Am vergangenen Wochenende wird die Welt überrascht von einer neuen Großlage. US-Militärs greifen Ziele in Venezuela an, entführen Diktator Nicolás Maduro. Am Samstagmorgen melden auch die Nachrichtenagenturen in Deutschland die Explosionen in der venezolanischen Hauptstadt.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In den Stunden danach erreichen unsere und andere Redaktionen etliche Fotos aus dem Land. Am Ende des Wochenendes werden es etwa 10.000 Bilder sein. Zahlreiche private Profile in den sozialen Netzwerken verbreiten zudem angebliche Schnappschüsse der historischen Nacht.

Doch nicht alle Fotos sind echt, manche gefälscht, zeitlich falsch zugeordnet – oder mit einer Software am Computer generiert, mithilfe von Künstlicher Intelligenz.

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Gerade in solchen Krisensituationen am anderen Ende der Welt sind Redaktionen auf professionelle Fotoagenturen angewiesen. Niemand hat weltweit eigene Fotoreporter vor Ort. Journalisten verlassen sich in solchen Fällen auf die Sorgfalt renommierter Unternehmen, mit denen viele schon über Jahrzehnte zusammenarbeiten.

Am Sonntag online und am Montag gedruckt veröffentlicht auch diese Redaktion ein Foto von Maduros Verhaftung. Es zeigt den Herrscher in Handschellen bei der Festnahme durch US-Soldaten. Das Foto zeigt keine auffälligen Spuren einer Bearbeitung, die Szene ist plausibel. Unter dem Bild ist ein Hinweis auf die Quelle des Fotos: „ddp/WD/Polaris“. Die ddp media GmbH sitzt in Hamburg. Sie ist eine von mehreren Fotoagenturen, mit denen diese Redaktion, wie viele andere renommierte Redaktionen, seit Jahren gut zusammenarbeitet. Der Verlag zahlt für die Publikation der Bilder.

Die Beschreibung der Szene auf Englisch lässt keinen Zweifel daran, dass das Foto echt ist

Jedes Foto der Agenturen kommt mit einem Begleittext. Er hilft den Redaktionen, den Kontext der Abbildung einzuordnen. Der Text lautet im Original: Venezuela president Maduro under arrest, January 3, 2026 – Caracas, Venezuela: President Maduro wearing a bloodied shirt and handcuffed, is escorted by two US soldiers. The United States launched military strikes on Venezuela. The Army’s Delta Force, an elite special forces unit, carried out the operation to capture Venezuela president Nicolas Maduro and his wife. They were then flown on a plane to the United States. (WD / Polaris/ddp)

Es ist die Beschreibung der Szene auf Englisch und lässt keinen Zweifel daran, dass das Foto echt ist. Am Dienstag meldet sich die Nachrichtenagentur AFP bei FUNKE und fragt aufgrund von Hinweisen an, ob das Foto eventuell von einer Künstlichen Intelligenz generiert ist.

Die sofortige schriftliche Anfrage der Redaktion bei der Agentur ddp ergibt kurze Zeit später, dass das Foto tatsächlich von einer KI generiert wurde und nie an Kunden hätte versendet werden dürfen. Es stammt von Polaris, einer renommierten Fotoagentur, die mit ddp zusammenarbeitet und Kunden in mehr als 30 Ländern beliefert. Die Agentur ddp entschuldigt sich.

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    Nachdem dieser Redaktion bekannt wurde, dass das Foto nicht echt ist, wurde es sofort gelöscht und eine Korrektur sowohl im Print als auch online veröffentlicht. Die Redaktion entschuldigt sich bei Leserinnen und Lesern für die Publikation.

    Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen helfen im Journalismus bei Recherchen. Zugleich sind Manipulationen ein wachsendes Risiko, dem Redakteurinnen und Redakteure mittlerweile nahezu täglich mit Wachsamkeit begegnen müssen. Unser Verlag hat sich für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz Richtlinien gegeben, mit der die journalistische Qualität gesichert wird. Sorgfalt steht an erster Stelle, heißt es darin. Diesem Ziel fühlen wir uns mehr denn je verpflichtet und werden Konsequenzen aus dem Fall ziehen, neue Sicherungen einbauen und Sie darüber transparent informieren. Damit Sie sich auch künftig auf unsere hohe journalistische Qualität verlassen können. 

    Die Redaktion