Es ist ein Dauerbrenner der verteidigungspolitischen Sonntagsreden in Europa: Die europäischen Staaten müssen bei Rüstungsvorhaben viel enger kooperieren und die Vielfalt von Waffentypen überwinden – um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, unabhängiger von den USA zu werden und wehrhafter gegen die russische Bedrohung. Doch jetzt zeigt sich, dass dieses Bekenntnis in der Praxis nicht viel wert ist: Europas größtes Rüstungsvorhaben, der deutsch-französische FCAS-Kampfjet, steht in dieser Form wohl vor dem Aus.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Politisch wäre das Scheitern von FCAS ein schwerer Rückschlag. Es zeigt, wie sehr nationale Interessen, verschiedene Industriekulturen, das Rennen um Exportgeschäfte und ein harter Wettbewerb um die üppigen Rüstungsmilliarden die Kooperationsbereitschaft aushöhlen. In diesem Fall ging es darum, wer Europas Schlüsseltechnologie im Luftkampf künftig kontrolliert – und wer am Ende bloß Zulieferer ist. Frankreich verfolgt schon länger einen stark nationalen Ansatz.

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Scheitern von FCAS: Für Wehrhaftigkeit Europas kein gutes Signal

Jetzt setzt sich in Berlin die Erkenntnis durch, dass man nicht Juniorpartner sein muss, wenn der Verteidigungshaushalt bald doppelt so hoch ist wie auf der anderen Seite. Industriepolitisch ist es verlockend, wenn Deutschland eigene Schwerpunkte setzt.

Kommentarkopf Christian Kerl
Christian Kerl, Politik-Korrespondent© ZRB | ZRB

Nicht jede Kooperation ist wirtschaftlich sinnvoll. Doch für die Wehrhaftigkeit Europas, die seit Langem unter der Vielzahl unterschiedlicher Waffentypen leidet, ist das Scheitern von FCAS kein gutes Signal: Europa wird in einigen Jahren über drei oder vier verschiedene Kampfjets der sechsten Generation verfügen. Mit den Kooperationsbekenntnissen der europäischen Regierungschefs passt das nicht zusammen.