Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR meldete zum Jahreswechsel einen spektakulären Erfolg: Denis Kapustin lebt. Noch wenige Tage zuvor hatte der Russische Freiwilligenkorps, eine mit dem HUR eng verbundene Einheit innerhalb der ukrainischen Streitkräfte, den Tod seines Kommandeurs verkündet. Kapustin, auch bekannt unter dem Kampfnamen White Rex, sei in der südukrainischen Region Saporischschja durch den Treffer einer russischen FPV-Drohne ums Leben gekommen. Nun erklärt Kiew: Der Tod war inszeniert – Teil einer Geheimdienstoperation.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nach Angaben des HUR hatten russische Geheimdienste ein Kopfgeld von rund einer halben Million US-Dollar auf Kapustin ausgesetzt. Um ein Attentat zu vereiteln und zugleich die mutmaßlichen Auftraggeber zu identifizieren, sei über mehr als einen Monat hinweg eine Sonderoperation vorbereitet worden.

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Täuschungsmanöver: Ukraine inszeniert Kapustin-Tod mit Videos und Call

Zwei Videos sollten den Tod Kapustins glaubhaft machen: eines aus der Perspektive einer Drohnenkamera, die in einen Pickup einschlägt, ein weiteres, das das Fahrzeug brennend zeigt. Zusätzlich veröffentlichte der HUR einen Mitschnitt eines Videocalls, in dem Geheimdienstchef Kyrylo Budanow gemeinsam mit dem lebenden Kapustin zu sehen ist. Die aus Russland geflossenen Gelder sollen laut HUR nun der ukrainischen Verteidigung zugutekommen. Welche russischen Dienste konkret hinter dem Auftrag standen, ließ Kiew offen.

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Der Fall erinnert an eine frühere, international viel beachtete Geheimdienstoperation. Im Mai 2018 hatte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU den Mord an dem russischen Oppositionsjournalisten Arkadij Babtschenko fingiert, um mutmaßliche Auftraggeber zu überführen. Babtschenko tauchte einen Tag nach der offiziellen Bestätigung seines Todes lebend auf einer Pressekonferenz auf. Auch damals sorgte die Aktion weltweit für Schlagzeilen.

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Schwarmkrieg: Ein Pilot steuert viele Drohnen – Realität vs. KI
Im Krisenmodus
 

Kapustin: Umstrittener Neonazi aus Moskau prägte Szene in Deutschland

Die Nachricht vom vorgetäuschten Tod Kapustins löste in der Ukraine gemischte Reaktionen aus. Dass ein bewaffneter Gegner des Kremls aus Russland stammt und gegen das Regime von Wladimir Putin kämpft, weckt in einem angegriffenen Land durchaus Sympathien – zumal im Kontrast zur oft als zahnlos wahrgenommenen russischen Exilopposition. Gleichzeitig ist Kapustin wegen seiner Vergangenheit hoch umstritten.

Der 41-Jährige, der sich selbst Denis Nikitin nennt, ist in der europäischen Neonazi-Szene seit Jahren bekannt, insbesondere auch in Deutschland. Geboren in Moskau, wuchs er überwiegend in Köln auf. Dort bewegte er sich in der Ultraszene von Fußballfans, organisierte Kampfsportturniere und gründete die Marke White Rex, die Kleidung mit versteckten NS-Symbolen vertrieb. 2019 entzog Deutschland ihm die Aufenthaltserlaubnis, zudem erhielt er ein Einreiseverbot für den gesamten Schengenraum.

Russisches Freiwilligenkorps: Kapustin plante medienwirksame Angriffe

Kapustin lebte bereits vor dem russischen Großangriff 2022 in der Ukraine und pflegt enge Kontakte in das dortige rechtsextreme Milieu. Der von ihm gegründete Russische Freiwilligenkorps besteht nach eigenen Angaben aus „ethnischen Russen“ und ist eine von zwei bekannten russischen Einheiten innerhalb der ukrainischen Armee. Militärisch ist sie klein, erfüllt aber eine wichtige propagandistische Funktion – und gilt im Vergleich zur kaum präsenten Legion Freies Russland als kampfkräftiger.

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Im Mai 2023 nahm Kapustin persönlich an Sabotageaktionen in der russischen Region Brjansk teil. Ein Jahr später folgten ähnliche Vorstöße im Grenzgebiet Belgorod. Militärisch hatten diese Einsätze allenfalls begrenzte Wirkung, medial sorgten sie jedoch für Aufmerksamkeit.