Klima-Aktivistin Luisa Neubauer hat erstmals darüber gesprochen, wie sehr sie die Debatte um die Haltung von Fridays for Future nach dem Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 an ihre persönlichen Grenzen gebracht hat. „Es war ein Horror. Ich habe das erste und einzige Mal in meinem Leben eine Panikattacke gehabt in dieser Phase“, sagte Neubauer im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. „Das war ein solcher Druck, da haben Bundespolitiker in mein Telefon reingebrüllt. (…) Da ging jeden Tag auf Social Media die Welt unter, da hatte ich kurz das Gefühl, dass sozusagen wir verantwortlich sind für irgendwelche Anschläge und es war eine solch krasse Stimmung.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ihr sei es nicht möglich gewesen, „diesen völlig konträr laufenden Erwartungen gerecht zu werden“, erklärte die Aktivistin. Die einen seien enttäuscht gewesen, weil sich der deutsche Ableger von Fridays for Future nicht stärker für jüdisches Leben eingesetzt habe, die anderen hätten Schweigen zum Leid der Palästinenser beklagt. Hätte FFF vorher nicht so hart gearbeitet, um Vertrauen zu gewinnen, „wären wir vielleicht daran völlig zerbrochen“.

Luisa Neubauer: „Ich kenne Greta Thunberg als sehr reflektierte Person“

Fridays for Future und seine Gründerin Greta Thunberg sahen sich durch ihre Kritik am Vorgehen der israelischen Armee in Gaza schweren Vorwürfen ausgesetzt – bis hin zum Antisemitismus. Es gab Forderungen an den deutschen Ableger, sich loszulösen oder umzubenennen. Neubauer ging damals auf Distanz zu Thunberg, relativierte dies in dem FUNKE-Podcast allerdings. Sie habe „vor allem gesagt, ich kenne Greta als sehr reflektierte Person, ich hätte mir gewünscht, sie hätte sich nachdrücklicher zum 7. Oktober geäußert, das ist nicht passiert“, betonte Neubauer. Sie habe aber auch den Umgang mit Thunberg damals kritisiert, das sei „wirklich unter keinen Gesichtspunkten zu rechtfertigen“ gewesen.

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#30 Luisa Neubauer über den Krebstod ihres Vaters und die Verwandlung von Greta Thunberg
Meine schwerste Entscheidung
 

Neubauer bezeichnet es inzwischen als Fehler, dass der deutsche FFF-Ableger darauf verzichtet habe, „noch mehr auch das palästinensische Leid nach vorne zu heben“. Der deutsche Teil der Klimabewegung habe „nicht nachdrücklich genug verurteilt, welche Repressionen Menschen in Deutschland erfahren haben, die sich eben für Menschenrechte in Palästina und in Gaza eingesetzt haben, da waren wir sehr, sehr, sehr zurückhaltend und das hat natürlich es dann anderen noch schwerer gemacht“.

Ihre schwerste Entscheidung bezieht sich trotzdem auf eine andere Zeit in ihrem Leben. 2016 starb Neubauers Vater an Krebs. Drei Jahre später war die Klimabewegung auf dem Höhepunkt ihres Einflusses und Neubauer auf allen Kanälen. Und in jedem Interview habe sie gefürchtet, danach gefragt zu werden, was ihre Eltern von all dem halten. Denn Neubauer habe nicht gewusst, ob sie aussprechen kann, dass ihr Vater drei Jahre zuvor an Krebs gestorben war, ohne in Tränen auszubrechen. „Und das hat natürlich überhaupt nicht gepasst“, erinnert sie sich heute. „Wir wollen das Klima retten, ich kann da jetzt nicht losheulen, weil mein Vater tot ist.“ Im Podcast erzählt Neubauer in großer Offenheit vom Tod ihres Vaters, warum sie sich Jahre später entschied, diesen Verlust in einem Buch zum Thema zu machen, und warum ihr dieser Schritt so schwerfiel.

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.