Donald Trump hat den Kampf gegen Amerikas Todesdroge Nr. 1 – Fentanyl – auf eine neue Eskalationsstufe gehoben. Er unterzeichnete eine präsidiale Anordnung, die das synthetische Opioid offiziell als „Waffe zur Massenvernichtung“ (Weapon of Mass Destruction, WMD) einstuft. Ein Etikett, das sonst Atom-, Bio- oder Chemiewaffen vorbehalten ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump behauptet, dass Fentanyl für „konzentrierte, groß angelegte Terroranschläge durch organisierte Gegner“ als Waffe eingesetzt werden könnte und somit eine „tödliche Bedrohung für die Nation“ sei: „Keine Bombe hat eine solche Wirkung.“ Er rechtfertigt damit eine Ausweitung der Anti-Drogen-Strategie auf militärische, diplomatische und geheimdienstliche Mittel. 

Experten sind skeptisch: „Weder Terrororganisationen noch Militärs setzen Fentanyl als Waffe ein“, sagt Jonathan Caulkins, Professor an der Carnegie Mellon University.

Trumps Ziel ist es, den Fluss der Droge aus Mexiko, China und anderen Ursprungsländern zu stoppen. Kritiker sehen darin Symbolpolitik und eine Militarisierung einer primär gesundheitlichen Krise. Fentanyl, medizinisch als Anästhetikum und zur Behandlung starker Schmerzen eingesetzt, tötet bereits in extrem geringen Dosen und wird oft anderen Drogen und gefälschten Rezepten beigemischt.

Beratungsstellen helfen bei Suchterkrankungen

Sie leben mit einer Abhängigkeitserkrankung oder haben den Verdacht, süchtig zu sein? Sie sind Angehöriger eines Menschen mit Abhängigkeitserkrankung und suchen nach Hilfe? Suchtberatungsstellen in Deutschland bieten vertrauliche Hilfe bei allen Fragen rund um das Thema Sucht.

• Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Die DHS ist die zentrale Dachorganisation der Suchthilfe in Deutschland. Auf ihrer Website finden Sie eine Liste von regionalen Suchtberatungsstellen und Fachkliniken: www.dhs.de

• Sucht & Drogen Hotline: Die Hotline ist rund um die Uhr unter der kostenlosen Rufnummer 01806 313031 erreichbar und bietet telefonische Beratung für Betroffene und Angehörige.

• Bundesweite Online-Sprechstunde der Suchthilfe: Über das Portal des Fachverbands Sucht können Sie eine Online-Beratung in Anspruch nehmen. Die Beratung erfolgt anonym, sicher und datenschutzkonform.

• Anonyme Selbsthilfegruppen: Verschiedene Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker (AA) oder die Narcotics Anonymous (NA) bieten Treffen für Betroffene an, um sich untereinander auszutauschen und zu unterstützen. Informationen zu Treffen finden Sie auf den jeweiligen Websites.

Zusätzlich können Sie auch bei Ihrem Hausarzt, beim Gesundheitsamt oder bei psychiatrischen Kliniken weitere Unterstützung erhalten.

Die amerikanische Drogenkrise hat tiefe Wurzeln. Sie begann in Arztpraxen. Pharmafirmen wie Purdue versprachen seit den 1990er Jahren, Opioid-Schmerzmittel seien sicher, was sich später als fataler Irrtum herausstellte. Zig Millionen Menschen wurden binnen weniger Wochen stark abhängig. Als die Verschreibungsraten sanken, suchten viele Betroffene Ersatz auf dem Schwarzmarkt. Fentanyl – 50-mal stärker als Heroin – füllte diese Lücke.

Trump Announces Border Defense Medals
Mit Militärangehörigen im Hintergrund unterzeichnete Donald Trump die Anordnung, wonach Fentanyl ab sofort als Massenvernichtungswaffe behandelt wird. Kritiker halten das für Etikettenschwindel.© IMAGO/ABACAPRESS | IMAGO/Pool/ABACA

Die Opferzahlen sind enorm. Zwischen 2020 und 2025 starben nach Zahlen der Seuchenschutzbehörde CDC rund 330.000 Amerikaner an Überdosierungen, ein Großteil davon durch Opioide wie Fentanyl. Zuletzt ist die Zahl der Todesfälle 2024 mit rund 50.000 auf den niedrigsten Stand seit 2019 gesunken. Trump behauptet dagegen, dass Fentanyl jährlich für 200.000 bis 300.000 Todesfälle verantwortlich sei. Die Zahlen sind laut Behördenangaben falsch.

