Bald können nahe Angehörige oder Freunde einen Teil der Fahrausbildung von Führerscheinbewerbern übernehmen. Das sehen die Eckpunkte für die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) geplanten Führerscheinreform vor. Zunächst ist das begleitete Fahren zeitlich auf fünf Jahre begrenzt möglich. Danach sollen die Erfahrungen damit ausgewertet werden.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Das Modell entspricht dem Vorbild Österreichs und ist nur für den Führerschein B vorgesehen. Laienausbilder können besonders nahestehende Personen werden, also nicht nur die Eltern oder ältere Geschwister. Sie müssen aber einige Voraussetzungen mitbringen. Die Laienausbilder müssen den Führerschein B seit mindestens sieben Jahren haben und dürfen in den vergangenen drei Jahren nicht mit dem Entzug ihrer Fahrerlaubnis bestraft worden sein. Auch darf in der Flensburger Verkehrssünderkartei maximal ein Punkt verzeichnet sein.
Auch interessant
Führerschein-Reform: Freunde und Familie sollen ausbilden dürfen
Die Laienausbildung sieht eine Fahrleistung von 1000 Kilometern vor. Vorher und nachher müssen Bewerber je sechs praktische Fahrstunden in ihrer Fahrschule absolvieren. Während des begleiteten Fahrens wird die Kennzeichnung des Fahrzeugs mit einer blauen Tafel mit weißer Aufschrift “L“ und einer weitere Tafel mit der Aufschrift „Übungsfahrt“ vorgeschrieben. Ob es dazu kommt, hängt auch maßgeblich von den Bundesländern ab. Das Verkehrsministerium (BMV) bevorzugt eine bundeseinheitliche Regelung. Aber denkbar ist auch, dass sich ein Bundesland nicht beteiligen will.
Rund um das Thema Mobilität
Die Laienausbildung ist eine der Neuerungen, die den Führerschein preiswerter machen soll. Dazu kommen eine ganze Reihe weiterer Änderungen, mit denen die Ausbildung digitaler, weniger bürokratisch und auch einfacher werden soll.
Fahrschulen dürfen Theorie künftig flexibel gestalten
So wird den Fahrschulen künftig nicht mehr vorgeschrieben, in welchem Format sie den Theorieunterricht abhalten. Das kann sowohl als Präsenzunterricht als auch mit digitalen Medien erfolgen. Das gilt für alle Fahrzeugklassen. Ebenso entfallen Vorgaben für die Unterrichtsräume sowie die Lehr- und Lernmittel. „Über Jahrzehnte wurde ein komplexes Regelungsgebilde aufgebaut“, sagt Schnieder. So ist etwa die Quadratmeterzahl pro Schüler im Unterrichtsraum ebenso festgelegt wie das Volumen der Raumluft oder die Größe der Schreibunterlage. „Das ist bürokratischer Irrsinn“, findet der Minister und will viele Regelungen streichen.

Entlastung gibt es auch für die Fahrschülerinnen und Fahrschüler. Der Katalog für die theoretische Prüfung wird von derzeit 1169 auf nur noch 840 Fragen reduziert. Auch wird es nach den Plänen weniger verpflichtende Sonderfahrten nachts, auf Autobahnen oder im Überlandverkehr geben. Statt aktuell zwölf Fahrten sollen bald drei genügen. Auch können die Fahrschulen verstärkt auf Fahrsimulatoren einsetzen, etwa um das Fahren mit einem Schaltgetriebe zu üben.
Keiner unserer Vorschläge geht zulasten der Verkehrssicherheit
Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister
Führerschein-Reform soll Kosten senken und Sicherheit erhalten
Zuletzt waren Schnieders Reformpläne in die Kritik geraten, weil potenzielle Fahrschüler ihre Ausbildung in der Hoffnung auf sinkende Preise verschoben haben. „Kritisch sind Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen bei der Fahranfängervorbereitung hinauslaufen und damit die Verkehrssicherheit gefährden“, warnt der TÜV. Der Minister weist diesen Vorwurf zurück. „Keiner unserer Vorschläge geht zulasten der Verkehrssicherheit“, versichert Schnieder und verweist auf Nachbarländer. In Belgien, Luxemburg oder Österreich sei der Straßenverkehr trotz niedrigerer Standards nicht unsicherer.
Auch interessant
Das Hauptanliegen des BMV ist jedoch eine Kostensenkung für die Fahranfänger. „Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer“, sagt Schnieder. Durchschnittlich kostet der Pkw-Führerschein derzeit 3.400 Euro, in manchen Regionen bis zu 4.500 Euro. In Belgien ist die Fahrerlaubnis mit durchschnittlich 2000 Euro, in Luxemburg mit 1500 Euro deutlich günstiger zu erwerben. Um wie viel und wann deutsche Fahranfänger von der Reform profitieren können, lässt Schnieder noch offen. „Es wird nicht gleich billiger sein“, glaubt er. Auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März will Schnieder die Reform gemeinsam mit den Ländern festzurren. Anschließend soll das Gesetzgebungsverfahren beginnen.
Vergleichbarkeit: Fahrschulen sollen Preise offenlegen müssen
Neben der Laienausbildung und weniger verpflichtenden Sonderfahrten könnte auch mehr Transparenz der Preise von Fahrschulen mehr Wettbewerb und sinkende Preise nach sich ziehen. Künftig sollen die Fahrschulen verpflichtet werden, ihre Preise an die zentrale Datenbank des BMV zu übermitteln. Mit diesen Daten können Vergleichsportale dann einen Überblick über die Angebote erstellen. TÜV und Dekra wiederum sollen die Prüfungsstatistiken der einzelnen Fahrschulen auswerten und an die Datenbank übermitteln.
Ob mit der Reform einer der großen Kostentreiber eingedämmt wird, erscheint fraglich. Denn die Durchfallquoten bei der Fahrprüfung sind anhaltend hoch, was zusätzlich teure Fahrstunden nötig macht. Laut TÜV scheiterten im vergangenen Jahr 41 Prozent der Fahrschüler an der theoretischen Prüfung. Fast jeder dritte Prüfling musste den praktischen Teil wiederholen. Dabei bewegte sich die Zahl der Fahrausbildungen auf Rekordniveau. Über alle Fahrzeugklassen hinweg wurden gut zwei Millionen Prüfungen abgelegt.










