Eine Satire als nachträglicher Seitenhieb? Ein Gedicht mit dem Titel „Ken & Barbie“ im Mitarbeitermagazin des Auswärtigen Amtes („internAA“, Heft 1/26) hat für Unruhe in dem Bundesministerium gesorgt. Intern wird es als offensichtliche Satire auf die ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne) gelesen, wie es in Berichten heißt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die „Bild“-Zeitung zitiert die folgenden Zeilen aus dem Gedicht: „Heizung aus / Pullover an / Selbst gestrickt / von Mann zu Mann“. Und weiter: „Die Außenwelten / feministisch gedacht / die Welt zu retten / doch nicht jeder hat gelacht“.

Wie die „Bild“ berichtet, wurde der Text in der digitalen Ausgabe des Mitararbeitermagazins inzwischen durch einen Kasten ersetzt: „Uns ist hier ein unschöner Fehler passiert. An dieser Stelle stand ursprünglich ein Gedicht. Es ist erschienen, obwohl die Redaktion von internAA bereits im Juni 2025 entschieden hatte, es nicht zu veröffentlichen.“

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In der Satire ist außerdem von einem „Kinderschreck im Höhenflug“ zu lesen und von „Politik, ganz wie ein schlechtes Buch“. Beides lässt sich als kaum misszuverstehende Anspielung auf den früheren Wirtschaftsminister deuten, der selbst mehrere Kinderbücher geschrieben hat. Der Text beschreibt zudem – was viele Leser als Verweis auf Baerbock lesen dürften – jemanden „mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar, immer perfekt gewellt, Hochglanzreden, ohne Geschick, hatte die Menschen, nicht mehr im Blick.“

Wie der „Spiegel“ berichtet, handelt sich bei dem Verfasser des Gedichts um Siegfried Geilhausen, den stellvertretenden deutschen Konsul in Temeswar, Rumänien. Der gibt die Urheberschaft auch offen zu, schreibt das Magazin. Direkt neben dem Gedicht beschreibt Geilhausen laut „Spiegel“ in einem weiteren Text, wie er während seiner ersten Entsendung als Diplomat nach Rumänien die Landessprache lernte und später Gedichte auf Rumänisch veröffentlichte. 

Das Gedicht für die Mitarbeiterzeitschrift sei sein erstes in deutscher Sprache, schreibt Geilhausen. Anlass sei gewesen, dass die Redaktion von „internAA“ Diplomaten vorstellen wollte, die sich auch als „LiterAAten“ betätigen. Geilhausen habe sich erlaubt, schreibt er, „etwas kurzes, aktuelles Lyrisches zu Ken & Barbie“ zu verfassen. 

Das Gedicht endet mit der Strophe: „So ziehen sie weiter / die beiden, so heiter / wir winken ihnen zu / nun haben wir Ruh“. Von Dezember 2021 bis Mai 2025 war Annalena Baerbock Außenministerin und leitete in dieser Funktion das Auswärtige Amt. Seit September des vergangenen Jahres ist sie Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Robert Habeck war unter Kanzler Scholz Wirtschaftsminister und musste wegen des sogenannten Heizungsgesetzes viel Kritik einstecken. Die beiden Grünen-Spitzenpolitiker führten ihre Partei von 2018 bis 2022 als Bundesvorsitzende.

Die Gleichstellungsbeauftragte im AA, Anne Glumm, kritisierte das Gedicht laut „Spiegel“ intern scharf. „Es ist rückwärtsgewandte Polemik in Reimform, die stereotypische, sexistische und misogyne Narrative bedient“, schrieb sie. „InternAA“ sei kein Ort für die „infame Diffamierung ehemaliger Regierungsmitglieder“.

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Das Gedicht im Wortlaut:

Ken & Barbie

Heizung aus, Pullover an, selbst gestrickt, von Mann zu Mann.
Die Außenwelten, feministisch gedacht, die Welt zu retten, doch nicht jeder, hat gelacht.
Ein Kinderschreck im Höhenflug, Politik, ganz wie ein schlechtes Buch, ein Land, das sucht, das strebt, fragt sich, wohin der Weg nun geht.
Mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar, immer perfekt gewellt, Hochglanzreden, ohne Geschick, hatte die Menschen, nicht mehr im Blick.
Die Wurzeln einst so tief im Grund, doch Wandel kam, die Zeit war bunt, Ein grüner Baum der Frieden trug, verlor den Pfad, den einst er schlug.
Sein Schritt eilt voraus, bloß nicht nach Haus, der Abstieg zum Schluss, Philosophie, im Außen Ausschuss.
Und sie, die Heimat verlässt, auf zum Big Apple, welch ein Fest, ein Job ergaunert, ganz elegant, das Volk frohlockt, nun ist sie verbannt.
So ziehen sie weiter, die beiden, so heiter, wir winken ihnen zu, nun haben wir Ruh.

SIGGIG, im April 2025

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