Die Hoffnungen im Vorfeld der Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Islamabad waren groß. Doch als die Delegationen am frühen Sonntagmorgen Islamabad verließen, blieb vor allem eines zurück: der Eindruck, dass 21 Stunden für einen Konflikt dieser Tragweite und Historie niemals ausreichen konnten, um eine tragfähige Einigung zu erzielen. Die Amerikaner sprachen in Pakistan von ernsthaften, aber letztlich ergebnislosen Gesprächen. Aus Teheran hieß es, Washington habe „überzogene“ und rechtswidrige Forderungen gestellt. Und nun? Geht der Krieg im Mittleren Osten nach Ende der bis Dienstag nächster Woche vereinbarten Waffenruhe weiter? Die wichtigsten Aspekte auf einen Blick:
Iran-Gipfel in Islamabad scheitert: An welchen Knackpunkten hat es gelegen?
Laut US-Verhandlungsführer und Vizepräsident JD Vance war es vor allem die Atomfrage. „Wir haben ein bekräftigendes Bekenntnis verlangt, dass Iran die Entwicklung von Atomwaffen nicht weiterverfolgt.“ Dazu habe sich Teheran nicht durchringen können. Was die USA im Kern wollten, war die vollständige Einstellung der Urananreicherung. Für Teheran war diese Maximalforderung ein Beleg dafür, dass die USA nicht wirklich einen Kompromiss suchten, sondern eine Kapitulation. Grund: Iran hat als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags das Recht, Uran für zivile Zwecke anzureichern, und sich bereits verpflichtet, niemals eine Atomwaffe herzustellen.
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Die Amerikaner schenken dem keinen Glauben. Iran warf Washington laut Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf „übermäßige Forderungen“ und einen „Bruch von Versprechen“ vor. Der zweite große Streitpunkt war die Straße von Hormus. Iran kontrolliert den maritimen Flaschenhals, durch den ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs läuft. Washington verlangte freie Passage und ein Ende der iranischen Blockade oder Bedrohung des Schiffsverkehrs.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Teheran verknüpfte die Frage mit Souveränität, Kontrolle und offenbar sogar mit dem Anspruch, die Durchfahrt politisch und wirtschaftlich zu regulieren – man erhebt seit Tagen Mautgebühren von bis zu zwei Millionen Dollar pro Tanker. Zumindest auf diesen Punkt hat Trump inzwischen reagiert, inzwischen sperrt sein Militär die Meerenge.

Ist das die ganze Wahrheit – welche Rolle hat Israel gespielt?
Abermals eine sehr wichtige. Nach übereinstimmenden Berichten hat Premierminister Benjamin Netanjahu Vance mitten in den Iran-Gesprächen angerufen und damit womöglich entscheidend zum Scheitern der Friedensgespräche beigetragen. Kolportierter Tenor: Israel will keinen sofortigen, vollständigen Waffenstillstand im Libanon, sondern weiter die Hisbollah bombardieren. Die USA sollen angeboten haben, Israel davon zu überzeugen, zunächst die Angriffe auf Beirut einzustellen und die Waffenruhe dann schrittweise auf den Rest des Landes auszuweiten. Das kam für Teheran nicht infrage.
Wie bewertet der Iran die Gespräche?
Esmail Baghaei, Sprecher des Außenministeriums, sagte, sie seien in einer Atmosphäre des Misstrauens geführt worden. „Wir haben die Unaufrichtigkeit und die bösen Absichten der Vereinigten Staaten nicht vergessen und werden sie nicht vergessen“, nachdem zwei vorherige Runden der Atomgespräche (bis Juni 2025 und bis zum 28. Februar 2026) durch bewaffnete Auseinandersetzungen mit Israel und den USA unterbrochen worden waren.
Was passiert jetzt?
