Die eisige Kälte hat weite Teile Deutschlands und Europas weiterhin im Griff. Wer kann, bleibt in den betroffenen Gebieten zu Hause im Warmen. Niemand muss sich Sorgen machen, dass Häuser und Wohnungen nicht beheizt werden könnten, weil das Gas knapp wird.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das war vor drei Jahren ganz anders: Damals, im ersten Winter nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, war überhaupt nicht klar, ob Deutschland ohne Probleme durch die kalte Jahreszeit kommen würde. Russland war als Energielieferant diskreditiert und die Kapazitäten für die Anlandung von verflüssigtem Erdgas (LNG) noch nicht so stark ausgebaut wie heute. Politiker und Verbraucher blickten regelmäßig auf die Füllstände der Gasspeicher. Und die Bürger waren zum Energiesparen angehalten – sie sollten nach Möglichkeit nur kurz duschen und daheim einen Pullover mehr anziehen.

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Die Lage hat sich deutlich entspannt. Und das, obwohl die Speicher heute viel weniger gefüllt sind als damals. Deutschland und Europa beziehen ihr Erdgas inzwischen von einer Vielzahl von Lieferanten – insbesondere auch aus den Vereinigten Staaten. Das mindert die Bedeutung der Reserven. Fachleute befürchten allerdings, dass dies auf längere Sicht zu Problemen führen könnte. So erscheint denkbar, dass in Zukunft US-Präsident Donald Trump oder seine Nachfolger Erdgas als politische Waffe gegenüber Europa einsetzen könnten, so wie es in der Vergangenheit Russlands Machthaber Wladimir Putin tat.

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EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sagte unlängst, die jüngste Krise zwischen Europa und den USA in Bezug auf Grönland sei ein „Weckruf“ gewesen. „In Gesprächen mit Energieministern und Staatslenkern in ganz Europa ist die Sorge zu hören, dass wir Gefahr laufen, eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen. Ich teile das“, sagte der Däne. Wir erläutern, wie sicher die Gasversorgung in Deutschland derzeit tatsächlich ist – und wie groß die Risiken in Zukunft sein könnten.

Welche Füllstände haben die Speicher in Deutschland?

Die deutschen Gasspeicher sind zu Beginn des Februars zu rund 32 Prozent gefüllt. Damit liegen sie deutlich unter dem Niveau Minimum der Jahre 2018 bis 2021 für diesen Zeitpunkt des Jahres. Der Branchenverband Ines (Initiative Energien Speichern) geht davon aus, dass bei normalen Temperaturen die Füllstände um weitere rund 20 Prozentpunkte zurückgehen. Nach Angaben von Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann könnte Deutschland damit Ende März bei unter 14 Prozent stehen – das wäre laut Heinermann der niedrigste Speicherstand, „der jemals für Deutschland aufgezeichnet worden ist“. Nach offiziellen Vorgaben müssen die Speicher zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein, zum 1. Februar noch zu mindestens 30 Prozent.

President Trump Visits Scotland 2025
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump Ende Juli 2025 in Schottland. Im Rahmen des Zolldeals sagte die Europäische Union damals zu, in Zukunft noch mehr Energie in den USA zu kaufen.© picture alliance / ZUMAPRESS.com | White House

Sind die niedrigen Speicherstände Anlass zur Sorge?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht keinen Anlass zur Beunruhigung. Man beobachte die Lage täglich, sagte sie am Sonntag. „Sorgen sind nicht angebracht.“ Auch Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, hält die Lage für stabil. Er verweist auf die LNG-Terminals an der Küste, die derzeit noch nicht ausgelastet sind und über die zusätzliches Gas importiert werden kann. Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen, zeigt sich dagegen „besorgt“. Claudia Kemfert, Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), rät zur Vorsicht. „Die Versorgung ist aktuell gesichert, aber die niedrigen Füllstände sind ein klares Warnsignal“, sagt sie. Der Puffer sei kleiner als in früheren Jahren, „und das erhöht die Anfälligkeit für Kälteperioden und Preissprünge“.

