
Millionen von Akten über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wurden vom US-Justizministerium veröffentlicht. Dazu gehören E-Mails, Gerichtsdokumente, Ermittlungsunterlagen, ärztliche Gutachten und sogar pornografisches Material. Die größte Offenlegung durch die Regierung seit der Verabschiedung eines Gesetzes Mitte Dezember, das die Freigabe der Dokumente vorschreibt, deutet darauf hin, dass viele Prominente aus Wirtschaft, Politik und Königshäusern mit dem Finanzmanager noch lange nach dessen Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen 2008 enge, freundschaftliche Kontakte pflegten. Epstein beging 2019 laut US-Ermittlern in einer Gefängniszelle in New York Suizid, während er auf seinen Prozess wegen neuer Vorwürfe des Kindesmissbrauchs wartete. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe wegen Kinderhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung. Die wichtigsten Aspekte und Personen auf einen Blick:

Was wurde veröffentlicht?
Gemäß Gesetzeslage war das Justizministerium (DOJ) seit Mitte Dezember in Verzug mit der Herausgabe aller Epstein-Akten. Was jetzt unter der Internet-Adresse „justice.gov/Epstein“ veröffentlicht wurde, ist mit drei Millionen Seiten Dokumenten, über 180.000 Fotos und mehr als 2000 Videos aber immer noch nicht alles. Laut DOJ fallen rund 200.000 Dokumente weiter unter Geheimhaltungsvorschriften. Das Ministerium betont, dass das Weiße Haus „nichts mit der Überprüfung der Akten zu tun hatte”. Prominente Namen seien nicht geschwärzt worden, Opfer des sexuellen Missbrauchs und ihre Familien dagegen schon.
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Donald Trump:
Der amtierende Präsident, der vor über 20 Jahren eng mit Epstein befreundet war, wird laut Medienauswertungen über 4500 Mal in den Dokumenten erwähnt. Ein sechsseitiges Dokument, das FBI-Spezialisten im Sommer 2025 zusammenstellten, zog die größte Aufmerksamkeit auf sich. Darin werden massive, grausame Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch Trump und Epstein geschildert („Ich war 13 Jahre alt, als Donald J. Trump mich vergewaltigte”). An keiner Stelle wird deutlich, ob die Ermittler die Spuren restlos ausermittelt haben. Trump bestreitet strafrechtlich relevantes Fehlverhalten. Das Justizministerium liefert Flankenschutz: „Einige der Dokumente enthalten unwahre und sensationslüsterne Behauptungen gegen Präsident Trump … Um es klar zu sagen: Die Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wenn sie auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit hätten, wären sie sicherlich bereits gegen Präsident Trump als Waffe eingesetzt worden.“

