US-Präsident Donald Trump macht bekanntlich vieles anders, als andere Staatschefs. Auch der Angriff auf den Iran ist da keine Ausnahme: Statt in geschütztem Rahmen im Weißen Haus hat der 79-Jährige sein Krisenzentrum in seinem herrschaftlichen Anwesen Mar-a-Lago in Südflorida eingerichtet. Ein Foto, das das Weiße Haus selbst im Internet veröffentlicht hat, zeigt einen Raum mit schwarzen Vorhängen vor den Fenstern, nur spärlich beleuchtet. Neben Trump sitzt unter anderem Außenminister Marco Rubio. Auf einer Staffelei ruht eine Karte, die die Ziele der sogenannten Operation „Epic Fury“, wie der Angriff auf den Iran vom Militär genannt wird, zeigt. Vieles erscheint sonderbar an diesem Anblick.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der US-Sender CNN schreibt von einem „provisorischen Lagezentrum“, das der US-Präsident sich eingerichtet habe. Und zwar während auf dem großzügigen Gelände von Trumps Privatresidenz eine Galaveranstaltung mit Gästen in Abendgarderobe stattgefunden habe. Während also in Mar-a-Lago auf der einen Seite des Grundstücks getanzt und gefeiert wurde, kamen auf der anderen die obersten Sicherheitsbeamten des Landes zusammen, um über das Vorgehen im Iran zu beraten. Trump soll die Gäste sogar noch begrüßt haben – selbst in Abendgarderobe gekleidet. Danach sei er mit den Worten „Ich muss zur Arbeit“ verschwunden, wohl um die letzten endgültigen Befehle zu erteilen.

News aus den USA

USA und Israel greifen Iran an: Chamenei unter den Toten gemeldet

Am Samstagmorgen hatten die USA gemeinsam mit Israel Ziele im Iran angegriffen. Noch am selben Tag ging die Nachricht um die Welt, dass der geistige Führer Ajatollah Ali Chamenei unter den laut iranischen Quellen Hunderten Toten ist. Inzwischen hat sich der Konflikt auch auf einige Nachbarländer des Irans ausgeweitet. So ist inzwischen auch der Libanon in das Kampfgeschehen verwickelt. In der Nacht auf Montag feuerte die dort heimische Terrororganisation Hisbollah mehrere Raketen in Richtung Israel ab. In Pakistan kam es zu Protesten mit Toten als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels.

Zum Teil kamen die Befehle für den Angriff auf den Iran wohl aus Mar-a-Lago. Der Direktor des CIA, John Ratcliffe, Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth sollen laut CNN bereits vor dem Wochenende unbemerkt dort eingetroffen sein. Im Pool plantschten die Partygäste, schlürften Drinks – während immer mehr der führenden Köpfe der USA eintrafen.

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Auf dem Foto aus dem Lagezentrum sieht man Trump leger gekleidet: keine Krawatte, eine riesige, weiße Kappe mit der Aufschrift „USA“, tief ins gebräunte Gesicht gezogen. Dieses Foto war neben einem zweiten, das den US-Präsidenten mit Stabschefin Susie Wiles im Gespräch zeigt, bis Sonntag das einzige, das offiziell aus dem Weißen Haus zum Angriff auf Iran zu vernehmen war. Kein Statement, nichts. Inzwischen gibt Trump selbst deutlich mehr Informationen preis. Etwa zur Dauer der Militär-Operation, die für vier Wochen angesetzt ist.

Geheime Operationen: Experten kritisieren Sicherheitslücken in Mar-a-Lago

Derweil wächst die Kritik an Trumps Kriegsführung aus dem Homeoffice: Sicherheitsexperten hätten sich kritisch darüber geäußert, derart heikle Operationen von dem Anwesen aus zu delegieren. Zwar sind auch die Räume auf Mar-a-Lago geschützt, doch ein mögliches Durchdringen von militärischen Plänen oder Sicherheitsgeheimnissen an zahlende Clubmitglieder kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Der Gedanke daran sorgt bei Mitarbeitern der Geheimdienste für Unbehagen. „Der Secret Service überprüft Gäste vor dem Betreten, bestimmt aber nicht, wer Zugang zum Club erhält“, erklärt dazu CNN.

Die Bedenken sind nicht unbegründet: Kurz nach Beginn seiner Amtszeit hatte Trump nach einem nordkoreanischen Raketenangriff mit dem damaligen japanischen Premierminister Shinzo Abe auf der Terrasse gesessen und Salat gegessen. Beobachtet hatten dies Gäste. Die dokumentierten das Treffen fleißig mit Fotos in den sozialen Medien. Seither gibt es strengere Fotografierregeln.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Trump steuert geheime Militäreinsätze aus Mar-a-Lago

Doch Trump nutzte sein sonniges Domizil an der Ostküste der USA weiterhin für streng geheime Operationen: Im vergangenen Jahr befand sich Trump in Mar-a-Lago, als die USA einen Luftangriff gegen die Houthi-Rebellen im Jemen begannen. Die ersten Salven verfolgte er auf Monitoren – direkt vom Golfplatz aus. Ein anderes Beispiel: Als am Weihnachtstag amerikanische Tomahawk-Raketen auf mutmaßliche ISIS-Lager in Nigeria abgefeuert wurden – Mar-a-Lago. Als sich kurz nach Neujahr in Caracas die gewagte Mission zur Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro abspielte, ebenfalls.

Zum Vergleich: Trumps Vorgänger, sei es George W. Bush, Barack Obama oder Joe Biden, hatten für Beratungen über derart sensible Ereignisse und Strategien zumeist den dafür angedachten Situation Room im Weißen Haus genutzt.

White House Situation Room
US-Präsident Barack Obama verfolgte die Tötung von Osama bin Laden seinerzeit im Weißen Haus.© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Pete Souza

Zwar schützen Scharfschützen und Sprengstoffspürhunde sowie Boote die auf einem Korallenriff gebaute Anlage Mar-a-Lago. Undurchdringbar ist sie jedoch nicht. Erst vor ein paar Tagen erschossen Agenten des US-Geheimdienstes und Polizisten des Palm Beach County einen bewaffneten Mann, der mit einer Schrotflinte und einem Benzinkanister das gesicherte Gelände des Clubs betreten hatte. Trump war zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort.