Nach einem historisch umwälzenden Tag in Venezuela stehen die Zeichen nicht auf Ruhe, sondern weiter auf Sturm und Konflikt. Vizepräsidentin Delcy Rodríguez widersprach US-Präsident Donald Trump am Samstagnachmittag (Ortszeit) und zeigte sich gemeinsam mit dem Rest des chavistischen Machtzirkels beim direkt in den Medien übertragenen Verteidigungsrat. Sie scheint derzeit die neue starke Frau im Land zu sein. Laut der venezolanischen Verfassung müsste die Führung des Landes an sie als Vizepräsidentin übergehen. Der „entführte“ Staatschef Nicolás Maduro sei „der einzige Präsident Venezuela“, sagte die 56-Jährige gleichwohl. Sie forderte die USA auf, Maduro umgehend wieder freizulassen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Entscheidend sei jetzt, ob die Regierung überleben kann, sagt Phil Gunson, Venezuela-Experte bei der „International Crisis Group“. Trotz der Aussagen der USA scheint der Chavismus das Land weiterhin zu kontrollieren, und es gibt bisher keine Anzeichen für nennenswerte Spaltungen innerhalb der Streitkräfte, die zum Zusammenbruch des Regimes führen würden. Die nächsten Stunden würden entscheidend für die Klärung der Machtfrage sein, unterstrich Gunson. Schlimmstenfalls würden Teile des Militärs den USA folgen, während andere Widerstand leisteten, und die Situation würde sich zu einem internen bewaffneten Konflikt entwickeln.
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Kann Trump Venezuela einfach so übernehmen?
Trump hatte wenige Stunden zuvor bei einer Pressekonferenz behauptet, sein Land kontrolliere jetzt Venezuela. „Eine Gruppe“ werde das Land regieren, sagte er kryptisch. Das gelte bis zu einem geordneten Übergang. Auch wollen die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die Ölproduktion des Landes übernehmen.
Nahezu zur gleichen Zeit von Trumps Pressekonferenz landete Maduro zusammen mit seiner Frau Cilia Flores am Nachmittag gegen 17.30 Uhr auf der Luftwaffenbasis Edwards im Bundesstaat New York. Von dort sollte er in ein Bundesgefängnis überstellt und spätestens am Montag in New York City einem Richter vorgeführt werden.
Vizepräsidentin Rodriguez zeigte sich öffentlich mit ihrem Bruder, dem Kommunikationsminister Jorge Rodriguez, Innenminister Diosdado Cabello und Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Diese vier Führungsfiguren des unmittelbaren Machtzirkels von Maduro leiten jetzt zunächst die Geschicke in Venezuela. Rodríguez unterstrich in herausforderndem Ton, Venezuela werde niemals die Kolonie einer anderen Nation sein, und wies damit auch Andeutungen von Trump zurück, der zuvor von Kontakten zu ihr berichtet hatte.

„Was in Venezuela passiert, ist barbarisch“
„Was in Venezuela passiert, ist barbarisch“, fluchte die Vizepräsidentin. „Das Land zu belagern und zu blockieren ist barbarisch, verstößt gegen das Menschenrechtssystem und stellt ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar.“
In der Nacht zu Samstag war es zu dem lang erwarteten Angriff auf das Regime von Machthaber Maduro gekommen. Dabei wurden er und seine Frau Cilia Flores festgenommen und außer Landes gebracht. Spezialkräfte überraschten Maduro und Flores offenbar im Schlaf. Die Vereinigten Staaten hatten ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf den linksnationalistischen Machthaber ausgesetzt.
Maduro regierte Venezuela seit 2013, und in den vergangenen Jahren hat er die Unterdrückung von Opposition und Bevölkerung verschärft. Seine politischen Gegner sind entweder im Exil oder im Gefängnis. Meinungsfreiheit wird unterdrückt. Zudem ist die wirtschaftliche Lage katastrophal. Bei den Wahlen im Juli 2024 hat Maduro ganz offenbar die Wahlen massiv gefälscht, damit er sich überhaupt an der Macht halten konnte. Bei einer demokratischen und sauberen Auszählung hätte er die Abstimmung eindeutig verloren.
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Gähnende Leere auf den Straßen in Caracas
Maduro war von dem an Krebs verstorbenen Hugo Chávez als dessen Nachfolger auserkoren und gezielt aufgebaut worden. Er besaß aber weder dessen charismatische Führungsstärke noch jemals den Rückhalt in der Bevölkerung. Dieses Jahr erkannte das Nobelkomitee in Oslo der Oppositionsführerin María Corina Machado überraschend den Friedensnobelpreis zu. Das Fernziel Washingtons ist sicher, Machado als neue Präsidentin in Venezuela durchzusetzen. Dann hätten sie in dem Land mit den weltweit größten nachgewiesenen Erdölreserven eine treue Gefolgsfrau installiert.
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In Venezuela und der Hauptstadt Caracas herrschte am Sonnabend angespannte Ruhe und gähnende Leere auf den Straßen. Die Menschen trauten offensichtlich dem Frieden nicht und fürchten ein hartes Durchgreifen der Machthaber, sollten sie auf die Straßen gehen und den Sturz Maduros feiern. Dies taten dafür umso ausgelassener die im Exil lebenden Venezolaner in Florida, aber auch in Chile und Spanien oder Kolumbien. Acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner waren in den vergangenen Jahren vor der Repression des Regimes und der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit geflohen.






