Zusammenfassung
- Die Nonnen des St.-Elisabeth-Klosters in Minsk sammeln auch in Europa Geld
- Verwendet werden soll es für karitative Zwecke – doch Kritiker erheben schwere Vorwürfe
- Fließt ein Teil des Geldes an die russische Armee und damit in den Ukraine-Krieg?
Es sind vor allem religiöse Gegenstände, die das belarussische St.-Elisabeth-Kloster auf seiner Webseite vertreibt. Etwa Priestergewänder und goldene Kelche, teilweise für mehrere Tausend Euro. Aber auch für den Privatgebrauch findet sich in dem Onlineshop einiges, bunte bemalte Ostereier zum Beispiel. Manche sind detailgetreu mit religiösen Symbolen verziert, andere kitschig bunt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Verkauf all dieser Waren scheint sich für die Nonnen aus Minsk zu lohnen. Der „Nachrichtendienst Östliche Kirchen“, ein Informationsdienst der katholischen Kirche in Deutschland, spricht gar von Millionenbeträgen, die erwirtschaftet werden sollen. Laut den Recherchen ist das orthodoxe Kloster mehr als nur eine religiöse Einrichtung – es soll auch Medien und ein Netz kommerzieller Unternehmen betreiben, die Rede ist von „Arbeit in der Schattenwirtschaft“. Und: Schon seit Jahren steht die Einrichtung im Verdacht, mit ihren Umsätzen auch den belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko zu unterstützen – und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Kritikerin bezeichnet St.-Elisabeth-Kloster als „Zentrum für die Unterstützung des Regimes“
Intensiv mit der Arbeit des Klosters auseinandergesetzt hat sich die belarussische Menschenrechtsaktivistin Natallia Vasilevich. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit der Initiative „Christian Vision“ kirchliche Akteure aus ihrer Heimat zu vernetzen, um gemeinsam gegen Gewalt und Repression in dem autokratisch regierten Land einzutreten. Ein Kampf, der für Vasilevich und ihre Mitstreiter Folgen hat: Ihre Organisation wurde in Belarus inzwischen als „extremistische Formierung“ verboten. Vasilevich selbst lebt nicht mehr in ihrem Heimatland.
Das Minsker Kloster beschreibt sie im Gespräch mit unserer Redaktion als „Zentrum für die Unterstützung des Regimes“. „Christian Vision“ sammele schon seit Jahren Belege für die nach Angaben der Kritiker verborgene Arbeit der Nonnen. Um die Menschen zu warnen, wie Vasilevich sagt. Und, um die europäischen Partner des Klosters zu informieren.
Schwedische Kirche warnt vor Putin-treuen Nonnen
Davon gibt es viele. Unter anderem in Skandinavien, wo die Schwedische Kirche ihre Gemeinden Mitte Dezember davor warnte, mit den Nonnen aus Minsk zusammenzuarbeiten. „Sie unterstützen das russische Regime indirekt, und daran wollen wir uns nicht beteiligen“, sagte Lisa-Gun Bernerstedt, Zivilschutz-Chefin bei der Schwedischen Kirche, damals dem Radiosender P4 Stockholm.
In der Warnung heißt es, dass die Einnahmen des Klosters für Russlands Krieg in der Ukraine verwendet würden – und, dass es enge Kontakte zum russischen Militärgeheimdienst unterhalten soll. Der schwedische Migrationsminister Johan Forssell kündigte gar an, überprüfen zu wollen, ob man die Nonnen ausweise. „Schweden ist nicht verpflichtet, jenen Gastfreundschaft zu erweisen, die die russische Aggression gegen die Ukraine unterstützen“, zitiert ihn das „Open Orthodoxy Network“.

Proteste gegen prorussische Nonnen: Weihnachtsmärkte verbieten Stände
Die Aktivitäten der Nonnen erstrecken sich über ganz Europa. So waren sie in den vergangenen Jahren in diversen Städten auf Weihnachtsmärkten zu Gast, um dort ihre Waren zu verkaufen. Eine dieser Städte ist das polnische Stettin, wo laut dem lokalen Radio Szczecin Aktivisten gegen einen Stand des Klosters auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt protestierten. Die Veranstalter kündigten daraufhin den Vertrag mit den Nonnen. Auch im britischen Winchester wurde laut dem dort ansässigen „Hampshire Chronicle“ ein entsprechender Stand verboten.
„Weihnachtsmärkte waren immer ein Schwerpunkt“, erklärt Vasilevich. „Dort verkaufen sie Produkte aus den Klosterwerkstätten, aber auch Waren aus China, die sie als Kloster-Produkte ausgeben.“ Belege dafür, dass Vertreterinnen des Klosters auch auf deutschen Weihnachtsmärkten aktiv sind, gab es zuletzt nicht mehr. Zu Besuch waren sie 2025 aber in jedem Fall in Düsseldorf, wo sie bei einer Veranstaltung im Gerhard-Hauptmann-Haus ihre Waren präsentierten. Winfrid Halder, der Direktor der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, die sich der Pflege des kulturellen Erbes von Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten verschrieben hat, betont im Gespräch, dass man damals noch nichts von den Vorwürfen gegen die Nonnen gewusst habe. Zudem sei es eine externe Veranstaltung in den Räumen gewesen. Für die Zukunft schließt die Stiftung eine Zusammenarbeit mit dem Kloster aus.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Ähnlich positionieren sich die großen deutschen Kirchen. Der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind die Vorwürfe nach eigenen Angaben zwar bekannt. Man unterhalte aber keine Verbindungen zu dem Kloster, bestätigte ein Sprecher unserer Redaktion auf Anfrage. Auch die Katholische Bischofskonferenz verneint eine Kooperation.
Auch in Deutschland sammelt das Kloster Geld
Im Fokus der Nonnen steht die Bundesrepublik laut Vasilevich aber durchaus. „Zwei der Nonnen sind EU-Bürgerinnen“, berichtet sie. Sie würden von Deutschland aus unter anderem Bargeld nach Belarus schaffen. Aber auch Waren sollen über die Grenze transportiert werden.
Teile davon gehen nach Angaben von „Christian Vision“ an das russische Militär. „Das Kloster unterstützt den Krieg. Es sammelt Geld für die Armee“, so Vasilevich. Unter anderem sollen mit den in Europa erwirtschafteten Mitteln Drohnen und Autos für die Soldaten an der Front finanziert werden. „Christian Vision“ hat nach eigenen Angaben mehrere Fahrzeuge identifiziert, die von dem Kloster für das russische Militär gekauft worden seien.
Das Kloster unterstützt den Krieg. Es sammelt Geld für die Armee.
Aktivistin Natallia Vasilevich über das St.-Elisabeth-Kloster
Für diese Unterstützung erhalten die Nonnen in ihrer Heimat von politischer Seite große Anerkennung: In einer Rede, die er bei einem Kloster-Besuch im Januar 2023 hielt, erwähnte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko, dass die Ordensschwestern Spenden für russische Soldaten an der Front gesammelt hätten. „Bestochene Deserteure“ würden sie dafür kritisieren. Aber: „Sie tun das Richtige“, so Lukaschenko weiter. „Wir helfen unseren russischen Brüdern – das habe ich nie verheimlicht.“
Organisiert werden soll diese Hilfe unter anderem von der Gruppe „Hilf den Brüdern“, die wiederum enge Kontakte zum St.-Elisabeth-Kloster pflegt. In einem auf der Webseite des Klosters veröffentlichten Gespräch schildert eine russische Nonne, die für die Organisation aktiv ist, ihre Arbeit in den russisch besetzten Gebieten. Dort unterstütze man „sowohl die Soldaten als auch die Menschen“.

