Wird das Bahnreisen in Deutschland immer unsicherer? Eine mögliche Antwort auf diese Frage liefert der Jahresbericht 2024 der Bundespolizei. Hierfür wurden die Delikte an bundesweit rund 5700 Bahnhöfen und Haltestellen sowie in den Fern- und Nahverkehrszügen ausgewertet. Dabei zeichnetet sich ein interessanter, aber auch ein besorgniserregender Trend ab.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im vergangenen Jahr wurden genau 641.613 Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei, wozu auch Flughäfen und Grenzen zählen, erfasst. Das sind knapp 19 Prozent weniger als noch 2023 (damals waren es 790.245 Delikte). Auf Bahnanlagen und in Zügen waren es 381.894 Straftaten, 10,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings sind die Gewaltdelikte leicht angestiegen auf 27.160, eine Zunahme von 5,9 Prozent. Den Großteil der Fälle (16.035, 59 Prozent) machten hier Körperverletzungen aus. In 2,2 Prozent der Gewaltdelikte kamen Messer zum Einsatz, insgesamt 609 Fälle.

Jahresbericht der Bundespolizei: Gewaltdelikte steigen trotz Rückgang bei Straftaten im Bahnverkehr

Doch vor allem die Zahl der registrierten Sexualdelikte ist 2024 nach oben geschossen. Etwa jede 200. Straftat im Zug und an einem Bahnhof zählte darunter: Insgesamt 2262 Delikte dieser Art, ein Anstieg von 19,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den Großteil dieses Bereichs machten sexuelle Belästigungen (55,1 Prozent) und Exhibitionismus sowie Erregung öffentlichen Ärgernissen (36,8 Prozent) aus. Unter den in der Statistik erfassten Zahlen finden sich aber auch rund 122 Fälle von sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen sowie sexuelle Missbräuche von Kindern (5,4 Prozent). Damit würde es etwa jeden dritten Tag zu einem solchen schweren Vorfall kommen.

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Alarmierend sind zudem die Gefahren, denen Bundespolizisten in ihrem Dienst ausgesetzt sind. Im vergangenen Jahr wurden 2230 Angriffe auf die Bahnpolizei registriert. Das sind 10,2 Prozent mehr als noch 2023. Im Bezug auf alle Bundespolizisten waren es fast 3000 Fälle. „Die Angriffe erfolgten fast immer mittels körperlicher Gewalt, durch Fußtritte, Faustschläge, Anspucken, Bisse sowie Kopf- und Körperstöße. Bei jedem achten Angriff wurden auch Gegenstände als Tatmittel verwendet. Am häufigsten Flaschen, Steine und Dinge des täglichen Gebrauchs“, heißt es in dem Bericht.

Personenfahndung: Bundespolizei meldet im vergangenen Jahr deutlich mehr Treffer

Doch es gibt auch Zahlen, die positiv stimmen. So zählte die Bundespolizei binnen eines Jahres 285.681 Personenfahndungstreffer – rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Um rund drei Prozent stieg demnach die Zahl der vollstreckten Haftbefehle an – auf 22.454 Haftbefehle. Bei 59 dieser vollstreckten Haftbefehle gab es laut Jahresbericht Bezüge zur politisch motivierten Kriminalität, wobei fast zwei Drittel Rechtsextremisten betrafen.

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Besonderes gefordert war die Bundespolizei, die Ende 2024 knapp 55.000 Mitarbeiter zählte, im vergangenen Jahr durch die Begleitung der Fußball-EM im Sommer, dabei kamen bis zu 22.000 Beamte zum Einsatz. Bei den für die Veranstaltung kurzzeitig eingeführten Binnengrenzkontrollen wurden 1,6 Millionen Menschen kontrolliert. Dabei wurden fast 11.000 illegale Einreisen registriert. Es kam zu 6976 Zurückweisungen, 275 mutmaßliche Schleuser wurden vorläufig festgenommen. Zudem wurden rund 78 „Gewalttäter Sport“ registriert.

mit dpa