Das Dubai Media Office, das offizielle Verlautbarungsorgan der Regierung von Dubai, versucht wirklich alles, um den Schein der Normalität aufrechtzuerhalten. Auf den Kanälen bei „X“ und Instagram werden praktisch nur Erfolgsmeldungen verkündet. Wenn doch einmal von Raketen- oder Drohnenangriffen aus dem Iran die Rede ist, dann sind es laut Media Office nur „minor incidents“, also „kleine Vorfälle“, die die Behörden unter Kontrolle haben. „No injuries have been reported“, also „keine Verletzten“, lautet der abschließende Standardsatz der Meldungen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Strategie der Regierung in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist klar: Einheimischen wie Besuchern soll der Eindruck vermittelt werden, dass das Leben in Abu Dhabi und Dubai seinen gewohnten Gang gehe, auch wenn das iranische Regime die Golfstaaten seit Beginn der Kämpfe am 28. Februar voll im Visier hat. Gerne verweist man in den Emiraten auf die teure und moderne Flugabwehr, der es auch in der Tat gelingt, über 90 Prozent der anfliegenden Drohnen und Raketen abzufangen. Ein lauter Knall und eine weiße Rauchwolke am Himmel weisen darauf hin, dass das Militär sein Handwerk versteht. Doch trotzdem bleiben Zweifel, ob das Leben in Dubai oder Abu Dhabi weiter so sicher ist vor Kriegsbeginn.

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Image der Golfstaaten hat durch den Krieg Kratzer bekommen

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert. Die Restaurants rund um den Burj Khalifa sind voll, Touristen bestaunen die Wasserspiele am Dubai Fountain und flanieren durch die gigantische Dubai Mall. Alles sicher, alles gut? Nicht wirklich. Der Dubai International Airport, eines der weltgrößten Drehkreuze für den Luftverkehr, bietet weiterhin nur einen Bruchteil der Flüge an. Zeitweise war er ganz geschlossen. Seit Beginn des Konflikts sind im gesamten Nahen Osten mehr als 40.000 Flüge gestrichen worden. Fluggesellschaften wie KLM, Lufthansa und British Airways fliegen Dubai aus Sicherheitsgründen weiterhin nicht an. Immer noch sind Tausende Urlauber in den Emiraten und in Katar gestrandet und warten auf eine Möglichkeit zur Ausreise.

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Das alles drückt auf die Stimmung. Die Glitzermetropole Dubai hat durch den Iran-Krieg Kratzer bekommen. „Das Siegel ist gebrochen“, sagt der katarische Analyst Ahmed Hilal und meint das Image der Golfstaaten als sichere Reiseziele. Ibrahim Khaled, Marketingchef der Middle East Travel Alliance, sagte dem britischen „Daily Telegraph“, dass sein Unternehmen seit Beginn des Krieges „100-prozentige Stornierungen aller zukünftigen Buchungen in die Region“ verzeichne. Auch die Beratungsfirma Oxford Economics schlägt Alarm. Sie rechnet mit elf Prozent weniger Besuchern in der Region. Dauere der Krieg zwei Monate, könnten es sogar 27 Prozent werden. Die wirtschaftlichen Einbußen würden sich auf 48 Milliarden Euro belaufen.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Viele Hotels bieten großzügige Rabatte an

Der in London ansässige Welttourismusverband (WTTC) hat ebenfalls nachgerechnet. Der Wirtschaft im Nahen Osten entgingen wegen des Einbruchs der Reisetätigkeit infolge des Iran-Kriegs aktuell Einnahmen von rund 600 Millionen US-Dollar (520 Millionen Euro) pro Tag. Die Schätzung stützt sich auf die WTTC-Prognose für den Nahen Osten für das laufende Jahr. Darin wurden vor dem Ausbruch des jüngsten Konflikts Ausgaben internationaler Besucher von rund 207 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Jegliche Unterbrechung der Reisetätigkeiten führe schnell zu bedeutenden wirtschaftlichen Folgen für die Tourismusbranche und für Unternehmen, die vor Ort auf die Ausgaben Reisender zählen.

Angriff auf den Iran - Flughafen in Dubai
Auch der International Airport von Dubai wurde schon von Drohnen angegriffen.© Altaf Qadri/AP/dpa | Altaf Qadri

Ein Blick auf Buchungsportale und auf die Webseiten großer Hotels zeigt, dass viele Ressorts bereits saftige Rabatte anbieten. Teilweise seien die Preise für Übernachtungen um bis zu 50 Prozent gefallen. Auf Facebook-Seiten wie „Dubai Expats“ werden Apartments „aufgrund der besonderen Situation“ zu Sonderkonditionen angeboten, wobei ein kleineres Luxusdomizil mit Meerblick immer noch mit 7000 Dirham (etwa 1664 Euro) monatlich zu Buche schlägt. Für Dubaier Verhältnisse gilt das aber schon als Schnäppchenpreis.

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USA und Israel greifen Iran an: Ölpreis und Nahost in Gefahr – mit Carlo Masala
Im Krisenmodus
 

Experten beruhigen: Touristen vergessen schnell

Während in Internetforen diskutiert wird, ob man weiter Urlaub in Dubai machen könne, gerade auch wegen der Rabattschlachten großer Hotels, wagen Reiseexperten einen Blick in die Zukunft und beruhigen. „Touristen haben ein kurzes Gedächtnis“, sagt Jürgen Schmude, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft gegenüber „ZDF heute“. Dauere ein Konflikt oder Krieg nicht zu lange an, entstünden dem Zielland keine größeren Nachteile. Auch Gloria Guevara vom WTTC gibt Entwarnung. Der Tourismus sei eine „sehr resiliente Branche“. Bereits binnen zweier Monate könnte sich auch in den Golfstaaten die Urlauberzahlen wieder stabilisieren, wenn die Regierungen und die Tourismusbranche vor Ort darauf hinarbeiteten, das Vertrauen der Urlauber wiederherzustellen, glaubt Guevara.

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Wenig Sorgen scheinen sich deutsche Reisende zu machen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov erklärten 54 Prozent der rund 1.750 im März befragten Erwachsenen, internationale Krisen oder Konflikte hätten derzeit keinen Einfluss auf ihre Urlaubsplanung. Allerdings achten auch 58 Prozent der Befragten stark auf die politische Stabilität an ihrem Reiseziel. Nur jeder Zehnte sieht sie als unwichtig an.