Das Duo, dem Donald Trump in der Iran-Frage bis zum Kriegsausbruch vor fast fünf Wochen fast blind vertraute, wirkt nach Ansicht von Regierungskritikern in Washington im Rückspiegel wie ein Musterfall für die Risiken improvisierter Außenpolitik: viel Nähe zum Präsidenten, viel Sendungsbewusstsein – aber fraglicher Sachverstand.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Steve Witkoff, der langjährige Immobilienfreund des Präsidenten, wie Trump ein Milliardär, und Jared Kushner, der Schwiegersohn des 47. US-Präsidenten, führten für Trump die letzten Gespräche mit Teheran, bevor am 27. Februar die ersten Raketen flogen.
Beide galten schon vor Kriegsbeginn als Verhandler, deren diplomatische Expertise in Zweifel gezogen wurde. Witkoff etwa, der auch im Russland/Ukraine-Krieg wie im Gaza/Israel-Konflikt an vorderster Front für Trump nach einem Deal sucht(e), musste sich mehrfach den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich nahezu wörtlich Argumentationsstränge des Kremls zu eigen gemacht hat. Der Verdacht, dass Witkoff und Kushner in der komplexen Iran-Atomfrage nicht auf Ballhöhe gewesen sein könnten, hat sich verdichtet.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Iran signalisierte womöglich in Genf Bereitschaft zu Kompromiss
Denn was der Iran bis zum 27. Februar tatsächlich in den Gesprächen in Genf signalisierte, war nach Angaben von Beteiligten deutlich flexibler, als die spätere Kriegsbegründung aus Washington glauben machen wollte. US-Medien berichteten bereits am 22. Februar unter Berufung auf hochrangige iranische Offizielle, Teheran erwäge, „die Hälfte“ seines hochangereicherten Urans ins Ausland zu schaffen und den Rest zu verdünnen – wenn die USA im Gegenzug Sanktionen lockern und dem Iran ein ziviles und engmaschig kontrolliertes Anreicherungsrecht zugestehen.
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Vier Tage später erklärte Omans Außenminister Badr Albusaidi, Chef-Vermittler zwischen den beiden Lagern, nach der Genfer Runde sogar, es habe „signifikanten Fortschritt” gegeben. In einem CBS-Interview sagte er, das Herzstück eines möglichen Deals sei „Null-Lagerhaltung“. Iran werde spaltbares Material nicht mehr anhäufen, bestehende Bestände würden auf ein neutrales Niveau verdünnt und in „irreversible“ Brennstoffe umgewandelt. Außerdem bekäme die Aufsichtsbehörde IAEA in Wien vollen Zugang.
Iran-Verhandlungen: Geheimdienst-Chefin widersprach Witkoff
Hier beginnt das eigentliche Problem von Witkoff und Kushner. Belegt ist nicht, dass ein einzelnes Missverständnis in der späteren Darstellung gegenüber Trump den Krieg ausgelöst hat. Belegt ist aber, dass die öffentliche Interpretation der Top-Amerikaner über die signalisierten Zugeständnisse Teherans viel negativer klang als jene des omanischen Vermittlers. Während Albusaidi von einem Deal „in Reichweite“ sprach, drängte Trump bereits militärisch. Steve Witkoff redete im US-Fernsehen sogar davon, Iran sei „nur noch eine Woche entfernt von Material zur Herstellung von Bomben in Industriequalität“. Eine Aussage, die die oberste Geheimdienstkoordinatorin der US-Regierung, Tulsi Gabbard, in einer Kongress-Anhörung ausdrücklich nicht bestätigte.

Dagegen unterstrich Jonathan Powell, der amtierende nationale Sicherheitsberater der britischen Regierung, gegenüber dem „Guardian”, dass er aus eigener Kenntnis das iranische Angebot in Genf für substanziell genug hielt, um weiterzuverhandeln. Zu spät. Nachdem Witkoff und Kushner an Trump das Signal gaben, der Iran wolle de facto nicht einlenken, fielen die ersten Bomben.
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Insider aus dem Kreis der Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) deuten an, dass Witkoff und Kushner die Verhandlungsofferte der Iraner „falsch gelesen” haben. Teheran habe nicht – wie von den USA verlangt – die Uran-Anreicherung komplett einstellen wollen, aber sehr wohl eine substanzielle Kombination aus Pause, mehr Transparenz und Bestandsabbau der vorhandenen 440 Kilogramm Uran angeboten.
Amerikaner glaubten an einen Bauernfänger-Trick
Diese Differenz schien bei Witkoff, der keine ausgewiesene Atom-Expertise besitzt, nicht angekommen zu sein. Mehr noch: Witkoff missverstand offenbar auch die Rolle des „Tehran Research Reactor“ (TRR) – ein Forschungsreaktor. Laut „Arms Control Association” (ACA) hielt er den dortigen 20-Prozent-Brennstoffbestand für eine Art verdeckte Waffenreserve und leitete daraus ab, Irans Vorschlag sei im Kern ein Bauernfänger-Trick, um sich insgeheim doch der Atombombe zu nähern.
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Die ACA hält diese Lesart für unprofessionell. Der IAEA seien diese Bestände bekannt gewesen; ein großer Teil liege in fertigen Brennstoffstäben vor, die weniger unmittelbar waffenrelevant sind. Und nicht in UF6, in Uranhexafluorid in Gasform. Das ist die chemische Verbindung, in die Uran für die Anreicherung umgewandelt wird. In Zentrifugen lässt sich UF6 als Gas verarbeiten, weil sich damit die Uran-Isotope U-235 und U-238 trennen lassen.
Witkoff, heißt es rückblickend in Verhandlerkreisen, habe dies offenbar nicht gewusst und das iranische Angebot darum als Täuschungsmanöver abgetan. Dazu ging der Immobilienunternehmer davon aus, dass der Iran fortgesetzt seit über 20 Jahren an der Waffenfähigkeit seines Atomprogramms gearbeitet habe – obwohl IAEA und US-Geheimdienst keine belastbare Feststellung für ein fortlaufendes, strukturiertes Waffenprogramm getroffen haben.
Der Abstand zwischen den Beschreibungen des Iran und des omanischen Vermittlers und der US-Seite ist nicht akademisch. Er ist der Abstand zwischen Krisendiplomatie und Kriegslogik. Und er legt den Verdacht nahe, dass im Trump-Lager politische Dringlichkeit, technische Komplexität und persönliche Eitelkeit zu einer toxischen Mischung wurden.