Deutscher Unterstützerverein spricht von „unwahren Behauptungen“
Verbindungen des Kosters nach Deutschland belegen unter anderem Recherchen des polnischen Fernsehsenders Belsat. Aufnahmen, die den Journalisten vorliegen und die online verfügbar sind, geben ein Gespräch mit einer Frau wider, bei der sich laut Belsat um eine Nonne handelt. Sie berichtet umfangreich von den Aktivitäten des St.-Elisabeth-Klosters. Unter anderem geht es in dem Gespräch darum, dass „Helfer in Deutschland“ es nicht geschafft hätten, benötigte Medikamente gegen Verbrennungen zu besorgen. Zudem bestätigt die Nonne, dass man die russische Armee mit „Ausrüstung für die elektronische Kriegsführung“ unterstütze – darunter Drohnenabwehrschirme und Funkgeräte.
Wer genau die „Helfer in Deutschland“ sind, ist unklar. Geld erhält das Kloster aber wohl aus Berlin, wo der Verein der „Freunde des Hl. Elisabeth Klosters“ Spenden für die Nonnen sammelt. Auf Nachfrage unserer Redaktion schreibt der Verein von „unwahren Behauptungen (...), die den Ruf des in seiner Heimat wegen wertvoller zivilgesellschaftlicher Arbeit anerkannten Hl. Elisabeth Klosters in Europa erheblich schädigen können“. Ähnlich positioniert sich auch das Kloster selbst, es schreibt auf Anfrage von „unwahren Behauptungen“ und „diffamierenden Aussagen“.
Ob das in Deutschland durch den Verein gesammelte Geld für den Krieg zweckentfremdet wird, ist nicht klar. Der Berliner Verfassungsschutz wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht zu den Vorwürfen gegen den Verein äußern. Dem Bundesinnenministerium liegen nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse vor.

Trotzdem sieht der Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, Mitglied im Auswärtigen und im Verteidigungsausschuss, Handlungsbedarf. „Eine religiöse Gemeinschaft darf kein Deckmantel für die Unterstützung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein“, betont er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das wäre nicht nur ein zynischer Missbrauch der Religion, sondern auch eine Straftat in Deutschland.“ Die deutschen Strafbehörden sollten die Aktivitäten „dieser Leute“ daher genaustens untersuchen und entsprechend handeln, so Wagener.
Unterstützung für „sowohl die Soldaten als auch die Menschen“
Drohen dem Kloster also bald Konsequenzen? Davor zu fürchten scheinen sich den Verantwortlichen nicht. Ganz offen präsentiert man auf der Webseite eine positive Haltung gegenüber dem russischen Regime. So wird eine Rede von Andrej Lemeschonok, dem leitenden Priester von St. Elisabeth, zitiert, in der er Putin für die „Hoffnung“ dankt, die er dem „Volk“ geschenkt habe.

In Russland wiederum nimmt man die Arbeit des Klosters wohlwollend wahr; ohnehin scheinen die Verbindungen zum Kreml und zum russischen Machthaber Wladimir Putin eng. So wurde Lemeschonok erst im Herbst 2025 von Putin mit der Puschkin-Medaille ausgezeichnet – einem Preis, den ein Jahr zuvor die deutsche Bloggerin Alina Lipp erhalten hatte. Sie lebt in den russisch besetzten Gebieten in der Ostukraine und verbreitet von dort aus prorussische Propaganda und Falschinformationen.
Vasilevich ist mit Blick auf all das wichtig zu betonen, dass nicht die ganze belarussisch-orthodoxe Kirche den Krieg unterstütze. „Das ist nur ein Kloster“, betont sie. Und auch in Belarus würden sich viele Menschen Frieden wünschen. „Sie können sich aber nicht frei äußern.“











