Das Cinemaxx-Kino 19 am Potsdamer Platz in Berlin ist voll gefüllt. Es hat aber nur 20 Sessel und auf fast jedem Platz sitzt ein Journalist. Pressevorführungen vor dem Start von „Melania“ gab es nicht. Der Start in den USA verlief schwach. In Großbritannien noch schlechter. Leere Kinosäle am Premierenwochenende. Das hätte Warnung genug sein müssen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Film begleitet Melania Trump, First Lady der USA, in den zwanzig Tagen vor der zweiten Amtseinführung ihres Ehemanns Donald Trump im Januar 2025. So weit, so bekannt. Der Film hat nichts Neues zu erzählen, trotz der großen und zu großen Nähe zu Melania und Donald Trump. Die USA sind unterdessen unter ihrem Präsidenten zu einem anderen Land geworden. Nach den tödlichen Schüssen von ICE-Beamten auf Demonstranten kann es eigentlich keinen schlechteren Zeitpunkt für eine kritikfreie Hommage an Melania Trump geben, als jetzt.
Trump-Doku „Melania“ ist ein gigantisch aufgeblasenes Garnichts
Die Doku zeigt Melania bei der Anprobe von Kostümen. Das blau-weiße Kleid mit der breiten Hutkrempe. Melania, wie sie eine pompöse Tischdeko abnickt. Melania, die Billy Jean in der Staatskarosse singt. Melania, die eine israelische Ex-Geisel in den Arm nimmt. Melania im Privatflugzeug, Melania in High Heels. Zeremonien der Macht werden brav abgefilmt, eine pompöser als die andere. Amerikanische Politikinszenierung als eine Art des Showbusiness.
Ich will mein Leben den Menschen zeigen.
Melania Trump, First Lady der USA
„Melania“, das ist die Inszenierung einer Inszenierung. Ein gigantisch aufgeblasenes Garnichts. Alles bleibt schön an der gold-weißen Oberfläche. Die Handlung ist bekannt, die zweite Amtseinführung Trumps mehr als ein Jahr her. Spannungsbogen? Konflikte gar? Fehlanzeige! Die vermeintliche Doku über die Frau des Präsidenten ist missraten, oberflächlich und langweilig.

„Melania“-Doku: Nach 40 Minuten hat man eigentlich genug
„Ich will mein Leben den Menschen zeigen“, sagt die Protagonistin am Anfang. Aber warum sollte man sich das über 100 Minuten lang ansehen? Nach 40 Minuten hat man eigentlich genug, denn die Doku verpasst ganz offensichtlich die eigentliche Story. Spannend wäre der Weg eines Models aus Slowenien (Ex-Jugoslawien) bis ins Weiße Haus gewesen. Doch Melanias Vergangenheit wird nur ganz dezent angedeutet: der Tod ihrer Mutter 2023, der alles filmende Vater, eine harte Konkurrenz zum Profi-Filmteam.
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Melania erzählt später im Off, dass alles neu sei für sie, sie ihr Leben komplett neu organisieren müsse. Dabei ist es die zweite Amtszeit Donald Trumps, eine Rückkehr ins Weiße Haus, das Joe und Jill Biden zuvor räumen müssen. Der Film fällt prompt auf diese kleine Lüge herein. Unfreiwillig komisch wird es, wenn Donald Trump seine Frau anruft und mit seinem Wahlergebnis angibt. Er spricht im Film mit seiner Frau ausschließlich in Superlativen. Und spielt die heimliche Hauptrolle und zieht die ganze Aufmerksamkeit sofort auf sich.

Technische Fehler und Musik, die nicht zur Stimmung passt
Ärgerlich sind die technischen Fehler des Films am Rande, das ungewollte Wackeln einer Handkamera, die falschen Übersetzungen in den deutschen Untertiteln und Musik, die absolut nicht zu der Stimmung der schönen Bilder passt. Der Beginn des Boleros vor Ravel, wo es absolut keine Spannung gibt. Und danach die schier endlosen Erklärungen als Texttafeln, nach der sehnsüchtig erwarteten letzten Einstellung, was Melania inzwischen noch alles geleistet hat. Ein weiterer Fremdscham-Moment.
Fazit: Das ist definitiv der schlechteste Film des Jahres, er ist kaum noch zu unterbieten. Und wir haben erst Ende Januar. Das US-Magazin „Variety“ lästerte zu Recht: „Wenn dieser Film in einem Flugzeug gezeigt würde, würden die Leute trotzdem rausgehen.“ Die Journalisten im Kino 19 des Cinemaxx bleiben alle brav sitzen, bis zum Schluss, das ist schließlich ihr Job.
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Melania hat sich mit dem Film selbst in Szene gesetzt, für 28 Millionen Dollar
Melania Trump wird offiziell als Produzentin des Films genannt. Sie hat sich damit also quasi selbst in Szene gesetzt. Und keine ihrer zahlreichen Beraterinnen hat es ihr ausgeredet. Als weiterer Produzent taucht Marc Beckman auf, Melanias rechte Hand. Auch der Regisseur Brett Ratner soll von ihr persönlich ausgewählt worden sein. Keine gute Entscheidung, er hätte ablehnen können. Ratner hat früher einmal Blockbuster gedreht („X-Men 3“, „Rush Hour 3“). Melania ist sein erster Dokumentarfilm.
Wie viel die Produktion der Präsidenten-Gattinnen-Doku genau gekostet hat, ist nicht bekannt. Amazon soll für die Rechte gigantische 40 Millionen Dollar gezahlt haben. Das wäre für eine Doku ein neuer Rekord. Von den 40 Millionen gehen über die Hälfte (28 Millionen Dollar) an Melania Trump. Aber wofür nur?
News aus den USA
Amazon steckt 35 Millionen Dollar in die Vermarktung, es wird nicht viel helfen
Amazon soll weitere 35 Millionen Dollar in die Vermarktung des Films gesteckt haben. Es wird ihm nicht viel helfen. Eine Melania-Miniserie mit drei Folgen soll bei Amazon in Vorbereitung sein. Fragt man nach dem Grund, lautet die Antwort immer gleich: „Wir haben die Lizenz für den Film aus einem einzigen Grund erworben – weil wir glauben, dass die Kunden ihn lieben werden“, teilt Amazon mit. Das darf bezweifelt werden. Will man sich mit der verunglückten, megateuren PR-Doku die Gunst Donald Trumps erkaufen? Der Verdacht liegt, nachdem man den Film zu Ende gesehen hat, zumindest sehr nah.
Melania – Zwanzig Tage, um Geschichte zu schreiben, Deutschland-Start 30. Januar 2025, Amazon MGM, 104 Minuten.









