Karoline Leavitt ist eine Frau ganz nach Donald Trumps Geschmack. Jung, christlich, konservativ und ganz auf politischer Linie. Als Leavitt im Alter von 27 Jahren ihren Job als Pressesprecherin des Weißen Hauses antrat und damit zum Verlautbarungsorgan der US-Regierung wurde, neigten wohl nicht wenige Menschen dazu, die junge Frau mit den blonden Haaren zu unterschätzen. Sie gilt als Trump-Vertraute, als eine Figur, die ihr gesamtes berufliches Leben im Dunstkreis der MAGA-Bewegung verbracht hat, beginnend mit ihrem Praktikum bei Fox News 2016. Damals war sie noch Studentin an einer katholischen Privatuniversität.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Seitdem hat Leavitt eine steile Karriere hingelegt. Bei den Pressekonferenzen im James Brady Room im Westflügel des Weißen Hauses wirkt die 28-Jährige souverän. Kritische Fragen lässt sie geschickt an sich abprallen, wobei ihre Verachtung für die Vertreter der etablierten Medien, der sogenannten Legacy Media, nicht zu übersehen ist. Unter Trump wurden auch Blogger und „alternative Medien“ im James Brady Room zugelassen. Ihnen gehört Leavitts Sympathie.
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Journalist fragte nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis
Zum Job der bald zweifachen Mutter (im Mai soll ihr zweites Kind geboren werden) gehört es aber auch, auf Fragen von Journalisten zu antworten, die der Trump-Administration nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Niall Stanage vom Nachrichtenportal „The Hill“ ist so jemand. Stanage hatte eine Frage zum Einsatz von ICE-Agenten vor wenigen Tagen in Minneapolis. Dabei erschoss ein ICE-Mitarbeiter die 37 Jahre alte Renee Good, die zuvor mit ihrem Auto eine Straße blockiert hatte und dann mit ihrem Wagen davonfahren wollte.
„32 Menschen sind im vergangenen Jahr in Gewahrsam durch ICE gestorben. 170 US-Staatsbürger wurden von ICE festgehalten und Renee Good wurde in den Kopf geschossen und von einem ICE-Agenten getötet“, leitete Stanage seine Frage ein. Wie diese Zahlen zur Aussage von Heimatschutzministerin Kristi Noem passten, dass die ICE-Agenten alles richtig gemacht hätten, wollte der Journalist von Leavitt wissen.
Leavitt beschimpft Reporter als „linken Schmierfinken“
Die Sprecherin antwortete mit einer Gegenfrage. „Warum wurde Renee Good leider und auf tragische Weise getötet?“, wollte Leavitt von Stanage wissen. Statt zu erwidern, dass diese Frage von der US-Regierung beantwortet werden müsse, tappte der Journalist in die Falle. „Fragen Sie mich nach meiner Meinung?“, so Stanage. Dann erklärte er: „Weil sich ein ICE-Agent rücksichtslos verhalten und sie ungerechtfertigt getötet hat.“
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Leavitt hatte den Pressevertreter nun dort, wo sie ihn frontal attackieren konnte. „Oh, Sie sind also ein voreingenommener Reporter mit einer linken Meinung“, polterte sie los. Leavitt bezeichnete Stanage weiter als „left-wing hack“, was man mit „linker Schreiberling“ oder auch „linker Schmierfink“ übersetzen kann. Er sei gar kein Reporter, sondern jemand, der sich als Journalist ausgebe. Dies würde sich schon aus seiner Frage ergeben. „Sie sollten überhaupt nicht auf diesem Stuhl sitzen. Sie tun so, als seien Sie ein Journalist, aber Sie sind ein linker Aktivist“, schimpfte Leavitt. Stattdessen solle sich Stanage lieber mit den unschuldigen Amerikanern befassen, die von illegalen Einwanderern getötet worden seien. Die tapferen Frauen und Männer der ICE würden alles unternehmen, um diese „abscheulichen Individuen“ aufzuspüren und die Nachbarschaften sicherer zu machen, schloss die Sprecherin ihre Tirade.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Leavitt im Ton vergreift. Im Oktober hatte sie einem Journalisten auf die Frage, wer entschieden habe, dass ein weiteres Treffen von Trump und Russlands Machthaber Putin in Budapest stattfinden solle, auf „X“ geschrieben: „Deine Mutter war‘s!“ Eine Replik, die als respektlos gewertet wurde. Leavitt könnte sich in ihrer Journalistenbeschimpfung aber auch ein Vorbild an ihrem Chef genommen haben. Trump hatte zuletzt Journalistinnen als „Schweinchen“ und als „drittklassig und hässlich“ bezeichnet.










