Die früheren Aussagen von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder über die Grünen waren manchmal so abfällig, dass sogar schon Unionskollegen ihn zur Mäßigung aufgerufen hatten. „Die Grünen passten nicht zu Bayern“, hat Söder im vergangenen Jahr gesagt. Schwarz-Grün im Bund sei ein absolutes „No-Go“, und für den Abgang des Grünen Robert Habeck als Wirtschaftsminister hatte er nur Häme übrig: „Geh mit Gott – Hauptsache weit weg.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Seit der Stichwahl bei der bayerischen Kommunalwahl am Sonntag sitzt nun der frisch gewählte grüne Oberbürgermeister Dominik Krause im Rathaus am Münchner Marienplatz, 900 Meter Luftlinie von der Staatskanzlei entfernt. Wie wird die Nachbarschaft gedeihen? Markus Söder hatte offenbar voll auf den Wahlsieg des 70-jährigen Amtsinhabers Dieter Reiter (SPD) gesetzt. Aber Reiter verlor, Dominik Krause löste ihn ab.

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Söder reagierte auf diese Wahlüberraschung gewohnt flexibel: „Ich biete eine offene und faire Zusammenarbeit an. Zum Wohle der Region.“ Ein kleiner Nadelstich war aber auch dabei. Diese vernünftige Zusammenarbeit sei zwingend, so Söder, „schon allein deswegen, weil die Landeshauptstadt in vielen Dingen vom Freistaat profitiert und ohne den Freistaat Herausforderungen hat“. Und dem erst 35 Jahre alten Krause gab der 59-jährige Söder auch eine Botschaft mit: „Meistens ist es ja auch so, dass die Ämter Reifeprozesse mit sich bringen.“ 

Dominik Krause
Dominik Krause (Grüne) ist designierter Oberbürgermeister der Stadt München.© dpa | Sven Hoppe

Münchens OB Krause setzt auf konstruktive Zusammenarbeit mit Söder

Dominik Krause hat jedenfalls kein Interesse an einem Crash mit dem CSU-Granden: „Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München und der Ministerpräsident müssen gut zusammenarbeiten. Das ist mein Anspruch. Wir können nicht ohne den Freistaat und der Freistaat nicht ohne seine wichtigste Stadt“, sagte er unserer Redaktion. „Diese gute Zusammenarbeit bildet die Grundlage für den wechselseitigen Erfolg, das sieht man zum Beispiel am starken Wirtschaftsstandort München.“

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Auch atmosphärisch hat der grüne Sieger kein Problem mit Söder, heißt es hinter den Kulissen. Theoretisch möglich, dass sich Söder und Krause gemeinsam beim Fassanstich vom Oktoberfest mit Maßkrügen zuprosten, wie es Reiter und Söder 2025 im Schottenhamel-Festzelt getan haben. Oder dass sie bei Empfängen in der VIP-Lounge des FC Bayern den Schulterschluss demonstrieren – zum Wohle Bayerns und seiner Landeshauptstadt.

München: Es gibt Streitpunkte zwischen Grünen und CSU

Dabei gibt es inhaltliche Schnittstellen, aber auch Differenzen. Zum einen ist da die Internationale Automobilausstellung in München, für die die Verträge noch bis 2031 laufen. Krause stellt infrage, ob die Plätze in der Innenstadt auch in Zukunft für die Automesse genutzt werden dürfen – eine Gegenposition zur CSU.

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Möglich ist auch ein Konflikt um den Münchner Flughafen, bei dem die Lufthansa ihre internationalen Verbindungen ausbauen will. Am wichtigsten aber ist die Olympia-Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044. Söder ist uneingeschränkt dafür, mit allen Mitteln. Auch Krause ist ein Befürworter von Olympia. Allerdings pochen Teile der Grünen in München auf Nachhaltigkeit und wollen keine Neubauten.