Ein „normaler Vorgang“ ist das also, wenn das chinesische Militär ein in der Luft gesichtetes Flugzeug aus Japan ins Visier nimmt. Am letzten Samstag hätte nur noch ein Knopfdruck gefehlt, damit aus dem seit Wochen anhaltenden Konflikt – der schon vom Rhetorischen ins Ökonomische eskaliert ist – auch noch ein militärischer geworden wäre. Und auf eine Beschwerde aus Tokio hin kommt von Regierungsoffiziellen in Peking die dreiste Reaktion: Das sei ganz normal. Aber natürlich ist es das nicht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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So wie es dieser ganze Konflikt nicht ist, geprägt von Akteuren mit Hardlinereinstellung. Auf der einen Seite steht ein chinesischer Ein-Parteienstaat, angeführt von Xi Jinping, der sein Land so nationalistisch und expansionistisch führt wie kaum jemand vor ihm. Ihm gegenüber steht mit Japans Premierministerin Sanae Takaichi nun eine Nationalistin, die wiederholt Japans Kriegs- und Kolonialvergangenheit verharmlost hat. Dass sich diese zwei Parteien schnell voneinander provozieren lassen würden, war zu befürchten.

Nun aber müssen sie dringend unter Beweis stellen, dass sie auch einen konstruktiven Umgang miteinander pflegen können. Mit ihrer Äußerung, im Fall eines chinesischen Angriffs auf Taiwan könnte Japan an der Seite Taiwans stehen, hat Takaichi Pekings Preis für eine Invasion hochgetrieben. Mit der harschen Reaktion aus China hat Xi die Ankündigung aus Japan schmerzhaft gemacht. Schön und gut. Damit es aber nicht wirklich knallt, müssen sich die Offiziellen schnellstmöglich die Hände reichen, statt sich erneut ins Visier zu nehmen. Denn ein militärischer Konflikt zwischen Japan und China könnte rasch zu einem globalen Krieg eskalieren.




