Seit August gehören sie zum Stadtbild in weiten Teilen Washingtons, weil Donald Trump es so wollte: Nationalgardisten aus Bundesstaaten wie Alabama, Louisiana, Mississippi, Ohio, South Carolina und Georgia, die der Präsident mobilisieren ließ, um die angeblich außer Kontrolle geratene Gewaltkriminalität auf den Straßen der US-Hauptstadt zu bekämpfen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Seitdem patrouillieren die Soldaten, an einem Aufnäher auf ihren Tarnfleck-Overalls zu erkennen, in U-Bahn-Stationen und Touristen-Ecken, sammeln rund um die National Mall und anderen Sehenswürdigkeiten Müll ein und zeigen ansonsten unauffällige Präsenz. Die Stadtgesellschaft, am Anfang massiv gegen die Militarisierung der Inneren Sicherheit gewesen, hat sich inzwischen damit arrangiert – bis am Mittwochnachmittag kurz vor dem heutigen Nationalfeiertag Thanksgiving ein tödlicher Gewaltakt die Metropole erschütterte.
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Verfrühte Meldungen über angebliche Todesopfer
Nur zwei Straßenblöcke oder fünf Gehminuten vom Weißen Haus entfernt wurden zwei Nationalgardisten, die aus dem Nachbar-Bundeststaat West-Virginia entsandt waren, von einem Einzeltäter so schwer angeschossen, dass zwischenzeitlich bereits von West Virginias Gouverneur Patrick Morrisey ihr Tod verkündet wurde. Später revidierte der Politiker seine übereilte Aussage und führte „widersprüchliche” Berichte über den Zustand der beiden Männer als Grund für die Irritation an. Am frühen Abend sagte der zuständige Polizei-Direktor, die Opfer befänden sich „in kritischem Zustand” im Krankenhaus. Handy-Videos zeigten, wie Passanten und Polizeikräfte unmittelbar nach den Schüssen auf dem Gehsteig Wiederbelebungsversuche unternahmen.

Die Schießerei ereignete sich nach vorläufigen Behördenangaben gegen 14.15 Uhr an der Ecke 17th Street und H Street. Laut Vito Maggiolo, Sprecher der Feuerwehr und des Rettungsdienstes von Washington D.C., wurden drei Opfer mit Schussverletzungen ins Krankenhaus gebracht; offenbar die Soldaten und der Schütze. Über die Identität der Soldaten wurde zunächst nichts bekannt.
Tatverdächtiger stammt aus Afghhanistan und kam 2021 ins Land
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich nach Angaben diverser US-Medien, die von Behörden gespickt wurden, um den 29-jährigen Afghanen Rahmanullah L., der im September 2021 unter der Biden-Regierung im Zuge eines Flüchtlingsprogramms für ehemalige Zuarbeiter der US-Streitkräfte in die Vereinigten Staaten gekommen war. L. war über ein Jahrzehnt für das Internationale Rettungs-Komitee (IRC) tätig. Über sein Tatmotiv ist bisher nichts bekannt.

NBC berichtet, dass L. mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in Bellingham gelebt habe. Ein Verwandter soll das dem Sender gesagt haben. Dieser erklärte weiterhin, dass er seit mehreren Monaten nicht mehr mit L. gesprochen habe. Als sie das letzte Mal Kontakt hatten, arbeitete der Tatverdächtige für Amazon.
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FBI untersucht Schießerei in Washington als nationale Sicherheitsfrage
Bei der ersten Pressekonferenz erklärte FBI-Chef Kash Patel, dass das Attentat eine „Angelegenheit der Nationalen Sicherheit“ sei und alles unternommen werde, die Hintergründe der Tat zügig aufzuklären. Er sprach von einem „heimtückischen Akt“ und rief weltweit dazu auf, für die Opfer zu beten. „Sie sind Helden.“

Nach Darstellung des stellvertretenden Polizeidirektors Jeffrey Carroll sei der Tatverdächtige um die Ecke eines Häuserblocks in der Nähe von Farragut Square gekommen, wo eine Metro-Station liegt, habe seine Waffe erhoben und direkt auf die Soldaten geschossen. Sie waren bewaffnet, konnten sich aber offensichtlich nicht mehr rechtzeitig wehren.
Was dann geschah, ist noch unklar. Andere Nationalgardisten sollen den von Metro-Polizisten angeschossenen Täter überwältigt und dingfest gemacht haben, bis weitere Einsatzkräfte eintrafen. Über das Motiv des Täters, dem Bürgermeisterin Muriel Bowser einen „gezielten Schusswaffen-Angriff” vorwarf, gibt es keine offiziellen Angaben.
Schüsse in Washington: Die Fotos aus der US-Hauptstadt
Trump reagiert empört auf den Angriff
Das Weiße Haus wurde nach der Schießerei vorsorglich kurz abgeriegelt, ebenso das Finanzministerium nebenan. Präsident Trump befand sich zur Tatzeit samt First Lady Melania Trump weit weg. Er verbringt das Thanksgiving-Wochenende in seinem Florida-Domizil Mar-a-Lago.
Von dort aus meldete sich der Republikaner früh mit einer Empörung demonstrierenden Stellungnahme zu Wort: „Das Tier, das die beiden Nationalgardisten erschossen hat, die beide schwer verletzt wurden und nun in zwei verschiedenen Krankenhäusern liegen, ist ebenfalls schwer verletzt, wird aber trotzdem einen sehr hohen Preis zahlen“, schrieb Trump auf seinem Kommunikationsportal Truth Social, „Gott segne unsere großartige Nationalgarde und alle unsere Militär- und Strafverfolgungsbehörden. Ich als Präsident der Vereinigten Staaten und alle, die mit dem Amt des Präsidenten verbunden sind, stehen hinter Ihnen!
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Bundesrichterin stoppte vorerst den Einsatz von Truppen in Washington
Die Schießerei ereignete sich nur einen Tag, nachdem Trump wahrheitswidrig behauptet hatte, dass es in der Hauptstadt des Landes seit sechs Monaten keine Morde gegeben habe. Realität: Seit Ende Mai gab es über 60 Mordfälle in DC, meist in Gegenden, in denen die Nationalgardisten nicht eingesetzt waren.
In der vergangenen Woche untersagte eine Bundesrichterin in Washington der Regierung vorübergehend, die Truppen in der Stadt zu stationieren. Sie kam zu dem Schluss, dass die Stadt wahrscheinlich erfolgreich argumentieren könnte, dass der Einsatz illegal sei. Richterin Jia M. Cobb setzte ihre Entscheidung für drei Wochen aus, um der Regierung Zeit zu geben, die Truppen abzuziehen und gegen ihre Entscheidung Berufung einzulegen.
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Weißes Haus., Pentagon und Justizministerium haben Widerspruch eingelegt. Trotzig verkündete Verteidigungsminister Pete Hegseth, dass Präsident Trump nach Bekanntwerden der Schießerei die Entsendung von 500 zusätzlichen Nationalgardisten nach Washington angefordert habe. „Wir werden unsere Hauptstadt sichern. Wir werden unsere Stadt sichern“, sagte Hegseth. Etliche Politiker werten die Ankündigung als „unnötige Provokation“.
Kritiker bemängeln, dass Bundesgesetze den Einsatz von Militärangehörigen zur Durchsetzung innerstaatlicher Probleme verbieten. Während Befürworter argumentieren, dass die Unterstützung der Nationalgardisten für Bundesbeamte und die örtliche Polizei sowohl legal als auch notwendig sei.



























