US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe mit Iran einseitig auf unbestimmte Zeit verlängert. Gleichzeitig hält er an der US-Seeblockade gegen Schiffe fest, die aus iranischen Häfen am Persischen Golf auslaufen. Hier liegt der Knackpunkt. Teheran betrachtet die Blockade als Kriegsakt, weigert sich deshalb, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und lässt in der Straße von Hormus punktuell weiter Gewalt sprechen. Am Mittwoch meldete die britische Seesicherheitsbehörde Schüsse auf mindestens drei Frachtschiffe. Die geplante zweite Gesprächsrunde in Islamabad platzte, der designierte Verhandlungsführer, Vizepräsident JD Vance, blieb in Washington. Trump schrieb, man werde den Angriff auf Iran aussetzen, „bis seine Führer und Vertreter einen einheitlichen Vorschlag vorlegen“. Bis wann, das ließ er offen. Stunden zuvor hatte er noch damit gedroht, das Militär stehe „reißend darauf“, wieder loszuschlagen. Diese Zickzack-Diplomatie hat bislang vor allem eines produziert: Misstrauen. Drei Szenarien für die nächsten Tage und Wochen:
Erstes Szenario: ein echtes Abkommen
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Es wäre die beste Lösung, aber es ist derzeit nicht die wahrscheinlichste. Aus amerikanischer Sicht müsste Iran auf den militärisch sensibelsten Teil seines Atomprogramms verzichten: lange Aussetzung der Anreicherung, besser 20 als 15 Jahre, Herausgabe oder Verdünnung hochangereicherten Urans in den Trümmern von Isfahan, freie, kostenlose Passage für alle durch Hormus, Loslösung von Terror-Proxys wie Hisbollah im Libanon. Aus iranischer Perspektive ist das eine Zumutung. Teheran pocht auf das Recht auf Uran-Anreicherung für zivile Zwecke, verlangt ein Ende der Feindseligkeiten, Sanktionserleichterungen in Milliardenhöhe, Reparationen und die Anerkennung seiner Kontrolle über die Meerenge. Solange Trump öffentlich im Stil von Maximalforderungen Null-Anreicherung verlangt und parallel militärisch droht, ist ein umfassender Deal nur denkbar, sagen Analysten in Washington, „wenn beide Seiten ihr Gesicht wahren dürfen“: Washington durch harte nukleare Auflagen, Teheran durch Souveränitätsgewinne. Israel würde ein solches Abkommen nur akzeptieren, wenn es den iranischen Nuklear- und Raketenhebel glaubwürdig verkleinert. Gemessen an diesen Kriterien ist eine Lösung unwahrscheinlich.
Zweites Szenario: ein brüchiger Waffenstillstand
Ein Waffenstillstand, aus dem sich die USA schrittweise herausmogeln – in sechs Monaten wird im Kongress in Washington gewählt –, ist im Moment das realistischste Bild. Washington würde dann sagen: Die Waffen schweigen, Gespräche bleiben möglich, also sei die Krise eingedämmt. Tatsächlich wäre es eher eine bewaffnete Vertagung. Bis dahin geht das strategische Kalkül der Amerikaner so: Halten die USA ihre Seeblockade trotz steigender Ölpreise durch, wären die iranischen Öllager spätestens in acht Wochen voll. Teheran müsste Bohrlöcher stilllegen. Den Lagerstätten drohten dann Langzeitschäden durch Wassereintritt, Ablagerungen und Druckverlust. Eine spätere Wiederinbetriebnahme wäre schwierig und sehr teuer. Kämen dann auch noch Sekundärsanktionen gegen Käufer iranischen Öls dazu, würden laut Expertenangaben zwei Millionen Barrel iranisches Öl pro Tag vom Markt abgeschnitten. Weil der Iran seine Existenz überwiegend aus Öleinnahmen bestreitet, geriete das Regime in so eine dramatische wirtschaftliche Abwärtsspirale, dass es seine harte Haltung in den Kernfragen Atomprogramm und Hormus aufgeben wird; allerdings erst in zwei Monaten. Abgesehen davon, dass der Iran dieses Szenario als „illusorisch“ abweist und Widerstand ankündigt: Für Europa wäre so ein Zwischenstadium unerquicklich.