Mit dem Gang vor ein sächsisches Verwaltungsgericht folgt der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) prominenten Beispielen. Aber es gibt auch Politiker, die diesen juristischen Versuch nicht unternommen haben.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Ein Polit-Star stolpert über Kommunikation

Der CSU-Politiker stolperte 2011 über seine Plagiatsaffäre, die bis heute als prominentestes Beispiel gilt. Die Debatte darum, dass zu Guttenberg, der heute als Lobbyist tätig ist, in seiner Doktorarbeit großflächig plagiiert hatte, begann im Februar 2011. Zunächst wiegelte der Politiker ab und bezeichnete die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als „abstrus“, um dann wenige Tage später die Uni Bayreuth um die Rücknahme seines Doktorgrades zu bitten. Guttenberg wurde insbesondere seine missratene Kommunikation zum Verhängnis. Am 1. März trat er als Bundesminister der Verteidigung zurück. In dem Zusammenhang gab er auch sein Bundestagsmandat zurück.

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Annette Schavan verliert Doktortitel und tritt vor Rechtskraft als Ministerin zurück

Die CDU-Politikerin verlor im Februar 2013 ihren Doktortitel, der ihr von der Universität Düsseldorf aberkannt wurde. Schon vier Tage, nachdem die Entscheidung der Hochschule feststand, legte sie ihr damaliges Amt als Bundesbildungsministerin nieder, obwohl der Entzug des Doktorgrades noch nicht rechtskräftig war. Denn wie jetzt der thüringische Ministerpräsident klagte Schavan gegen die Aberkennung. Ein Jahr später, im März 2014, bestätigte das Verwaltungsgericht Düsseldorf, dass sie ihren Doktorgrad zu Recht verloren hatte.

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Franziska Giffey: Plagiatsaffäre, aber später Regierende Bürgermeisterin

Sie trat noch im Mai 2021 als Bundesfamilienministerin zurück. Und zwar noch bevor der Entzug ihres Doktortitels offiziell wurde. Zu dem Zeitpunkt hatte Giffey allerdings schon eine jahrelange Hängepartie um ihre Dissertation hinter sich. 2019 bestätigte etwa ein Gutachten der Freien Universität Berlin, dass sie den Titel zu Recht trage, der ihr 2021 dann aberkannt wurde. Die SPD-Politikerin verzichtete auf Rechtsmittel gegen die Aberkennung. Im Dezember desselben Jahres wurde sie dennoch zur Regierenden Bürgermeisterin von Berlin gewählt.

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Silvana Koch-Mehrin: erfolglose Klage einer FDP-Politikerin

Sie trat im Mai 2011 als Bundestagsvizepräsidentin im Zuge der Debatte um ihren Doktortitel zurück. Der wurde ihr um Juni 2011 schließlich entzogen. Dagegen klagte die FDP-Politikerin erfolglos.

Aktuelle Nachrichten aus Thüringen

Andreas Scheuer: Doktor zu Unrecht im Wahlkampf geführt

2004 erlangte der frühere Bundesverkehrsminister den sogenannten „kleinen Doktorgrad“ an der Universität in Prag und führte ihn unter anderem im Wahlkampf 2005 bundesweit. Das allerdings war nicht rechtens, sondern nur in den Ländern Bayern und Berlin erlaubt. Scheuer verzichtete 2014 darauf, den „Dr.“ vor seinen Namen zu schreiben, nachdem gegen ihn Plagiatsvorwürfe erhoben wurden. Nachdem eine Prüfung erbrachte, dass die Vorwürfe zu Unrecht erhoben worden waren, verwendete Scheuer den Titel dennoch weiterhin nicht.