Viele Beschäftigte in Deutschlands Jobcentern erleben ihre Arbeitssituation als äußerst angespannt. Das geht aus einer Zwischenauswertung einer laufenden ver.di-Befragung hervor, die dieser Redaktion vorab vorliegt. Rund 4600 Beschäftigte haben bislang teilgenommen, darunter knapp 2000 Arbeitsvermittler und Fallmanager. Die Ergebnisse zeichnen ein alarmierendes Bild: Die Teilnehmenden berichten von steigenden Fallzahlen, einem Mangel an Personal und einer zunehmenden psychischen Belastung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Vier von zehn Befragten nennen demnach die unzureichende Personalausstattung als zentrales Problem ihres Arbeitsalltags. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gibt an, mehrere Überstunden pro Woche zu leisten, 16 Prozent sogar täglich. Zudem übernehmen 39 Prozent mehrmals pro Woche Vertretungen für abwesende Kolleginnen und Kollegen, 20 Prozent tun dies täglich.

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Jobcenter: Mehrheit berichtet über hohen Stress

Die Belastung schlägt sich auch in der Gesundheit nieder: 70 Prozent aller befragten Jobcenter-Beschäftigten geben an, bereits gesundheitliche Auswirkungen zu spüren. So berichten knapp 40 Prozent von häufiger Erschöpfung und hohem Stress. Nahezu jeder Zehnte war bereits deswegen krankgeschrieben, und jeder achte Befragte hat schon über einen Arbeitsplatzwechsel nachgedacht.

Studie der Bertelsmann Stiftung zu Bürgergeldempfängern
Die Mehrheit der Jobcenter-Mitarbeitenden klagt über Überlastung und Stress.© Carsten Koall/dpa | Carsten Koall

Besonders stark betroffen sind Mitarbeitende in der Leistungsbereitstellung, etwa in der Zahlstelle: 90 Prozent bewerten ihre Arbeitslast als hoch (39 Prozent) oder sehr hoch (51 Prozent). Auch bei Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittlern stuft knapp die Hälfte die Arbeitslast als hoch ein, ein Drittel als sehr hoch. Rund 30 Prozent der befragten Vermittler betreuen derzeit 250 oder mehr Kundinnen und Kunden.

Gewerkschaft warnt vor zusätzlicher Belastung durch Bürgergeld-Reform

Vor diesem Hintergrund sieht die Gewerkschaft die geplante Reform des Bürgergelds kritisch: Sie könnte die ohnehin angespannte Situation der Jobcenter-Beschäftigten weiter verschärfen. Der Gesetzentwurf, der die Leistung künftig unter dem Namen „Neue Grundsicherung“ führen soll, sieht unter anderem strengere Mitwirkungspflichten vor. Kommen Arbeitssuchende diesen nicht nach, drohen Leistungsminderungen.

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Nach Ansicht der Gewerkschaft würde die Reform zusätzlichen Dokumentations- und Verwaltungsaufwand für die Jobcenter erzeugen, ohne dass zusätzliche Personalressourcen vorgesehen sind. „Die Beschäftigten arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze“, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. „Aber statt dieses Problem zu lösen, setzt die Bundesregierung mit ihrer Reform noch eins drauf. Die Verschärfungen bedeuten in der Praxis, dass nicht nur der Druck auf Arbeitslose steigt, sondern auch auf die Beschäftigten in den Jobcentern.“

Die Gewerkschaft fordert, den Gesetzentwurf grundlegend zu überarbeiten und das Personal aufzustocken sowie die bürokratischen Aufgaben zu entlasten. „Wer gute Arbeitsmarktintegration will, muss für gute Arbeitsbedingungen in den Jobcentern sorgen“, sagt Behle. „Die Befragung der Beschäftigten aus den Jobcentern zeigt eindeutig: So wie bisher kann es nicht weitergehen.“