger russischer Spion, und seine Tochter Julia Skripal waren dem Tod nah. Nun haben beide Aussagen vor der offiziellen Untersuchungskommission zu dem Vorfall vorgelegt, wie die britische Boulevardzeitung „Daily Mirror“ berichtet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Russische Attentäter sollen den Doppelagenten und seine damals 33 Jahre alte Tochter am 4. März 2018 in Salisbury in England (Großbritannien) mit dem hochwirksamen Nervengift Nowitschok beinahe getötet haben. Der Kampfstoff war auf dem Türknauf des Hauses des Agenten aufgetragen worden. Schon wenige Milligramm des Gifts reichen aus, um einen Menschen zu töten. Im Fall der Skripals waren damals 180 Militärexperten für chemische Kampfstoffe im Rahmen einer Anti-Terror-Ermittlung im Einsatz.
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Mutmaßlichen Giftanschlag von Putin überlebt – Symptome waren zunächst „amüsant“, dann „wirklich, wirklich schlimm“
Laut „Daily Mirror“ sagten sie aus, dass ihre Symptome bei einem Mittagessen beim Italiener „Zizzy“ in Salisbury eingesetzt hätten. Julia Skripal sei am Vortag von Russland nach Großbritannien gereist. Als ihre Augen anfingen zu zucken, heißt es, hätten sie das zunächst „amüsant“ gefunden.
Doch die Symptome wurden schnell ernst: Atemnot, Halluzinationen, Erbrechen. Das Gift habe, so beschreibt es Julia Skripal, vollständig gewirkt, als sie das Restaurant verlassen hatten. Alles auf der Straße habe sich gedreht, „wirklich, wirklich schlimm“ sei die Situation gewesen. Laut Skripals Schilderung musste sie „die Hand ihres Vaters halten“. Sie legten einen kurzen Weg zum Parkplatz zurück, auf dem Sergei Skripal seinen roten BMW abgestellt hatte – und mussten sich hinsetzen.
Nervengift Nowitschok: Betroffene fühlte sich „wie unter dem Einfluss von LSD“
„Wir setzten uns auf die Bank, um etwas Luft zu holen. Als ich mich hinsetzte, war es ein sehr seltsames und beängstigendes Gefühl“, teilte Julia Skripal schriftlich mit. „Fast alles war verschwommen und die Farben veränderten sich … es war rosa, rot, blau, also wie unter dem Einfluss von LSD oder Amphetaminen.“
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Dann sei sie innerhalb von Sekunden ohnmächtig geworden. Eine ihrer großen Ängste, so schildert sie es: an ihrem eigenen Erbrechen zu ersticken. Passanten hätten die Situation beobachtet und einen Notruf abgesetzt.
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Medienberichten zufolge zeigen Aufnahmen von Überwachungskameras, dass Julia regungslos an ihrem Vater gelehnt habe, mit ihren Händen zeichnete sie demnach Kreise in die Luft. Nach der Vergiftung lagen Vater und Tochter drei Wochen lang im Koma.
Ex-Agent in England vergiftet – Opfer lagen drei Wochen im Koma
„Als ich aufhörte zu träumen, dachte ich, es sei ein Tag vergangen, aber in Wirklichkeit waren es 21 Tage“, sagte Skripal laut „Daily Mirror“ über den Moment des Erwachens. Der Genesungsprozess sei für beide qualvoll gewesen.
Verübt wurde das Vergiftungsattentat laut Polizei von zwei Männern, die unter den Pseudonymen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow nach Großbritannien geflogen waren – einen Tag vor Anreise von Julia Skripal. Dem britischen Außenministerium zufolge handelt es sich um die Spione Iwan Jermakow und Alexej Lukaschew.

Sergei Skripal und Tochter vergiftet – Spione aus Russland sollen dahinterstecken
Ihnen wird von der britischen Regierung vorgeworfen, seit 2013 die Mails von Julia Skripal gehackt zu haben. Beide stehen auch auf einer Fahndungsliste des FBI – sie sollen sich in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 eingemischt haben. Als Grund für ihre Reise nach Salisbury nannten sie den vermeintlich berühmten 123 Meter hohen Turm der Kathedrale. Dafür ernteten sie viel Spott.
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Die Aussagen der Skripals wurden schriftlich aufgenommen – im Rahmen eines anderen Verfahrens: Die Britin Dawn Sturgess war vier Monate nach dem Vorfall der Skripals gestorben, nachdem ihr Freund eine Parfümflasche gefunden hatte, die ebenfalls das Gift Nowitschok enthielt. Sie starb drei Wochen, nachdem sie sich mit dem Inhalt der Flasche besprüht hatte.
Auf Anweisung des Richters müssen die Skripals weder persönlich noch per Video in dem Verfahren aussagen – so soll ihr Aufenthaltsort geheim bleiben. Laut einem Untersuchungsbericht soll der Anschlag von Präsident Wladimir Putin autorisiert worden sein.
fmg/viv










