„Jetzt rechts! Nein, das andere rechts!“ Wer vor 20 Jahren eine unbekannte Strecke mit dem Auto fuhr, brauchte Nerven – und jemanden, der Karten lesen konnte. Straßenkarten, groß wie ein Bettlaken, falteten nur Profis so, dass immer der gewünschte Ausschnitt zu sehen war. Und das, ohne dass die Karte Schaden nahm. Heute sind wir auf den modernen Apps viel spezifischere Hilfestellungen gewohnt. Und wir schätzen das nicht nur beim Autofahren. Stirbt die gedruckte Karte also aus?

Digitale Geodaten ersetzen traditionelle Faltkarten

Im Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (TLBG) wurden kürzlich die großen topografischen Faltkarten im Maßstab 1:10.000 aussortiert. „Auf so einer Karte sind im ländlichen Raum in Thüringen vielleicht ein oder zwei Gemeinden zu sehen mit ganz viel Flurfläche, dementsprechend klein war hier die Auflage und die Nachfrage“, sagt Andreas Maak. Der Vermessungsingenieur hat vor fast 30 Jahren in der Vorläuferbehörde des TLBG im Außendienst begonnen und von Anfang an die Digitalisierung mit begleitet. „Kartenrisse wurden nach und nach nicht mehr gezeichnet, sondern digital erstellt. Linien, Punkte, Flächen – aus diesen drei Elementen besteht eine Karte. Alles andere sind Attribute, die der Karte zugeordnet werden, wie Eigentumsverhältnisse, Straßen, Verkehr, Nutzungsarten, Siedlungen, Industrie, Gewässer“, sagt Maak. So spaltet sich die Karte heute in viele Einzeldaten auf, die in Datenbanken vorgehalten und regelmäßig aktualisiert werden.

Geodaten erleichtern Planung und bieten neue Einblicke

Die digitale Verarbeitung erleichtert das schnelle Einbinden und Ausspielen von Geodaten. „Geodaten sind heute eine zentrale Grundlage für viele Entscheidungen – von der Bauplanung bis zum Katastrophenschutz“, sagt Uwe Köhler, Präsident des TLBG. „Unsere Aufgabe ist es, diese Daten zuverlässig bereit zu stellen.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Viele Geodaten sind auch für Bürgerinnen und Bürger interessant und können im Internet kostenlos abgerufen werden. „Der Thüringen Viewer ist das Fenster in die Geodatenwelt. In diesem Online-Portal lassen sich Karten und Geodaten des Landes und der Kommunalverwaltungen direkt im Browser aufrufen“, sagt Andreas Maak. Er arbeitet seit 2009 im Geoinformationszentrum des TLBG und ist für Kommunen, diverse Branchen und Interessierte ein Ansprechpartner für Geodaten und digitale Dienste. Man kann nach Flurstücken suchen, die Bodenrichtwerte abrufen – ein Wert, der angibt, wie viel der Boden eines Grundstücks wert ist. Neben den Geobasisdaten sind auch Geofachdaten einsehbar. So ist es möglich, sich beispielsweise aus dem Bereich Umwelt anzuzeigen zu lassen, wo die Zugvögel in Thüringen rasten.

Die digitale Welt der Geodaten und das analoge Kartenportfolio: Beides präsentiert das TLBG auf der Leipziger Buchmesse vom Donnerstag,19., bis Sonntag, 22. März, an einem Gemeinschaftsstand mit dem Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (Halle 2, Stand E110). „Rad- und Wanderkarten sind weiterhin in analoger Form gefragt, ebenso die Themenkarten, wie etwa Parks- und Gärten oder Burgen und Schlösser“, sagt Maak. „Messebesucher können diese aber nur im Online-Shop des TLBG erwerben, außer sie beteiligen sich an einem Quiz. Die äußerst beliebte Radwegekarte gibt es dann kostenlos“, so Maak, der an zwei Tagen den Buchmessesstand mit betreut.

Zentrale Digitalisierung revolutioniert Kartenerstellung

Und die aussortierte Faltkarte im Maßstab 1:10.000? Für sie wurde als Ersatz die sogenannte P10 eingeführt, also der detaillierteste amtliche Kartenmaßstab in Deutschland. Und die P10 gibt es auch in gedruckter Form, als Plot on Demand. Individuelle Kartenausschnitte werden im DIN-A0-Format auf Papier gedruckt und zwar erst dann, wenn sie bestellt werden. „Diese Karte ist mittlerweile voll automatisiert und digital abgebildet. Seit anderthalb Jahren wird alles zentral verarbeitet. Dafür liefert Thüringen genauso wie andere Bundesländer die Daten an das Bundesamt für Kartografie“, sagt Maak. Dort werden sie in ein bundesweites digitales Landschaftsmodell eingearbeitet. Das biete vor allem dann enorme Vorteile, wenn es um Karten geht, die über die Ländergrenze hinausgehen. „Früher musste das Bundesland die jeweilige Karte bauen, in dem die größte Fläche lag. Die Kartenausschnitte der Nachbarländer wurden organisiert und erst dann konnte alles zusammengesetzt werden. „Mit der zentralen und rein digitalen Produktion sind nun auch die Qualitätsunterschiede verschwunden. Die Standards sind gleich, die Farbgebung ist einheitlich“ sagt Maak. „Das ist die Zukunft der gedruckten Karte. Wir haben das auch noch für andere Maßstäbe vor.“

Antje Hellmann ist Journalistin und arbeitet im Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation.

Gemeinsamer Stand auf der Buchmesse
Das Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (TLBG) präsentiert sich bei der Leipziger Buchmesse vom Donnerstag, 19., bis Sonntag, 22. März, gemeinsam mit dem Landesamt für Geobasisinformation Sachsen in Halle 2 am Stand E110. Hier ein Foto aus dem Vorjahr.© Torsten Hoppen / TLBG | TLBG ÖA