Liebe Leserin, lieber Leser,
Deutschland schwitzt bei Temperaturen von über 40 Grad und der Hausärztinnen- und Hausärzteverband ist empört und schlägt bei uns Alarm: „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich. Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt“, sagte die Bundesvorsitzende des Verbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, meinem Kollegen Dominik Bath. Und weiter: „Die Politik muss endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und beim Hitzeschutz handeln, statt sich darauf zu beschränken, immer wenn es heiß wird eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Besonders besorgt sind die Hausärzte bei den Senioren in unseren Altenheimen. Die Heime müssten „endlich in die Lage versetzt werden, ihre Bewohner vernünftig gegen Hitze zu schützen.“ Bei Besuchen in Pflegeheimen zeige sich immer wieder, dass dies vielerorts nicht gewährleistet sei.
Während der Rekordhitze tut sich übrigens ein seltsamer Graben in unserer Arbeitswelt auf. Manche Arbeitnehmer müssen die Zähne zusammenbeißen und arbeiten weiter – und andere nicht. Diese Woche fuhr ich an einer Berliner Baustelle vorbei, wo Dachdecker – verhüllt wie Beduinen mit langen Kopftüchern – in gleißender Sonne Dachziegel setzten.

Berliner Polizeibeamte versehen ganz normal ihren Dienst in den schweren Schutzwesten, schließlich haben die Hauptstadt-Gangster kein Hitzefrei. Bäcker backen Brot und mobile Altenpflegerinnen quälen sich wie immer durch die Tour zu ihren Schützlingen. Auch unsere Reporterinnen und Reporter sind immer für Sie unterwegs.
Vor den Toren der Hauptstadt gönnt sich dagegen die Stadtverwaltung in Potsdam – berühmt für seine herrlichen Badeseen – hitzefrei und kürzt Bürgersprechstunden. Auch das städtische Kinderschutzteam ist wegen der Temperaturen „ausschließlich telefonisch erreichbar“, heißt es auf der Website. Das erinnert mich an ein Zitat des berühmten Brandenburger Dichters Theodor Fontane: „Die Talente sind oft gar nicht so ungleich. Im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede“.
Ukrainer abschieben?

Darf man wehrpflichtige Ukrainer abschieben, damit sie in der Heimat sofort eingezogen und in den Krieg geschickt werden können? Genau das fordert vehement der Kanzler und auch die EU-Kommission will den Flüchtlingsschutz einschränken.
Als Vater von zwei Söhnen verstehe ich alle besorgten Eltern, die ihre wehrpflichtigen Kinder vor diesem brutalen Krieg retten wollen. Sogar die Söhne von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko befinden sich im Ausland. Andererseits ist es absurd, wenn Deutschland die Ukraine mit Milliarden Euro bewaffnet und gleichzeitig wehrfähigen Ukrainern Asyl bietet. Mein Kollege Thorsten Knuf erläutert die Pläne und ordnet das Dilemma klug ein.
80 Millionen gegen 8000

Rund 8000 Männer, Frauen und Kinder in Deutschland warten derzeit verzweifelt auf ein Spenderorgan. Viele sind dem Tod geweiht, weil es zu wenige Organspender gibt. Um an mehr lebensrettende Organe zu kommen, wollen Politiker die Widerspruchslösung einführen, was jeden im Todesfall automatisch zum Organspender macht – es sei denn, er widerspricht zu Lebzeiten.
Der Bundestag hat gestern diese Widerspruchslösung diskutiert und der moralische Zwiespalt wurde offenkundig. Darf man 80 Millionen Menschen in Deutschland automatisch zu Organspendern erklären, um 8000 zu retten?
Ich kann das Unwohlsein von manchem bei dieser Pauschallösung verstehen. Man muss bei der Organspende sehr viel Vertrauen in den Staat haben und das ist vielen leider abhandengekommen. Bei der Widerspruchslösung geht der Riss auch mitten durch die Union. Die Abgeordnete Gitta Connemann ist dafür und sagt „ein einfaches Nein reicht jederzeit“. Ihr Parteifreund Michael Brand hält dagegen: „Schweigen ist nie Zustimmung, nirgendwo“.
Selbst Experten sind uneins. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz ist gegen eine Neuregelung und findet, dass „verfassungsrechtlich geschützte Patientenrechte nicht eingeschränkt werden dürfen“. Die Bundesärztekammer feiert dagegen die Widerspruchslösung „als wichtiges Signal der Solidarität.“
Ich habe diese Frage für mich schon lange entschieden und seit dem Kauf meines ersten Motorrades den Organspendeausweis in der Brieftasche. Wenn Sie auch einen haben wollen, gibt es hier den Link zur Bestellung und hier die Möglichkeit, sich digital in das Organspende-Register einzutragen.
Jeden Tag sterben statistisch drei Menschen in Deutschland, weil sie kein Organ bekommen konnten. Es liegt an uns allen, diese stillen Tragödien in unseren Kliniken zu beenden. Lesen Sie dazu auch den Kommentar meiner Kollegin Birgitta Stauber.
So findet die Wirtschaftsweise die Rentenreform

Wie gut ist die geplante Rentenreform? Das fragten meine Kollegen Günter Marks und Dominik Bath die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Die Professorin von der renommierten Ludwig-Maximilians-Universität in München sieht die Vorschläge positiv und lobt besonders den Mut, künftig bei der Rente auch auf den Kapitalmarkt zu setzen.
Schnitzer: „Vor allem die Kapitaldeckung halte ich für das zentrale Element. Deutschland geht damit endlich einen Weg, den andere Länder längst erfolgreich eingeschlagen haben.“ Was die Wirtschaftsweise kritisch sieht, lesen Sie hier im Wortlautinterview.

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Merkel hängt jetzt im Museum
Wer als Kanzlerin oder Kanzler abtritt, hängt mit einem Porträt in der Ahnengalerie des Bundeskanzleramtes, so will es ein ungeschriebenes Gesetz. Olaf Scholz fehlt noch, Gerhard Schröder ließ sich selbstbewusst ganz in Gold von seinem Lieblingskünstler Jörg Immendorff in Szene setzen. Helmut Kohl ist von Albrecht Gehse in Öl verewigt. Angela Merkel, die ja schon 2021 abtrat, fehlt auch noch und viele Künstler hatten sich Hoffnung auf diesen spektakulären Auftrag gemacht.
Jetzt durfte der völlig unbekannte 28-jährige Künstler Jérémie Queyras das offizielle Porträt der bislang einzigen Kanzlerin anfertigen. Es hängt bereits im weltberühmten Berliner Bode-Museum und wird am nächsten Dienstag erstmals enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein kleines Detail mit Merkels typischer Raute hat der stolze Künstler bereits auf Instagram gepostet. Wir dürfen gespannt sein.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und bleiben Sie so cool wie möglich,
herzlich, Ihr
Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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