Es ist wie so oft bei der AfD: interne Machtkämpfe, Debatten um Vetternwirtschaft, blasse Spitzenkandidaten – all das schadet ihr kaum, so scheint es. Die in Teilen rechtsextreme Partei feiert in Rheinland-Pfalz ihren nächsten Wahlerfolg: Platz 3 hinter CDU und SPD. Womöglich erzielt sie einen Rekordwert in einem westdeutschen Landtag. Darauf deuten Hochrechnungen hin. Die Radikalen manifestieren ihre Macht im Westen: Das ist die Botschaft im März 2026. Schon in Baden-Württemberg vor zwei Wochen holte die AfD einen Spitzenwert.

Die extremen Positionen vieler Politiker in der AfD wirken nicht abschreckend – die Menschen wählen die Partei aufgrund radikaler Parolen. Vor allem bisherige Nichtwähler kann die AfD an sich binden. Besonders in Städten wie Kaiserslautern und Ludwigshafen kann die Partei profitieren, dort, wo Menschen mit hoher Arbeitslosigkeit kämpfen.

Die Bundesvorsitzende der AfD, Alice Weidel, steht am Sonntagabend um 18 Uhr auf der Wahlparty. Neben ihr: der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat Jan Bollinger. Als das Ergebnis der AfD bekannt wird, bricht Jubel aus, Konfetti regnet über Weidel und Bollinger. Später wird Weidel sagen, dass die „Brandmauer-Politik“ der CDU dazu führe, dass die AfD „immer stärker“ werde.

In Rheinland-Pfalz hat der Verfassungsschutz die AfD im Visier, schreibt im aktuellen Bericht: „Sie vertritt ein Volksverständnis, das nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar ist“, heißt es dort. Der Nachrichtendienst sieht zuletzt eine Vernetzung der AfD mit der extrem rechten Szene im Südwesten, darunter auch Burschenschafter.

Die Menschen wählen die Rechtsaußen-Partei – nicht ihre Politiker

Jan Bollinger ist Chef des Landesverbands und der Fraktion. Er setzte sich in einem Machtkampf gegen seinen Vorgänger Michael Frisch durch. Dieser ist mittlerweile aus der AfD ausgetreten. Bei seiner letzten Rede im Landtag im Januar erhebt Frisch schwere Vorwürfe gegen die eigenen Leute, spricht von der „schrägen Bollinger-Truppe“ und „Intriganz“. Redet hier ein Insider – oder ein schlechter Verlierer? Fest steht: Auch gegen die rheinland-pfälzische AfD gibt es Vorwürfe der Vetternwirtschaft.

Diskussion «Allgemeine Zeitung Mainz» mit Spitzenkandidaten
Spitzenkandidat mit eher dürftigen Umfragewerten: AfD-Politiker Jan Bollinger in Rheinland-Pfalz. Dennoch feiert seine Partei einen Erfolg in dem Bundesland.© Michael Brandt/dpa | Michael Brandt

Der neue Landeschef Bollinger, Diplom-Betriebswirt und 48 Jahre alt, verschärfte den Ton der Südwest-AfD. Im Wahlkampf forderte er die Rückkehr zur Kernkraft, mehr Personal in der Polizei und Schuluniformen als Maßnahme in der Bildungspolitik. Kriminelle Ausländer will Bollinger abschieben – eine Dauerforderung am rechten Rand. Am Abend des Wahlerfolgs spricht er davon, den „roten Filz“ aufarbeiten zu wollen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die hohen Wahlergebnisse erreicht die AfD in Rheinland-Pfalz wieder einmal trotz ihres Spitzenkandidaten. Nicht wegen ihm. Vor der Wahl lagen Bollingers Zustimmungswerte bei 10 Prozent. Die Menschen wählen die Rechtsaußen-Partei – nicht ihre Politiker. Ähnliches zeigte sich in früheren Wahlen, selbst in Hochburgen im Osten. Die AfD hat ein Personalproblem.

Und sie hat ein Machtproblem. Denn trotz der starken Wahlergebnisse bleibt die AfD ohne Regierungsoption. Auch in Rheinland-Pfalz will keine andere Partei mit ihr koalieren.