Die amerikanische Hauptstadt hat viele Machtzentren. Das grellste passt derzeit in eine Jackentasche. Donald Trumps Handy. Wer die heißeste Zehn-Zahlen-Folge besitzt, um die Korrespondenten balgen und für die Influencer Geld bieten, hat Chancen, die es früher nie gab: Einfach mal durchklingeln, vielleicht geht der Präsident der Vereinigten Staaten ja ran. 

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Wie oft er rangeht, manchmal auch nach Mitternacht oder morgens um vier, wissen Mitarbeiter im Weißen Haus, die einen Blick auf sein Display werfen können. Ein Beamter fasst es gegenüber dem Magazin „The Atlantic“ so zusammen: „Es ist buchstäblich Anruf auf Anruf von Reportern. Boom, boom, boom.“ Das hört sich nicht nach Staatsführung, sondern Call-in-Sendung an.

Auch interessant

Am Wochenende kam Edward Luce, die Reporter-Legende von der „Financial Times“, wieder zum Zug. Und Trump sagte den Satz, der seither um die Welt geht: Er wolle vielleicht „das Öl im Iran nehmen“. Dazu stellte er gleich die nächste Laune in den Raum: „Vielleicht nehmen wir Kharg Island ein, vielleicht nicht.“ Über die Insel laufen rund 90 Prozent der iranischen Ölausfuhren. 

„The Atlantic“ schreibt: Trump mag diese Anrufe

Liebäugelt Trump tatsächlich damit, sich am wichtigsten Exportgut des Mullah-Regimes zu bereichern? Werden Tanker demnächst abgefüllt und mit Kurs US-Ostküste in See stechen? 

Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert

Daran wäre fast alles falsch. Juristisch zuerst. Der Völkerrechtler Michael Schmitt warnt, Öl-Infrastruktur sei „nicht automatisch“ ein zulässiges militärisches Ziel; sie müsse einen strengen Test bestehen, und die absehbaren Folgen für Zivilisten seien mitzuberechnen. Strom, Treibstoff, Wasser, Krankenhäuser, Lebensmittelketten: Alles hängt daran. 

Noch schärfer wird es, wenn aus dem Drohen ein Besetzen würde. Der Jurist Michael Meier erinnert daran, dass eine Besatzungsmacht natürliche Ressourcen nicht plündern oder ausbeuten darf; das gilt ausdrücklich auch für Ölbestände und andere Naturressourcen. 

Auch interessant

Trumps Wunsch klingt deshalb weniger nach einem Plan als nach egomanischer Dampfplauderei. Von der Trump aus Erfahrung weiß, dass sie kurz darauf globale Medienwellen schlagen wird. 

„The Atlantic“ schreibt, Trump möge diese Anrufe. Alldieweil seine Helfer frustriert seien, weil er am Telefon „drauflos plaudert“. Ohne Kontext, ohne Disziplin, aber mit fast derselben Wucht wie in einem offiziellen Oval-Office-Auftritt. 

Braucht es ein Handyverbot für Donald Trump?

Genauso entstehen Widersprüche, die Märkte bewegen und Gegner studieren. Einmal sagte Trump telefonisch, der Krieg könne in „zwei oder drei Tagen“ enden. Dann sprach er von „vier oder fünf Wochen“. Später erklärte er, der Krieg sei „ziemlich komplett“, woraufhin Ölpreis und Aktien zitterten. Gegenüber dem News-Portal „Axios“ und der Agentur Reuters schwadronierte er davon, dass die USA bei der Wahl von Irans nächstem Führer „eine Rolle“ spielen müssten. Hallo?

Ein Präsident, der jeden Anruf für eine Ego-Bühne hält, verwandelt sich irgendwann selbst „in ein Sicherheitsrisiko“, sagen Kritiker in Washington. Oder prosaischer: Die Welt hat derzeit wirklich genug Probleme. Ein impulsiver Oberbefehlshaber mit lockerem Mundwerk und dauerklingelndem Mobiltelefon muss nicht auch noch ein sein. Schlussfolgerung: Ein Handyverbot müsste her – für einen 79-Jährigen, der per Knopfdruck einen Atomkrieg auslösen kann.