Formal läuft die Waffenruhe am 21. April aus. Präsident Donald Trump steht vor mehreren Szenarien, die allesamt aus Sicht von regierungsnahen Analysten widrig sind: Fortsetzung des diplomatischen Fingerhakelns mit Teheran über die Zukunft seines Atomprogramms. Erneuter Waffengang, dieses Mal noch zerstörerischer. Wofür er sich entscheidet, ist zur Stunde unklar. Denkbar ist auch, dass Trump einseitig den Krieg für beendet und sich zum Sieger erklärt, das US-Militär abzieht und die Hinterlassenschaften Dritten überlässt.
Was will Washington nicht?
Trump will nicht in einen langwierigen Verhandlungsmarathon hineingezogen werden, dazu fehlt ihm die Geduld. Vorgänger Barack Obama verhandelte zwei Jahre mit Teheran, man stritt um jedes Wort. Am Ende stand im Sommer 2015 ein Vertragswerk voller Kompromisse, die Trump in seiner ersten Präsidentschaft verwarf. Im Rückblick war das Atomabkommen (JCPOA) nach Ansicht vieler Experten besser, als das, was Trump nach sechs Wochen Krieg vorzuweisen hat.
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Warum sind Trumps Druckmittel beschränkt?
Beispiel Kampfhandlungen. Schon heute ist der Krieg sündhaft teuer, Schätzungen in Washington gehen von über 100 Milliarden Dollar aus, und in den USA aufgrund steigender Spritpreise fundamental unbeliebt. Sollte Trump den Krieg noch intensivieren, würden die Finanzmärkte höchstwahrscheinlich einbrechen, die weltweiten Engpässe bei Öl und Gas drastisch verschärft und die Inflation, die bereits bei 3,3 Prozent liegt, fast zwangsläufig steigen. Sechs Monate vor den Kongresswahlen keine gute Perspektive.
Hat Trump sich verzockt?
Es sieht danach aus. Nach fast 40 Tagen Raketen- und Bombenangriffen auf den Iran hatte der bald 80-Jährige auf ein Einknicken des Mullah-Regimes gesetzt. Die Iraner demonstrierten jedoch, dass sie sich durch keine noch so große Menge US-Munition einen Diktatfrieden aufzwingen lassen. Fast einhellige Expertenmeinung: Der Iran wird die Durchfahrt durch die Straße von Hormus so lange behindern, bis er ein akzeptables Angebot von den USA erhält. Trump hält dagegen. Er kündigte am Sonntag an, dass die US-Marine alle Schiffe blockieren wird, „die versuchen, in die Straße von Hormus einzufahren oder sie zu verlassen“. Außerdem soll jedes Schiff in internationalen Gewässern aufgespürt und abgefangen werden, „das eine Gebühr an den Iran gezahlt hat. Niemand, der eine illegale Gebühr zahlt, wird auf hoher See sicheren Durchgang haben.“
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Wurde Vizepräsident JD Vance seiner Rolle gerecht?
Gemessen am Ergebnis: nein. Wie sich der Politneuling, der erst vor drei Jahren als Senator für Ohio Relevanz erlangte, intern geschlagen hat, ist bisher unbekannt. Vance, erkennbar irritiert, lieferte nach dem Verhandlungsmarathon in drei Minuten nur Worthülsen ab: „Wir haben sehr deutlich gemacht, wo unsere roten Linien liegen und in welchen Punkten wir bereit sind, ihnen entgegenzukommen.“ Der Iran „hat sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren“. Welche Linien, welche Bedingungen? Kein Kommentar.
Sind weitere Verhandlungen ausgeschlossen?
Nein. Auf Fachebene – Finanz-Experten, Nuklear-Strategen – wird ohnehin weiter Kontakt gehalten. Ob und wann eine größere Runde zusammentritt, ist offen.
Wo war eigentlich Donald Trump, als in Pakistan verhandelt wurde?
Der Präsident verfolgte andere Prioritäten. Er schaute sich am Samstagabend gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio, der in der heißen Iran-Phase wie ein Zaungast wirkt, in Miami einen Käfigkampf der Ultimate Fighting Championship an.











