Angela Merkel dementierte das Gerücht sofort und in aller Härte. Die Idee, dass Merkel Bundespräsidentin werden könnte, sei „abwegig“, sagte eine Sprecherin der Altkanzlerin dem „Tagesspiegel“ auf Anfrage. Sie stünde nicht für eine Kandidatur zur Verfügung. Nicht der kleinste Zweifel sollte zurückbleiben, dass Merkel an diesem Job kein Interesse hat, nachdem die Bild-Zeitung die Idee aufgebracht hatte. Angela Merkel wird das nächste deutsche Staatsoberhaupt also nicht heißen. Aber wie dann?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gut ein Jahr, bevor die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier endet, läuft bereits die Debatte über seine Nachfolge. Voraussichtlich im Februar 2027 wird in Berlin die Bundesversammlung zusammenkommen, über den genauen Termin entscheidet Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Die Versammlung hat eine Aufgabe: den nächsten Bundespräsidenten zu wählen – oder die erste Bundespräsidentin.

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Merz, Merkel und die Frau an der Spitze
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Denn dass es gut wäre, wenn nach zwölf Männern seit 1949 zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Bundesrepublik stehen würde, darin sind sich im politischen Berlin viele einig.

„Es ist endlich Zeit für eine Frau im höchsten Amt des Staates“, findet Carmen Wegge, Vorsitzende der SPD-Frauen. Nach zwölf Männern wäre das ein starkes Signal, dass Gleichberechtigung nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Realität sei, sagte sie dieser Redaktion. „Es gibt viele tolle Frauen, die wir uns gut für dieses Amt vorstellen können“. Welche sie meint, sagt Wegge allerdings nicht.

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CSU-Frau Ilse Aigner? Könnte ausgerechnet an Söder scheitern

Sie ist mit ihrem Wunsch nicht allein. Es sei „schon sehr verwunderlich“, dass in all den Jahren noch keine Frau das Amt innehatte, sagte Klöckner vor einigen Tagen. „Es kann ja nicht an der Kompetenz und Intelligenz und Verfügbarkeit liegen, wenn die Hälfte unserer Gesellschaft aus Frauen besteht.“ Britta Haßelmann, Co-Fraktionschefin der Grünen, sagte dieser Redaktion, sie sei schon lange überzeugt, „die Zeit ist reif für eine Frau als Bundespräsidentin“. Und auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat in der Vergangenheit zu Protokoll gegeben, er könne sich das „sehr gut vorstellen“.

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Eine Kandidatin ist also wahrscheinlich. Weiter eingegrenzt wird die Gruppe der infrage kommenden Personen durch die Parteizugehörigkeit: Offizielle Regelungen für ein Vorschlagsrecht gibt es zwar nicht, und als Bundespräsident oder -präsidentin gewählt werden kann laut Gesetz jeder und jede, der in Deutschland das passive Wahlrecht auch für den Bundestag besitzt. Aber: Die Union stellt die größte Fraktion im Bundestag und auch in vielen Bundesländern, eine Mehrheit ohne sie ist schwer vorstellbar. Und nach zehn Jahren, in denen mit Frank-Walter Steinmeier ein SPD-Mann in Bellevue saß, dürften CDU und CSU wieder jemand aus den eigenen Reihen als Staatsoberhaupt sehen wollen. Neben dem Parteibuch sollte Anwärterinnen auch eine gewisse Gravitas und Strahlkraft mitbringen.

Ein Name, der dabei immer wieder fällt, ist der von Ilse Aigner. Der Präsidentin des Bayerischen Landtags werden schon seit Längerem Ambitionen auf das höchste Amt im Staat unterstellt. Ex-CSU-Chef Horst Seehofer hatte die 61-Jährige schon im vergangenen Jahr als Kandidatin ins Spiel gebracht. Aigner bekundet offiziell kein Interesse, gibt sich aber auch keine Mühe, Spekulationen zu beenden. Der „Augsburger Allgemeinen“ sagte sie in der vergangenen Woche, es sei „viel zu früh, um über das Amt der Bundespräsidentin oder des Bundespräsidenten zu reden“. Doch Aigner könnte ausgerechnet an ihrem eigenen Parteichef Markus Söder scheitern, dem wenig Sympathie für eine solche Besetzung nachgesagt wird.

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Bleiben prominente Vertreterinnen der Schwesterpartei CDU. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hätte die nötige Erfahrung und bekleidet schon jetzt das protokollarisch zweithöchste Amt des Staates. Doch Klöckner scheut auch als eigentlich überparteiliche Parlamentspräsidentin polarisierende Aussagen nicht – ob etwa die SPD diese Kandidatur mittragen würde, ist fraglich.

Die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung hängen auch von den Landtagswahlen ab

Familienministerin Karin Prien trauen Parteifreunde zu, das Amt auszufüllen. Die 60-Jährige mit den jüdischen Wurzeln vertritt das eher liberale Gesicht der CDU, gilt als jemand, der auch in Milieus ausstrahlen und vermitteln kann, die den Christdemokraten sonst nicht besonders nahestehen.

Podcast "Meine schwerste Entscheidung"
#26 Karin Prien über ihre jüdischen Wurzeln - und die Gedanken an eine Flucht nach Israel
Meine schwerste Entscheidung
 

Eher schlechte Chancen werden dagegen Ursula von der Leyen eingeräumt: Die EU-Kommissionspräsidentin hätte zwar die nötige Erfahrung mit hohen Ämtern, müsste aber ihr Amt in Brüssel vorzeitig abgeben.

Und während es in der Union diejenigen gibt, die parteipolitische Erfahrung in politisch schwierigen Zeiten für eine wichtige Voraussetzung halten, gibt es andere, die darüber nachdenken, ob nicht doch eine Kandidatin ohne parteipolitische Vita besonders verbindend wirken könnte. Der Präzedenzfall dafür heißt Joachim Gauck – der Bürgerrechtler genoss als Präsident lagerübergreifend großes Ansehen.

Wer in einem Jahr in der Bundesversammlung mehrheitsfähig sein wird, hängt aber nicht nur von den kandidierenden Personen ab. Die Versammlung setzt sich aus zwei Gruppen zusammen. Zum einen allen Abgeordneten des Bundestags, zum anderen einer gleichen Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der Länder. Wen die Länder aufstellen, hängt von den Mehrheitsverhältnissen in den Landtagen ab. Und die könnten in diesem Jahr neu sortiert werden. (mit jule)