Samstagabend in Magdeburg: Beim Fußball-Zweitligaspiel zwischen dem Gastgeber und Dynamo Dresden (1:2) kommt es zu schweren Ausschreitungen, bei denen 70 Polizisten verletzt werden. Die Beamten werden unter anderem mit Steinen, Absperrgittern, Mülltonnen, Stühlen, Toiletten, Gehwegplatten und einem Gullydeckel beworfen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am Tag darauf bezieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Sachsen Stellung zur Gewalteskalation – und bebildert die Meldung mit einem von einer Künstlichen Intelligenz generierten Foto. Zu sehen ist ein Polizist mit einer klaffenden Platzwunde, der von zwei Kollegen gestützt wird. Die Kritik an diesem Vorgehen lässt nicht lange auf sich warten.

Der Soziologe Nils Kumkar schreibt dazu auf Bluesky: „Die Tücke dieser Form von Slop (mithilfe von KI generierte Medieninhalte niedriger Qualität; Anm. d. Red.) ist, dass die Erstellerseite damit eben ihre eigene Weltsicht fotografisch verdoppelt, also selbst nicht denkt, zu lügen, sondern Wahrheiten zu illustrieren, die man bisher ‚leider‘ nicht fotografisch festhalten konnte.“

KI-Bild nach Ausschreitungen: „Fake“, „Propaganda“

Bei der Social-Media-Plattform Bluesky erklärt ein Nutzer: „Es ist das erste Mal, dass ich solche Bilder von seriösen Stellen sehe.“ Andere schreiben – zu Recht – von einem „Fake“ oder gar von „Propaganda“. Ein anderer Nutzer meint, dass das Foto dazu diene, dem „Feindbild Fußballfan“ noch mehr Nahrung zu geben.

GdP KI-Bild
Das Bild, das die GdP Sachen mithilfe von KI erstellt hat. Den Hinweis „KI-Bild“ hat diese Redaktion nachträglich hinzugefügt.© Gewerkschaft der Polizei Sachsen mit ChatGPT | Gewerkschaft der Polizei Sachsen mit ChatGPT

Nach der massiven Kritik hat die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Sachsen eine Überprüfung ihrer internen Standards angekündigt. Die öffentliche Kritik an der Bildwahl werde „sehr ernst“ genommen, sagte eine Sprecherin der GdP Sachsen dem Evangelischen Pressedienst. In Zukunft sollen diese Bilder noch deutlicher gekennzeichnet oder bestenfalls auf KI-generierte Symbolbilder verzichtet werden. Mittlerweile ist das KI-Foto auf der Website nicht mehr zu sehen. Es wurde durch ein Blaulicht-Symbolfoto ausgetauscht.

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Magdeburg – Dresden: KI-Foto sollte auf „Schwere der Gewalt aufmerksam machen“

Die Entscheidung für ein symbolisches Foto sei der Sprecherin zufolge getroffen worden, „um auf die Schwere der Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte aufmerksam zu machen, ohne reale Einsatzsituationen, verletzte Kolleginnen oder Kollegen oder laufende Ermittlungen abzubilden“. Tatsächliches Bildmaterial habe „zum Zeitpunkt der Beitragsveröffentlichung“ nicht vorgelegen.

Abgesehen von den Vorwürfen hat die Polizei mittlerweile einen 29-Jährigen festgenommen, der jetzt in U-Haft sitzt. Der Mann aus Aschersleben soll einen Polizisten mit einer Steinplatte angegriffen und verletzt haben, wie die Polizei mitteilte. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des versuchten Mordes, schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

Besonders heikel: Bereits am Freitag empfängt der 1. FC Magdeburg den Tabellenfünften Hannover 96 zum nächsten Heimspiel. Bislang schweigt der Verein zu möglichen Konsequenzen. Man sei noch in der Aufarbeitung der Vorkommnisse. Auch zu möglichen Änderungen des Sicherheitskonzeptes äußerte sich der Zweitliga-14. nicht.

epd/dpa/dw