„Die Hamas vollständig zu besiegen“: Das war das deklarierte Ziel der israelischen Armee im Gazakrieg. Nach zwei Jahren Krieg und fast vier Monaten höchst instabiler Waffenruhe zeigt sich: Die Hamas sitzt in Gaza nach wie vor fest im Sattel.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In jener Gebietshälfte von Gaza, aus der sich Israels Armee zurückgezogen hat, ist die Hamas weiterhin die unangefochtene Führung. Da sich dort mehr als 95 Prozent der Bewohner von Gaza aufhalten, kann man von einer absoluten Macht der Hamas über die gazanische Bevölkerung sprechen. Ihre Sicherheitskräfte kontrollieren die Straßen, und wer der Kollaboration mit Israel verdächtigt wird, wird verfolgt, gefoltert oder auch sofort hingerichtet. Unternehmer, die auf mühevollem Weg Waren aus Israel importieren, müssen oft hohe Einfuhrzölle an die Hamas zahlen.

Israel und die USA schaffen es nicht, die Hamas zu entwaffnen

Die Terrorgruppe macht auch den internationalen Kräften klar, dass an ihr in Gaza kein Weg vorbeiführt. Zwar wird die von US-Präsident Donald Trump ernannte zwölfköpfige Technokratenregierung, die aus palästinensischen Politikern besteht, auch von der Hamas anerkannt. Ihre Waffen will sie jedoch nicht abgeben. Israelische Experten befürchten daher, dass in Gaza ein ähnliches Schicksal droht wie im Libanon: Dort hatte sich die Hisbollah den Status einer Schattenregierung erarbeitet. Gegen die Miliz sind die Regierung und die offizielle libanesische Armee machtlos.

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Anders als im Libanon gibt es in Gaza nicht einmal eine offizielle Armee: Dort, wo sich keine israelischen Truppen befinden, hat die Hamas das Gewaltmonopol – und niemand kann es ihr streitig machen. Kritiker in Israel werfen der Regierung vor, den richtigen Zeitpunkt verpasst zu haben. So sieht etwa der Militärexperte Michael Milshtein ein Versäumnis darin, dass die israelische Führung nicht schon während des Kriegs Strategien für eine neue Führung in Gaza entworfen hat.

Nahostkonflikt - Gaza
Ein Foto von Anfang Januar 2026: Hamas-Kämpfer suchen nach den Überresten einer israelischen Geisel im Zeitoun-Viertel von Gaza-Stadt. © Abdel Kareem Hana/AP/dpa | Abdel Kareem Hana

Der frühere US-Präsident Joe Biden hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wiederholt darauf gedrängt, solche Pläne vorzulegen, allerdings ohne Erfolg. Bidens Nachfolger Donald Trump ging seinen eigenen Weg: Er legte Israel und der Hamas seinen 20-Punkte-Plan für Gaza vor und ließ die beiden Kriegsparteien unterschreiben. So kam es zur Waffenruhe und zur Rückkehr der letzten Geiseln. Brachte Trumps Plan aber auch eine Lösung für das Hamas-Dilemma?

Die Hamas-Kämpfer lagern die Waffen in unterirdischen Bunkern

Ein zentrales Problem war in Trumps Plan von Anfang an eingebaut. „Die Hamas hat versprochen, ihre Waffen abzugeben“, so versicherte Trump wiederholt. Auch in Israel geht man davon aus, dass die Terrorgruppe sich bereit erklärt hat, die Waffen niederzulegen. Die Terrorgruppe bestreitet dies aber.

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Die Hamas habe niemals ihrer Entwaffnung zugestimmt, erklärte der hochrangige Hamas-Funktionär Moussa Abu Marzouk „Wir haben die Waffen noch nicht besprochen“, sagte Abu Marzouk im Interview mit dem katarischen Sender Al Jazeera. Und der Hamas-Führer stellte eine provokante Frage in Richtung Israel: „Wenn die Hamas in zwei Kriegsjahren nicht entwaffnet wurde, wie soll das dann durch Verhandlungen erreicht werden?“ Was Abu Marzouk nicht sagte: Nach den anhaltenden Luftschlägen und Artillerieangriffen ist die Hamas stark geschwächt. Die Zahl der Kämpfer wird in Israel auf maximal 20.000 geschätzt. Das Raketenarsenal wurde demnach großteils eliminiert.

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Was der Hamas noch bleibt, sind Mörsergranaten, Gewehre und Sprengfallen. Gelagert werden diese Waffen in unterirdischen Bunkern. Laut israelischen Einschätzungen ist rund die Hälfte des Tunnelsystems der Hamas noch intakt. Mit jedem weiteren Tag, der verstreicht, baue die Hamas ihre Kontrolle weiter aus, beklagen israelische Militärs. Das mache es schwieriger, eine tragfähige Alternative aufzubauen.

In einem Bericht der Armee an die Regierung unter Netanjahu, der dem Nachrichtensender Kanal 13 vorliegt, wird diese Sorge deutlich. „Etwa drei Monate nach dem Waffenstillstandsabkommen im Gazastreifen ist eindeutig erkennbar, dass die Hamas trotz der Schwierigkeiten ihre Herrschaft weiter festigt und sich auf die nächste Phase des Abkommens vorbereitet – ein Anstieg ist bei allen Indikatoren der Hamas-Führung festzustellen“, heißt es in dem Bericht laut Kanal 13.

In Israel rufen einige nach einer neuen Militär-Offensive gegen die Hamas

„Die Hamas unternimmt vor Ort Schritte, um ihren Einfluss und ihre Kontrolle über den Gazastreifen von unten zu sichern. Dies geschieht durch die Integration ihrer Aktivisten in Regierungsministerien und Sicherheitsapparate“, heißt es weiter.

In Israel gibt es daher laute Stimmen für eine neuerliche militärische Offensive gegen die Hamas in Gaza. Netanjahu hat angedeutet, dass er dafür offen wäre. „Wie ich Präsident Trump bereits mitgeteilt habe (… ) gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder es geschieht auf dem einfachen Weg oder auf dem schwierigen, aber in jedem Fall wird es passieren“.

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Es ist Trump, der sich gegen eine solche neue Offensive stellt. Er will eine Lösung der Gazafrage als sein persönliches Verdienst verstanden wissen. Ein neues Aufflammen des Kriegs soll daher vermieden werden. Trumps Plan sieht vor, dass eine internationale Truppe in den von der Hamas kontrollierten Gebieten für Ordnung sorgt. Diese Truppe lässt jedoch auf sich warten: Es fehlt an ausreichend Staaten, die bereit sind, sich daran zu beteiligen.

Indes formiert sich die Hamas in Gaza erneut und wirbt für neue Kämpfer – und niemand hindert sie daran.