Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die jüngsten Raketentests seines Landes als politische Botschaft inszeniert – und dabei indirekt auf den US-Militäreinsatz in Venezuela angespielt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag berichtete, habe Kim Jong Un am Wochenende den Abschuss mehrerer „hochmoderner“ Hyperschallraketen persönlich beaufsichtigt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„In letzter Zeit wurden wichtige Fortschritte dabei erzielt, unsere Nuklearstreitkräfte auf eine praktische Basis zu stellen und sie auf einen tatsächlichen Krieg vorzubereiten“, zitierte KCNA den Machthaber. Begleitet wurde die Meldung von Bildern aus den Staatsmedien: Kim raucht neben hochrangigen Funktionären, während im Hintergrund eine Rakete in den Morgenhimmel steigt.

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Kims Erklärung folgte nur kurz auf den US-Angriff auf Venezuela am Wochenende. Bei der Operation gegen Nordkoreas Verbündeten wurde am Samstag Venezuelas linksnationalistischer Präsident Nicolás Maduro festgenommen und außer Landes gebracht – ein Szenario, das die Führung in Pjöngjang seit Jahren fürchtet und das sie als Bestätigung ihrer Warnung vor einem von Washington betriebenen Machtwechsel deutet.

Nordkoreas Hyperschallraketen: Wie gefährlich sind Kims „Wunderwaffen“?

Doch unabhängig vom politischen Timing bleibt die Frage, was Nordkorea mit dem Test technisch tatsächlich demonstriert hat – und was es bedeutet, wenn Pjöngjang von „Hyperschallraketen“ spricht. Als „Hyperschallrakete“ bezeichnen Fachleute Flugkörper, die mit dem mehr als Fünffachen der Schallgeschwindigkeit unterwegs sind und ihre Richtung im Flug noch verändern können.

Anders als klassische Raketen folgen sie damit nicht einfach einem gut berechenbaren Kurs. Das macht sie bedrohlich: Je schneller ein Geschoss ist und je weniger vorhersehbar die Flugbahn, desto schwieriger wird es für Abwehrsysteme, rechtzeitig zu reagieren.

Nordkorea behauptet seit Jahren, an solcher Technik zu arbeiten. Ob Pjöngjang jedoch bereits über vollständig entwickelte Hyperschallwaffen verfügt, ist umstritten. Der Forscher Hong Min vom Korea Institute for National Unification (KINU) sagte der südkoreanischen Zeitung „Chosun Ilbo“, er halte eher einen „quasi-Hyperschall-Flugkörper“ für wahrscheinlich. Gemeint ist damit ein System, das einige Merkmale einer Hyperschallwaffe zeigt, aber möglicherweise nicht das Leistungsniveau erreicht, das Nordkorea suggeriert.

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Das südkoreanische Verteidigungsministerium meldete indes „mehrere Geschosse, mutmaßlich ballistische Raketen“, die nahe Pjöngjang abgefeuert worden seien – nur wenige Stunden vor der Abreise von Präsident Lee Jae Myung zu einem Staatsbesuch in China. Ballistische Raketen fliegen meist auf einer vergleichsweise berechenbaren, bogenförmigen Bahn.

Auch Japan meldete Sichtungen. Nach Angaben aus Tokio sollen zwei Raketen rund 50 Kilometer hoch gestiegen und 900 beziehungsweise 950 Kilometer weit geflogen sein. Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi verurteilte die Tests scharf: Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm bedrohe den Frieden und die Stabilität in der Region und sei „absolut inakzeptabel“, sagte er.

Nordkoreas Raketenprogramm: Warum Pjöngjang jetzt den Druck erhöht

Dass solche Tests Teil eines Musters sind, zeigte sich bereits im November: Damals ließ Pjöngjang Raketen starten, nachdem US-Präsident Donald Trump Südkoreas Plan für den Bau eines Atom-U-Bootes gebilligt hatte. Insgesamt hat Nordkorea seine Erprobungen von Raketen und Marschflugkörpern in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet.

Analysten sehen dahinter mehrere Zwecke. Nordkorea teste, um seine Technik treffsicherer zu machen, zugleich aber auch, um politischen Druck aufzubauen – auf die USA, auf Südkorea und auf deren Bündnis. Und es gehe um Praxis: Neue Systeme sollten unter möglichst realistischen Bedingungen funktionieren, bevor sie in größerem Umfang eingesetzt oder weitergegeben werden. In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob Nordkorea Waffen an den Verbündeten Russland liefern könnte.

mit dpa/afp