Mittagszeit im Pressezentrum des russischen Außenministeriums in Moskau: Vor ausgewählten Journalisten gab sich Sergej Lawrow zum Jahresauftakt betont selbstbewusst. Leise Kritik aber übte er an US-Präsident Donald Trump, den der Kreml doch in Sachen Ukraine an der Seite Russlands halten möchte. Trumps Aussage, er sei nicht am Völkerrecht interessiert, nannte Lawrow „interessant“. „Ich versichere Ihnen jedoch, dass die Regierung von Donald Trump – trotz all der Maßnahmen, die derzeit weltweit viel diskutiert werden – eine Regierung von Pragmatikern ist“, so Lawrow. Die USA unter Trump und Russland unter Wladimir Putin: Vielleicht keine besten Freunde, aber eben doch auf einer Linie.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Mit den USA möchte man in Zukunft „normal arbeiten“, sogar direkte Flugverbindungen soll es aus russischer Sicht wieder geben. „Wir haben diese Themen auch in unsere Gespräche aufgenommen.“ Und Grönland? „Grönland ist im Prinzip kein natürlicher Bestandteil Dänemarks, oder? Es war weder ein natürlicher Bestandteil Norwegens noch Dänemarks. Es war eine koloniale Eroberung“, sprang Lawrow dem US-Präsidenten bei. Grönland entfache Diskussionen, die man sich zuvor kaum hätte vorstellen können, „einschließlich der Aussichten für den Fortbestand der Nato als einheitlicher westlicher militärisch-politischer Block“. Und das wiederum ist durchaus im Sinne Russlands.

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Im Nahen Osten will sich Russland weiter engagieren. Der Handel mit dem Iran würde weiterhin betrieben. Und die Einladung von Russlands Präsidenten Putin in Trumps „Friedensrat“ würde man prüfen. „Wir möchten unbedingt die konzeptionelle und praktische Vision unserer amerikanischen Kollegen von dieser Initiative klären“, sagte Lawrow eher vage. Weitere Formate jenseits bestehender UN-Resolutionen müsse es eigentlich nicht geben. „Wir müssen diese Beschlüsse lediglich umsetzen und einen palästinensischen Staat gründen.“

Russland versucht, Europäer und die USA zu spalten

Wenig Neues gab es in Sachen Ukraine. Moskau sei bereit, weiterhin nach einer diplomatischen Lösung für die Ukraine-Krise zu suchen und sei dazu stets offen gewesen, meinte Lawrow. Schuld sei der Westen. „Ich erwähne gar nicht erst den Wunsch der meisten westlichen Länder, das Kiewer Regime weiterhin für eine bewaffnete Konfrontation mit Russland zu instrumentalisieren.“

Ukraine-Krieg - Charkiw
Die russischen Luftangriffe auf die Ukraine gehen unvermindert weiter. Im ukrainischen Charkiw inspiziert ein Einsatzleiter den Schaden nach einem solchen Angriff.© Andrii Marienko/AP/dpa | Andrii Marienko

Das Ziel, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen, werde zwar nicht mehr so ​​oft ausgesprochen, aber allem Anschein nach sei es nach wie vor in den Köpfen und Plänen präsent, insbesondere bei den europäischen Staats- und Regierungschefs, meinte der Außenminister. Der Westen versuche „mit allen Mitteln, die amerikanische Regierung davon zu überzeugen, nicht mit der Russischen Föderation zu verhandeln“.

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Klar aber bleibt: „Russland wird seine vitalen Interessen konsequent und entschlossen verteidigen“, versicherte der Minister. Gleichwohl betonte er, Russland sei gesprächsbereit. Auch gegenüber dem Westen. Lawrows Angebot: „Wenn ernsthaftes Interesse besteht, dann rufen Sie einfach an, wie es Diplomaten tun, ohne Anschuldigungen, ohne Drohungen.“