Bill Gates:
Der Microsoft-Mitgründer taucht in E-Mails auf, die Epstein im Sommer 2013 an sich selbst geschickt hat. Darin heißt es, Gates habe versucht, eine sexuell übertragbare Krankheit vor seiner (inzwischen geschiedenen) Frau Melinda zu verbergen, nachdem er Sex mit „russischen Mädchen” gehabt habe. Epstein will Gates hierfür Antibiotika besorgt haben. Die Gates-Stiftung wies die Behauptungen „von einem erwiesenen, verärgerten Lügner” als „absolut absurd und völlig falsch” zurück.
Elon Musk:
Der reichste Mann der Welt schrieb im Herbst in sozialen Medien, dass Epstein „versucht hat, mich auf seine Insel zu locken, und ich habe abgelehnt”. Die jetzt veröffentlichten Dokumente deuten jedoch darauf hin, dass Elon Musk einmal höchst daran interessiert war, das Karibik-Eiland zu besuchen, auf dem Epstein über Jahre junge Frauen missbrauchte. „An welchem Tag/in welcher Nacht findet die wildeste Party auf Ihrer Insel statt?“, fragte Musk Epstein im November 2012 per E-Mail. Am Wochenende versuchte Musk, das zu relativieren. „Ich hatte nur sehr wenig Kontakt zu Epstein und lehnte wiederholte Einladungen ab, auf seine Insel zu kommen oder mit seinem ‚Lolita Express‘ zu fliegen, war mir aber bewusst, dass einige E-Mail-Korrespondenzen mit ihm falsch interpretiert und von Kritikern genutzt werden könnten, um meinen Namen zu beschmutzen.“ Entscheidend sei nicht die Veröffentlichung der Akten, sondern vielmehr die Strafverfolgung derjenigen, die mit Epstein „abscheuliche Verbrechen“ begangen haben.
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Ex-Prinz Andrew:
Der ehemalige britische Prinz Andrew, heute nach Titelaberkennung nur noch Andrew Mountbatten-Windsor, taucht auf Fotos auf, wie er sich auf allen Vieren über eine junge Frau mit geschwärztem Gesicht beugt und eine Hand auf ihren Bauch legt. Ein E-Mail-Austausch deutet darauf hin, dass sich Andrew 2010 von Epstein in London eine 26-jährige Russin zuführen ließ. Mountbatten-Windsor hat jegliches Fehlverhalten im Epstein-Skandal bestritten.
Howard Lutnick:
Trumps Handelsminister ging 2025 mit einem viel beachteten Podcast in die Öffentlichkeit. Darin beschrieb er, dass er bei einem Besuch in Epsteins Villa in Manhattan Mitte der 2000er Jahre derart angewidert gewesen sei, dass er beschloss, „nie wieder mit diesem ekelhaften Menschen in einem Raum zu sein“. Die Realität sah anders aus. 2012 schickte der frühere Geschäftsführer des Finanzinvestors Cantor Fitzgerald eine E-Mail an Epstein, um kurz vor Weihnachten einen Besuch mit seiner Frau und seinen Kindern auf Epsteins Privatinsel einzustielen. Ein Assistent von Epstein leitete später eine Nachricht von Epstein an Lutnick weiter: „Schön, Sie zu sehen“, hieß es darin. Lutnick behauptete am Wochenende: „Ich habe keine Zeit mit ihm verbracht.“

Richard Branson:
Ein E-Mail-Austausch mit dem britischen Milliardär und Virgin-Airlines-Gründer aus 2013 deutet darauf hin, dass auch er eine vertraute Beziehung zu Epstein hatte. „Es war wirklich schön, Sie gestern zu sehen“, schrieb Branson damals und fügte hinzu: „Wann immer Sie in der Gegend sind, würde ich Sie gerne sehen. Solange Sie Ihren Harem mitbringen!“ Jetzt erklärte ein Sprecher. „Richard hält Epsteins Handlungen für abscheulich und unterstützt das Recht seiner vielen Opfer auf Gerechtigkeit.“

Prinzessin Mette-Marit von Norwegen:
Über 1000 Mal kommt die Royale aus Skandinavien in den Epstein-Akten vor. Das Verhältnis zu Epstein schien vertraut gewesen zu sein. Man tauschte Geburtstags- und Weihnachtsgrüße aus. Einmal schrieb sie: „Du bringst mich zum Lächeln.“ Man traf sich in der Karibik und in New York. Wie die Beziehung zustande kam, ist unklar.
Peter Thiel:
Der milliardenschwere Risikokapitalgeber Peter Thiel schrieb 2025 in einem Zeitungskommentar, dass die Wiederwahl von Trump bedeuten würde, dass streng gehütete Regierungsgeheimnisse über den Tod von Epstein ans Licht kommen würden. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass eine von Thiel mitbegründete Investmentfirma 40 Millionen Dollar von Epstein angenommen hatte und Epstein und Thiel bis zu Epsteins Tod 2019 fünf Jahre lang regelmäßig miteinander korrespondierten.
Wer noch?
Der milliardenschwere Miteigentümer des Football-Teams New York Giants Steve Tisch lernte durch den Sexstraftäter junge Frauen kennen, über die er wissen wollte, ob sie Prostituierte sind oder nicht. In einer Erklärung sagte Tisch: „Wie wir alle inzwischen wissen, war er ein schrecklicher Mensch, und ich bedauere zutiefst, mit ihm in Verbindung gestanden zu haben.” Sergey Brin, Mitbegründer von Google, besuchte Epsteins Privatinsel in der Nähe von St. Thomas, plante ein Abendessen in Epsteins Haus in New York und korrespondierte mit Ghislaine Maxwell, Epsteins ehemaliger Lebensgefährtin und verurteilter Mitverschwörerin.





