Nach dem ersten Durchgang der französischen Gemeindewahlen beansprucht die Rechtsnationale Marine Le Pen einen „immensen Sieg“ für ihren Rassemblement National (RN). In Perpignan unweit von Spanien wurde der RN-Lokalkandidat Louis Aliot mit 51 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Gute Wahlchancen für die Stichwahl in einer Woche hat die Partei auch in Toulon, einem Militärhafen an der Côte d’Azur, und in Nizza.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In einer fiebrigen Atmosphäre verlief der Wahlkampf in Marseille. Der RN-Kandidat Franck Allisio kommt dem sozialistischen Bürgermeister Benoît Payan (36,70) auf anderthalb Prozent nahe. Die Machtübernahme durch die Rechtsextremen würde Marseille, wie der Politologe Alain Duhamel befürchtet, in einen „Hexenkessel“ verwandeln.
Der viertplatzierte Kandidat der La France insoumise (LFI), Sébastien Delogu, ein vorbestrafter Ex-Taxifahrer aus den Einwanderervierteln von Nord-Marseille, ruft daher zu einer „antifaschistischen Front“ gegen den RN-Kandidaten auf. Stadtvorsteher Payan, ein moderater Sozialdemokrat, ist damit in der Klemme: Entweder verkauft er sich an LFI und deren sehr dominanten Gründer Jean-Luc Mélenchon – oder er droht die Wahl gegen den Lepenisten Allisio zu verlieren.
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In Paris liegt Emmanuel Grégoire von der Parti Socialiste (PS) mit 38,5 Prozent über 13 Punkte vor der Republikanerin Rachida Dati. Die Frage ist, ob die konservativen Républicains die Brandmauer gegen die Rechte einhalten. Sozialistenchef Olivier Faure schließt seinerseits ein landesweites Abkommen mit LFI aus, nachdem Mélenchon mit antisemitischen Wortspielen aufgefallen war.

Das Fazit scheint damit klar: Mélenchon und Le Pen sind die Sieger des ersten Gemeindewahlgangs. Sie gehen mit neuer Dynamik in die Präsidentschaftswahl von Frühjahr 2027.
Dort gelten allerdings andere Regeln. Le Pen wie auch Mélenchon schulden nach wie vor den Beweis, dass sie landesweit mindestens 50 Prozent der Stimmen ergattern können. Ihre Parteien sind nur ortsweise gut verankert – der RN in Südfrankreich, LFI immer mehr in den Vorstädten. Auf ganz Frankreich gerechnet sieht es anders aus. Der RN hat am Sonntag in Städten wie Paris, Straßburg oder Bordeaux sehr schlecht abgeschnitten. Mit solch weißen Flecken in der Wählerkarte lassen sich auch „persönlich“ ausgerichtete Präsidentschaftswahlen kaum gewinnen.
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