Trumps Entscheidung, Fentanyl als WMD zu deklarieren, erlaubt neue Sanktionen, schärfere Strafverfolgung und den Einsatz von Anti-Terror-Instrumenten. Finanzströme können leichter eingefroren werden. Militärische Operationen, bisher noch nicht erkennbar, ließen sich breiter begründen. 

Kritiker sehen darin weniger eine Drogenstrategie als eine Machtausweitung. „Das ist ein semantischer Trick, kein gesundheitspolitischer Durchbruch“, sagt der Suchtforscher Dr. Keith Humphreys von der Stanford University. „Man kann Fentanyl zehnmal umetikettieren – das senkt keine Überdosis.“

Opioidkrise in den USA
Schmerzmittel wie Fentanyl und Oxycontin – sogenannte Opioide – sind ein gewaltiges Problem in den USA. Besonders schwer betroffen sind West Virginia, Ohio und Kentucky. 330 000 Tote binnen fünf Jahren.© picture alliance/dpa/AP | Keith Srakocic

Warum die Hochstufung zur Waffe gerade jetzt? Trump steht unter Druck. Nach den völkerrechtlich umstrittenen Bombardierungen angeblicher Drogenkurierboote in der Karibik, bei denen bis heute fast 100 Menschen getötet wurden, hagelte es Kritik. Juristen sprechen von extralegalen Tötungen. Menschenrechtler von Symbolpolitik mit Raketen.

Offiziell soll der neue Status „den Druck auf Kartelle und Schmuggler maximieren“. Trump erklärte: „Wenn wir diese tödliche Waffe stoppen, retten wir Amerika.“ Kritiker wie der Epidemiologe Dr. Andrew Kolodny weisen jedoch darauf hin, dass „eine rhetorische Umbenennung allein keine Überdosierungen verhindert”. Experten warnen, dass eine Fokussierung auf Strafverfolgung und militärische Mittel die zugrunde liegenden sozialen und gesundheitlichen Probleme ignoriert. Dr. Felicia Thornton, Suchtforscherin an der Johns Hopkins University, sagt: „Was wir brauchen, sind Prävention, Therapie und breite Verfügbarkeit von Gegenmitteln, nicht neue Schlagworte.“ 

An China als Hauptproduzent wagt sich Trump nicht ran

Ein weiteres Problem der neuen Linie ist aus Sicht von Kritikern ihre innere Logik. Wer Fentanyl tatsächlich als Massenvernichtungswaffe begreift, müsste gegen den Hauptproduzenten der chemischen Vorläuferstoffe vorgehen: China. Doch hier endet Trumps Härte. Sanktionen ja. Militärische Drohungen nein. Trump verweist regelmäßig auf Zusagen von Präsident Xi Jinping, wonach Peking die Ausfuhr von Fentanyl-Grundstoffen deutlich erschwert oder eingedämmt habe. Den Beweis dafür bleibt er schuldig.

Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende
Quasi das Gegengift. Naloxon, zügig nach einer Überdosierung verabreicht, kann Leben retten.© Funke Medien Thüringen | Ruth Thüsing

Stattdessen wird Mexiko zur Bühne gemacht. Ein Land, wo die bekannten Drogenkartelle die Grundstoffe veredeln und dann – meist über Menschenkuriere – über die üblichen Grenzübergänge in Texas, Arizona und Kalifornien in die Staaten bringen lassen. „Das ist politisch bequem“, sagt ein ehemaliger Beamter der Drogenbekämpfungsbehörde DEA. „Mit China will man keinen echten Konflikt. Also erklärt man Boote und Kartelle zur Front.“

Trotz der hohen Opferzahlen gibt es Fortschritte bei Maßnahmen, die konkret Leben retten. Das Gegenmittel Naloxon (Narcan) ist heute deutlich weiter verbreitet als vor zehn Jahren und kann Überdosierungen oft in letzter Sekunde stoppen. Doch es ist noch nicht überall verfügbar, insbesondere nicht in ländlichen Regionen und sozial schwachen Bundesstaaten. „Naloxon ist keine Ideologie, sondern eine Lebensversicherung“, sagt die New Yorker Notfallmedizinerin Dr. Chinazo Cunningham. „Wer das Problem ernst nimmt, investiert hier – nicht in martialische Etiketten.“

Auch Programme zur Schadensminimierung – wie Fentanyl-Teststreifen oder Ausbau von Therapieplätzen – zeigen Wirkung, werden aber durch Haushaltssperren und Kürzungen im Gesundheitswesen bedroht.