Kriege, Spannungen, neue Waffentechnologien: Weltweit steigen die Militärausgaben, ungewöhnlich stark ist der Trend in Deutschland. Die Bundesrepublik rückt in der Spitzengruppe der Staaten mit den höchsten Verteidigungsaufwendungen auf Platz vier vor, hinter den USA, China und Russland und noch vor Indien und Großbritannien. Das geht aus einem neuen Report des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervor, der am Montag veröffentlicht wird und unserer Redaktion vorab vorlag.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im vergangenen Jahr gaben die Staaten demnach weltweit rund 2,89 Billionen Dollar (etwa 2,47 Billionen Euro) für ihre Armeen aus, das bedeutet einen Anstieg um 2,9 Prozent. „Die Staaten reagierten auf ein weiteres Jahr voller Kriege, Unsicherheit und geopolitischer Umwälzungen mit groß angelegten Rüstungsanstrengungen“, erklärt Sipri-Forscher Xiao Liang. Besonders stark – um 14 Prozent – wuchsen die Militärausgaben in Europa.  Allein die 29 europäischen Nato-Staaten gaben zusammen rund 559 Milliarden Dollar (477 Milliarden Euro) aus.

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An der Spitze steht dabei Deutschland als größtes europäisches Nato-Land, das nach Sipri-Zahlen 114 Milliarden Dollar (97 Milliarden Euro) ausgab – ein Anstieg um 24 Prozent innerhalb eines Jahres, was vor allem dem Sondervermögen für die Bundeswehr zu verdanken ist. 2025 sei in Deutschland das dritte Jahr in Folge mit zweistelligen Wachstumsraten bei den Militäraufwendungen gewesen, resümiert der Report. Das ist nicht das Ende: Bis 2029 will die Bundesregierung im Einklang mit den Nato-Zielen die Ausgaben von zuletzt 2,3 Prozent auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern, in absoluten Zahlen bedeutet das laut Haushaltsplanung 150 Milliarden Euro im Jahr.

Auf die drei größten Militärmächte entfällt die Hälfte der Ausgaben

Der Sipri-Bericht verweist darauf, dass Militärausgaben in Deutschland jetzt von der Schuldenbremse ausgenommen sind. Andere europäische Staaten können nicht so aus dem Vollen schöpfen: Großbritanniens Militärausgaben schrumpften sogar um zwei Prozent auf 89 Milliarden Dollar (Platz 6 im Ranking), Frankreich gab mit 68 Milliarden Dollar etwa 1,5 Prozent mehr aus als im Jahr zuvor (Platz 9).

Flugabwehrkomplex Iris-T
Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahren mit weiteren Luftverteidigungssystemen des Typs Iris-T SLM ausgestattet. © DPA Images | Sebastian Gollnow

Die drei größten Militärmächte – USA, China und Russland – ließen sich ihre Streitkräfte zusammen 1,48 Billionen US-Dollar kosten, rund die Hälfte der weltweiten Gesamtsumme. An der Spitze stehen weiter mit großem Abstand die USA mit 954 Milliarden Dollar. Allerdings ist das ein ungewöhnlicher Rückgang um 7,5 Prozent, weil Washington erstmals seit 2022 keine neue Militärhilfe für die Ukraine genehmigt hatte. Doch erhöhten die USA die Investitionen sowohl in nukleare als auch konventionelle militärische Fähigkeiten, um die Dominanz auf der westlichen Hemisphäre zu bewahren und China im Indopazifik abzuschrecken, betont der Report.

„Der Rückgang der US-Militärausgaben 2025 wird voraussichtlich nur von kurzer Dauer sein“, sagte Sipri-Programmdirektor Nan Tian. Schon dieses Jahr soll die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschritten werden, 2027 könnten nach Vorschlägen von US-Präsident Donald Trump sogar bis zu 1,5 Billionen Dollar ins Militär fließen. China gab 336 Milliarden Dollar aus, allerdings schränkt Sipri ein, dass es sich hier nur um eine Schätzung handelt. Gleiches gilt für Russlands Militärausgaben, die 2025 auf 190 Milliarden US-Dollar gestiegen sein dürften, was 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Die Aufwendungen der Ukraine gibt der Sipri-Report mit 84 Milliarden Dollar an – das sind 40 Prozent des ukrainischen Bruttosozialprodukts.