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Noch gibt es laut EU-Kommission keine akuten physischen Versorgungslücken. Aber die Preise für Öl und Gas sind bereits stark gestiegen, Flughäfen warnen vor Kerosinengpässen in wenigen Wochen, und Brüssel rechnet im Fall anhaltender Spannungen damit, dass Europa seine Gasspeicher vor dem Winter nur schwer füllen kann. Durch den Krieg sind auch Raffinerie- und LNG-Ströme aus dem Golf beschädigt. Das Nadelöhr ist der Fluchtpunkt aller Betrachtungen. Seit Kriegsbeginn sind etwa 13 Millionen Barrel Öl und rund 300 Millionen Kubikmeter LNG im Golf festgesetzt worden – täglich. Selbst wenn die Meerenge morgen wieder völlig offen wäre, würden sich Versicherungen, Frachtraten und die Vorsicht der Reeder noch Monate bemerkbar machen. Für Europa hieße das: keine totale Dunkelheit, aber noch teurere Energie, angespanntere Märkte und mehr politischen Stress.
Drittes Szenario: ein neuer Angriff
Militärisch ist er weiter möglich, die Amerikaner halten weiter eine riesige Streitmacht in der Region. Politisch aber wäre er vor den Wahlen im November für Trump lebensbedrohlich – angesichts der Tatsache, dass schon die bisherigen Mega-Bombardierungen kein einziges Problem gelöst haben, auch wenn Teheran durch das Ausschalten Tausender Ziele geschwächt ist. Der Iran verfügt weiter über Uran und atomare Kapazitäten. Über Raketen und Drohnen in ausreichender Zahl ohnehin. Und über die Macht, die Straße von Hormus nach Belieben zu monetarisieren und die Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen. Hinzu kommt: Der versuchte Regimewechsel hat eine von den Revolutionsgarden geführte Militärdiktatur an die Stelle einer weltfremden Mullah-Sekte gesetzt. Eine neue Angriffswelle – auf welche Ziele überhaupt? – würde noch mehr Geld verschlingen und den innenpolitischen Druck verstärken. Dennoch ist ein Rückfall ins Bombardement nicht ausgeschlossen. Wenn der Iran weiter auf Schiffe oder US-Ziele schießt und Israel den diplomatischen Prozess für erledigt erklärt, könnte aus der Hängepartie in kürzester Zeit ein neuer Luftkrieg werden.

Fazit: Was also kommt?
Wahrscheinlich weder der große Frieden noch der saubere Sieg. Eher eine längere Grauzone zwischen Krieg und Verhandlung, in der jede Seite versucht, die Zeit gegen die andere zu wenden. Die USA hoffen, dass die Blockade Irans Ölmaschine und damit seine Verhandlungsmacht abwürgt. Iran setzt darauf, dass Hormus, Ölpreise und amerikanische Ungeduld Trump zwingen werden, seine Maximalforderungen zu räumen. „Am Ende kommt es darauf an, wer zuerst zuckt“, sagte ein mit den Obama-Iran-Verhandlungen 2015 vertrauter Diplomat dieser Zeitung. „Bricht zuerst die iranische Wirtschaft zusammen? Oder verschlechtert sich die des Westens so stark, dass Trump nachgeben muss?” Israel wiederum schaut in dieser Konstellation vor allem darauf, ob aus einem schlechten Zwischenfrieden ein besser getarnter iranischer Wiederaufbau würde. Im Moment spricht mehr für einen kalten, löchrigen Waffenstillstand als für einen historischen Durchbruch. Aber gerade weil Trump seine Fristen und Drohungen konsequent selbst entwertet hat, ist auch die nächste abrupte Eskalation nicht vom Tisch. Mit dem erweiterten Waffenstillstand ist ein neues Vakuum entstanden.