Woher beziehen wir aktuell Gas?

Seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine hat sich Europa weitgehend unabhängig von russischem Pipeline-Gas machen können. Damals war der russische Staatskonzern Gazprom noch die wichtigste Bezugsquelle, insbesondere für Deutschland. Europa deckte damals mehr als 40 Prozent seines Gasbedarfs mit russischem Gas, heute sind es nur noch knapp über 10 Prozent. Spätestens Ende 2027 soll damit ganz Schluss sein. Die wichtigsten Lieferanten sind inzwischen Norwegen und die USA. Auch Algerien spielt eine bedeutende Rolle.

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Vor allem die LNG-Lieferungen aus den Vereinigten Staaten nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu: Sie erreichten im vierten Quartal 2025 ein Volumen von fast 22 Milliarden Kubikmetern – mehr als dreieinhalbmal so viel wie unmittelbar vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine. Auf die USA entfallen inzwischen fast 30 Prozent aller europäischen Gas-Importe, beim Flüssiggas waren es zuletzt sogar fast 60 Prozent.

Geraten wir in eine neue Abhängigkeit?

Die Gefahr scheint zu bestehen – zumal die Europäische Union US-Präsident Trump zugesagt hat, den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren noch viel mehr Energie abzukaufen als bisher. Diese Zusage ist Teil des umstrittenen Zolldeals, auf den sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im vergangenen Sommer verständigt hatten.

Die Energieexpertin Ugne Keliauskaite von der Brüsseler Denkfabrik Bruegel sagte dieser Redaktion, die Abhängigkeit Europas von amerikanischem Flüssiggas sei anderer Natur als die einstige Abhängigkeit von russischem Gas. „In den Vereinigten Staaten kauft Europa von privaten Lieferanten, auf die die Regierung nur geringen Einfluss hat. In Russland hingegen hatte der Staat einen großen Einfluss darauf, ob das Gas fließt.“ Gleichwohl sei die Menge der US-Lieferungen von Bedeutung. „Das stellt kein unmittelbares Risiko dar. Gleichwohl sollten politische Entscheidungsträger das im Blick haben.“

Was sagen Experten?

Sollte sich US-Präsident Donald Trump entscheiden, LNG-Exporte in die Europäische Union zu stoppen, hätte das kurzfristige Auswirkungen auf den Handel mit Flüssiggas, sagt Bruegel-Expertin Keliauskaite. „Es käme dann zu einer Neusortierung des globalen LNG-Handels“, sagt sie. Nach Europa könnte dann mehr Gas aus anderen Quellen kommen, etwa aus Katar. Keliauskaite weist allerdings auch daraufhin, dass die USA daran im Moment kein Interesse haben. China nimmt seit dem Handelsstreit im vergangen Jahr praktisch kein US-LNG mehr ab, die amerikanischen Exporteure brauchen daher den europäischen Markt.

Selbst wenn es soweit kommen sollte, wäre ein Versorgungsengpass unwahrscheinlich, sagt DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert, „ein deutlicher Preisschock aber sehr realistisch.“

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Was heißt das für Verbraucher?

Am Terminkontrakt TTF an der Amsterdamer Börse sind die Preise für Gas im Januar deutlich angestiegen, doch private Verbraucherinnen und Verbraucher merken davon bislang nichts. Die Gaspreise für Neukunden liegen derzeit auf dem Niveau des Herbstes 2021. Angesichts der niedrigen Speicherstände sollten Verbraucher allerdings die Heizung runterdrehen, wenn es möglich ist, sagt DIW-Expertin Kemfert. „Es ist sinnvoll, den Gasverbrauch weiter zu senken“, sagt sie. „Wer kann, sollte auch über einen Wechsel der Gasheizung nachdenken, denn jede neue Wärmepumpe reduziert dauerhaft Kosten, Abhängigkeiten und Krisenrisiken.“